Gründungsarbeiten am Alten Rathaus beginnen am 19. November / Ausschreibung nächste Woche

Ein Fundament in Handarbeit

Das Alte Rathaus von innen.

Uelzen. Der Beschluss des Verwaltungsausschusses ist gefallen, weitere 600 000 Euro stehen für die Sanierung des Alten Uelzener Rathauses bereit.

Höchste Zeit also für Karsten Scheele-Krogull, die nächste Stufe im Sanierungsmarathon zu zünden: „In der nächsten Woche geht die Ausschreibung raus“, kündigt der Baudezernent der Stadt Uelzen an. Am 19. November werde dann mit den Gründungsarbeiten am Alten Rathaus begonnen.

Im Klartext: Der aus Geröll bestehende Unterbau des rund 600 Jahre alten Gebäudes muss Abschnitt für Abschnitt unter dem Rathaus herausbefördert werden. „Das geht alles nur per Handarbeit“, erklärt Scheele-Krogull, weil man den Unterbau aus statischen Gründen nicht freilegen und einfach wegschaufeln kann. Sind die losen Steine, auf denen das Alte Rathaus steht, dann entfernt, kann wiederum Abschnitt für Abschnitt Beton eingebracht werden. „Am Ende bilden die einzelnen Abschnitte dann eine vollständige Betonplatte“, erklärt der Baudezernent. Bis Januar/Februar nächsten Jahres werde die Arbeit wohl dauern, schätzt Scheele-Krogull, und er ist zuversichtlich, dass das Wetter kaum einen Strich durch diese Rechnung machen wird. „Wir arbeiten ja überwiegend im Innenbereich.“

Damit aber eben diese Gründungsarbeiten überhaupt möglich werden, wird in die Mauern des Alten Rathauses eine aufwändige und komplizierte Aufhängung aus Stahlträgern eingebaut, die auf vorübergehend entstehenden Pfosten liegen soll. Diese Konstruktion wird das Gebäude im Gleichgewicht halten, wenn dessen Unterbau komplett ausgetauscht wird. „Allein die Gründung“, überschlägt Karsten Scheele-Krogull“, kostet 400 000 Euro – eben weil es ein so aufwändiges Verfahren ist.“

Die Gesamtkosten der Rathaus-Sanierung haben sich, wie berichtet, auf mittlerweile 3,2 Millionen Euro aufsummiert. Schuld daran sind maßgeblich die genannten Arbeiten, die nur in kleinen Schritten und mit hohem technischen Aufwand erfolgen können. Eigentlich hätte die Sanierung des Alten Rathauses im nächsten Frühjahr abgeschlossen sein sollen, die Fertigstellung ist nun rund ein halbes Jahr später, Ende November, geplant. Denn schiefe Mauern, marode Balken und besagtes Geröllfundament machen diverse Speziallösungen erforderlich.

Erste Mängel hatten Experten bereits im Sommer 2011 entdeckt. Damals, so Scheele-Krogull, sei aber noch nicht absehbar gewesen, welche Kosten im Einzelnen mit diesen Problempunkten verbunden sein würden. Die gravierenden Schäden seien erst deutlich geworden, als alle Fundamente, tragenden Bauteile und Balken freigelegt waren. „Und der Anschein von außen lässt ja auch nicht erahnen, dass sich unter dem Gebäude ein Morast an Gründungen befindet“, bringt der Baudezernent auf den Punkt.

Vorwürfe der Stadtratsgruppe Wir für Uelzen/Piraten/RRP, Fehler beim Vergabeverfahren begangen zu haben, weist die Stadt von sich. Eine sogenannte freihändige Vergabe an das erste Architekturbüro habe dafür per Verordnung festgesetzte Schwellenwerte von 200 000 Euro nicht erreicht, ebensowenig wie die Vergabe an das darauffolgende Planungsbüro, und sei daher rechtens gewesen, sagt Scheele-Krogull. Eine Ausschreibung also „war nicht anzuwenden“. Im Übrigen habe das Rechnungsprüfungsamt diese Vorgänge geprüft und nichts beanstandet, ergänzt Stadt-Sprecherin Ute Krüger im AZ-Gespräch.

Von Ines Bräutigam

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