Haftstrafen für brutalen Überfall in Wohnung an der Alewinstraße

„Er fürchtete ums Leben“

+
Die Verurteilten bleiben in Untersuchungshaft, bis der Schuldspruch rechtskräftig wird, urteilte das Landgericht.

Uelzen/Lüneburg. Man liegt zu Hause auf dem Sofa, schaut Fernsehen. Dann stürmen zwei Männer in die Wohnung, prügeln auf den Bewohner, drohen ihm mit dem Tod. „Wenn eine solche Tat in den eigenen vier Wänden passiert, dann ist das eine grenzwertige Erfahrung.

Deshalb kann man hier nicht von einem minderschweren Fall sprechen“, betonte die Vorsitzende Richterin der 2. Großen Strafkammer, Ulrike Schunder. Gestern sprach das Landgericht Lüneburg das Urteil gegen die beiden Uelzener, die diesen Überfall am 7. Januar an der Alewinstraße begangen hatten: Der 28-jährige Kevin B. muss drei Jahre und neun Monate in Haft, Mike W. (44) soll für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

„Es sind erhebliche Schläge gegen den Kopf geführt worden“, betonte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Mike W. prügelte mit einem 40 Zentimeter langen Fleischklopfer, Kevin B. mit der Faust auf das Opfer ein. „Sie wollten ihn nur erheblich einschüchtern, aber er fürchtete um sein Leben“, schilderte Schunder. Noch heute schrecke der Geschädigte auf, wenn die Wohnungstür geöffnet werde. Motiv für den Überfall war dem Gericht zufolge Eifersucht. Der überfallene Mann hatte in der Wohnung seiner Schwägerin übernachtet, die auch Mike W. verehrte. Sie war zum Tatzeitpunkt nicht zu Hause, W. hatte aber ihren Wohnungsschlüssel.

Irgendwann in der zuvor durchgezechten Nacht, spätestens aber am frühen Morgen hätten die beiden Trinkkumpane dann die Entscheidung getroffen, dem Nebenbuhler einen Denkzettel zu verpassen, begründete die 2. Große Strafkammer den Schuldspruch. Trotz einer Alkoholisierung von maximal 1,95 Promille könne man bei Kevin B. nicht von einer erheblichen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit ausgehen: „Er konnte noch Fahrrad fahren und hatte seinen anschließenden Termin bei der Arbeitsagentur im Auge behalten.“

Nach den Kopfschlägen hielt Mike W. den Bewohner in Schach, Kevin B. durchsuchte die Wohnung nach Beute – so kam zur gefährlichen Körperverletzung noch schwerer Raub hinzu, der das Strafmaß letztlich mehr als verdoppelte. Beim 44-Jährigen W. berücksichtigte das Gericht auch das erhebliche Vorstrafenregister. Er hatte das Opfer noch beim Leben seiner Kinder schwören lassen, nicht die Polizei zu alarmieren.

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare