Gericht geht beim Fall eines toten Babys von Totschlag aus / Revision angekündigt

Fünf Jahre Haft für Mutter

Verteidiger Volker König mit der Verurteilten im Gerichtssaal. Foto: dpa

Uelzen. Das Landgericht Lüneburg hat die 21-Jährige, in deren Uelzener Wohnung die Polizei im November vergangenen Jahres den Leichnam ihres Neugeborenen gefunden hatte, zu fünf Jahren Freiheitsstrafe wegen Totschlags verurteilt.

Die Angeklagte wurde direkt nach Verkündung des Urteils noch im Gerichtssaal wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen.

Für die Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Axel Knaack stand nach der Beweisaufnahme fest, dass die Auszubildende ihr Kind kurz nach der „unbegleiteten“ Entbindung getötet hat und folgte mit dieser Entscheidung dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Behauptung der Angeklagten, sie habe weder die Schwangerschaft noch die Geburt bemerkt, überzeugte die Kammer nicht. „Spätestens als das Kind auf die Welt kam, war der Angeklagten klar, dass sie schwanger gewesen ist“, betonte der Vorsitzende Knaack in seiner Begründung. Dabei geht die Kammer davon aus, dass die Angeklagte aus Überforderung gehandelt habe und die Atemwege des Kindes, das laut Obduktion längstens fünf Minuten gelebt hatte, bedeckt und „eventuell auch einen Zugriff auf den Hals unternommen“ habe. Bei den Ergebnissen der Untersuchungen lasse sich ohne vernünftige Zweifel der Nachweis führen, dass die Angeklagte ihr Kind getötet hat. Auch wenn nur ein geringer Zweifel ausreiche, um zugunsten der Angeklagten zu entscheiden, wie Verteidiger Rechtsanwalt Volker König diese Zweifel mit seinem Antrag auf Freispruch vorgetragen hatte, „darf der Zweifel nicht nur theoretischer Natur sein.“

Verteidiger Volker König hatte Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt, weil die Todesursache nicht eindeutig beweisbar sei und bezog sich auf den Rechtsmediziner Hubert Kampmann aus Göttingen. Maßgebliche Beweise seien von der Obduktion im Hamburger Rechtsmedizinischen Institut nicht gesichert worden. Und Ergebnisse bei der toxikologischen und feingeweblichen Untersuchung, die eine Todesursache durch Unfall oder fahrlässiges Handeln hätten ausschließen können, seien nicht erhoben worden.

Die Angeklagte war am 9. November 2011 von ihrer zukünftigen Schwiegermutter wegen Blutungen und Bauchschmerzen in die Notfallaufnahme des Celler Krankenhauses gebracht worden. Als feststellt wurde, dass die Frau erst kürzlich ein Kind geboren hatte, diese das aber leugnete, wurden die Behörden unterrichtet, die dann in der Uelzener Wohnung eine Säuglingsleiche bargen. Bis zum Schluss behauptete die Auszubildende, weder die Schwangerschaft noch die Geburt eines Kindes bemerkt zu haben. Ob sie durch einen Sturz am Geburtstag ihres Kindes im besinnungslosen Zustand das Kind auf die Welt gebracht haben könnte, blieb bis zum Schluss der Beweisaufnahme offen. Verteidiger König wird Revision einlegen.

Von Angelika Jansen

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