VON WOCHE ZU WOCHE – Kommentar von AZ-Redakteur Norman Reuter zum Thema Führerschein und dessen Bedeutung für Jung und Alt

Der Führerschein ist mehr als eine Fahrerlaubnis

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(Symbolbild)

Es ist der Lauf der Dinge: Das Sehvermögen lässt nach, die Knochen beginnen zu schmerzen und der Kopf lässt sich nicht mehr so leicht zur Seite drehen.

Und zugleich sind im Verkehrstrubel mit Lkw, Bussen, Autos, Motorrädern, Rädern und Pedelecs und seit Neuestem auch E-Scootern eine gute Kondition und schnelles Reaktionsvermögen wichtiger denn je. Für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer wäre es also das Beste, wenn Ältere den Führerschein freiwillig abgeben würden. Das geschieht aber nur in Ausnahmefällen. Die SPD-Kreistagsfraktion und Uelzener Jusos wollen deshalb Anreize schaffen. Wer den „Lappen“ abgibt, soll kostenlos den Personennahverkehr nutzen dürfen. Schöne Idee! Zugleich muss einem bewusst sein, dass das nur ein Baustein sein kann.

Denn der Besitz eines Führerscheins bedeutet mehr für die Menschen als nur die Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Ein Führerschein steht für Autonomie und Selbstständigkeit im Leben, der man sich selbst nicht berauben will.

Für junge Menschen, die den Führerschein bekommen, startet ein Stück weit das freie Leben. Wer den Führerschein im Alter abgeben soll, der befürchtet den Verlust dieser Freiheit und hat Angst vor Abhängigkeiten – und sei es nur vom Busfahrplan. Das mögen keine rationalen Überlegungen sein, aber sie sind menschlich.

Und hinzu kommt – und dies wird dann gerne auch mal als Argument angeführt, warum man den Führerschein behalten will –, dass kein Bus in dem Dorf hält, in dem man lebt, und der nächste Supermarkt oder das Theater ja nicht um Ecke liegt. So muss auch über Infrastruktur und ÖPNV-Verbindungen gesprochen werden. Passen die Rahmenbedingungen, so fällt es den Menschen leichter, ihren Lappen abzugeben. Bleibt die emotionale Komponente, bei der Angehörige gefordert sind. Wer mit Eltern schon mal über das Thema gesprochen hat, weiß, was auf einen zukommt.

VON NORMAN REUTER

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