Fröhlicher, kritischer Geist

Der Geistliche Vizepräsident der Landeskirche, Arend de Vries (rechts), entpflichtete Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen und verabschiedete ihn bei einem feierlichen Gottesdienst in der Lüneburger Johanniskirche in den Ruhestand. Foto: t & w

ca Uelzen/Lüneburg. Zur Atompolitik findet Hans-Hermann Jantzen seit Jahren immer wieder deutliche Worte, der Landessuperintendent will die Schöpfung bewahren. Die Kernenergie sei riskant, den Endlagerplänen im wendländischen Gorleben begegnet er skeptisch.

Am Sonntag verabschiedete die Kirche den 65-Jährigen aus seinem Amt. So war es fast eine Selbstverständlichkeit, dass er auch in seiner Abschiedspredigt Stellung bezog: „Die schrecklichen Ereignisse in Japan führen es uns drastisch vor Augen. Werden wir innehalten, werden wir Entscheidungen, die in Zeiten ungebremsten Fortschritts getroffen wurden, überdenken? Wir riskieren die Vertreibung vom Planeten Erde.“

Nach gut 13 Jahren an der Spitze des Sprengels Lüneburg, der ein Dutzend Kirchenkreise zwischen Hittfeld und Wolfsburg vereint, „entpflichtete“ der Geistliche Vizepräsident der Landeskirche, Arend de Vries, den „Lasup“ gestern feierlich in der Johanniskirche. Rund 700 Gäste waren gekommen, auch dies ein Zeichen dafür, wie sehr die Menschen in der Region den schmächtigen, aber tatkräftigen Mann schätzen.

Arend de Vries nannte aus der Vita des Geehrten viele Eigenschaften, die Wegbegleiter Jantzens kennengelernt haben: Schon bei seinem ersten Examen sei vermerkt worden, er habe ein „sicheres Auftreten und zielstrebiges Wollen“, doch oft sei er einer „Berufung“ gefolgt. Als Prediger habe er sich „laut und vernehmlich“ für Zukurzgekommene und die Schöpfung eingesetzt. Bei den Auseinandersetzungen im Wendland mache Kirche keine Politik, sondern helfe, dass Politik möglich ist. Die Kirche, aber eben auch Jantzen, plädiere für Gesprächsbereitschaft bei den Vertretern der gegensätzlichen Positionen.

Auch musikalisch wurde Jantzen würde- und stimmungsvoll Anerkennung gezollt. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Joachim Vogelsänger sang die Johannis-Kantorei – einer der Sänger ist Jantzen. Es spielten das Lüneburger Kammerorchester sowie Landesposaunenwart Ulf Pankoke und das Bläserensemble. Lüneburgs Superintendentin Christine Schmidt zeichnete im Gottesdienst für die Eingangsliturgie verantwortlich, Wolfgang Sorger für die Bibellesung.

Mit einem liebevoll gestaltetet Heft verabschiedeten sich Pastor Hartmut Merten, der für Jantzen die Öffentlichkeitsarbeit erledigte, sowie Pastoren und Mitarbeiter der Kirchenkreise von ihrem Chef. Das Motto ist auch Leitsatz des Lasups gewesen: „Fromm und fröhlich“. Bei einem Empfang nutzten viele die Möglichkeit, dem Geistlichen persönlich für sein Wirken zu danken.

Jantzen wurde 1945 in Polle an der Weser geboren, er studierte in Göttingen, Tübingen und in den USA. Vikariat und weitere Ausbildung absolvierte er am Predigerseminar in Hildesheim. Er wirkte als Pastor in Lehrte und später als Studienleiter am Predigerseminar Hildesheim. 1986 wurde er Superintendent des Kirchenkreises Nord in Göttingen, 1997 wechselte er an die Ilmenau.

Über die Grenzen Niedersachsens hinweg wurde Jantzen bekannt, als er nach der Alkoholfahrt von Landesbischöfin Margot Käßmann und deren Rücktritt die Leitung der Landeskirche als Bischofsvikar kommissarisch übernahm. Er verschob dafür seinen für den vergangenen Herbst geplanten Ruhestand. Das Amt des Bischofsvikars gibt der Geistliche Ende des Monats ab. Im Ruhestand will sich Jantzen gemeinsam mit seiner Frau Ursula auch um den Garten und das gerade frisch gebaute Haus in Oedeme kümmern.

Noch ist offen, wer nächster Landessuperintendent wird. Für dieses Amt gibt es mehrere Bewerber. Arend de Vries kündigte an, der Kirchensenat werde im April über einen Nachfolger entscheiden. Dieser soll sein neues Amt nach den Sommerferien antreten.

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