Protest an der gezogenen Linie

Friedliche Demo gegen AfD-Veranstaltung in Uelzen

Bei der Kundgebung werden etwa 80 Teilnehmer gezählt. Sie wollen die AfD-Veranstaltung in der Stadthalle nicht unkommentiert lassen.
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Bei der Kundgebung werden etwa 80 Teilnehmer gezählt. Sie wollen die AfD-Veranstaltung in der Stadthalle nicht unkommentiert lassen.

Uelzen – Gegen 18. 45 Uhr wird es laut: Als der AfD-Bundestagsabgeordnete Armin Paul Hampel gestern zur Uelzener Stadthalle kommt, wird er von einem Konzert aus Trillerpfeifen empfangen.

Das Ritual wiederholt sich beim weiteren Eintreffen von Politikern der Partei, die in der Hansestadt zu einem Abend über den Klimawandel eingeladen hat.

Gesprochen wird in der Stadthalle, in der gut 40 Zuhörer zu zählen sind, aber auch über die Politik Angela Merkels und die Migration. Vor den Türen wollen etwa 80 Teilnehmer einer Kundgebung das Geschehen nicht unkommentiert lassen. Die Antifa Lüneburg-Uelzen und das Bündnis gegen Rechts haben zur Teilnahme aufgerufen. Antifa-Sprecher Olaf Meyer: „Es wird rechte Hetze in der Partei betrieben. Das soll nicht unwidersprochen bleiben. “.

Mit einer Sprühflasche ist eine neonfarbene Linie auf dem Boden gezogen worden. Bis dahin dürfen die Teilnehmer der Kundgebung kommen, artig stehen sie an der Linie. Übertretungen gibt es nur vereinzelt unter den Blicken der Polizei. Sie ist mit Kräften aus Uelzen und Lüneburg vertreten. Der Staatsschutz ist involviert, „routinemäßig“, wie Dieter Klingforth, Leiter des Uelzener Polizeikommissariats, gegenüber der AZ erklärt.

An der gezogenen Linie werden Banner und Plakate hochgehalten. Auf ihnen ist unter anderem zu lesen: „Gemeinsam gegen Rassismus und Faschismus.“ Olaf Meyer geht am Mikrofon auf die Gäste der AfD ein. Auf Joachim Wundrak beispielsweise – er ist Oberbürgermeisterkandidat für die Partei in Hannover und früherer General, was zuletzt in der Bundeswehr für Aufsehen sorgte. Olaf Meyer erinnert daran, dass Wundrak am Wochenende in Hannover an einer Demonstration teilgenommen habe, bei der auch Neonazis mitmarschiert seien. Meyer: „Es war der AfD in Niedersachsen eine Herzensangelegenheit, mit Neonazis auf die Straße zu gehen.“ In der Stadthalle kommt Wundrak seinerseits auf die Demo sprechen – vor einer Leinwand, auf der die Projektion einer deutschen Flagge zu sehen ist.

Wundrak nennt die Demo einen „Erfolg“. Es hätten aber noch mehr kommen können, sagt er. Der frühere General skizziert sich als Klimaskeptiker, als jemand, dem die Souveränität des Staates wichtig sei und der nicht mehr die Politik Merkels ausgehalten habe. Der Kreisverband der AfD hat ihn zu diesem Abend in der Stadthalle eingeladen, damit er sich mal vorstellen könne. Es habe ja Medienberichte über ihn gegeben, die nicht so positiv waren. Einer Einladung folgte auch Dietmar Friedhoff, Bundestagsabgeordneter und afrikapolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Er will über das Klima sprechen. Erst geht es aber um Migration. Dietmar Friedhoff: „Wir suchen nicht aus. Wir lassen jeden rein.“ Und bei den Migranten sei der „Großteil Wirtschaftsflüchtlinge und Kriminelle.“

Friedhoff kommt dann auf die Klimapolitik zu sprechen, draußen wird derweil zusammengepackt. Banner verschwinden. Olaf Meyer: „Wir haben das gesagt, was zu sagen war.“

VON NORMAN REUTER

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