„Sterben ist teuer“

Friedhofsgebühren in Uelzen sorgen für Unmut

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Für die Beisetzung von Urnen auf städtischen Friedhöfen sollen Angehörige künftig tiefer in die Tasche greifen: Die Stadt hat die Gebühren für Grabstätten neu kalkuliert.

Uelzen-Westerweyhe – Uelzen hat die Gebühren für die städtischen Friedhöfe neu kalkuliert. Begräbnisse werden demnach teurer und eine Grundgebühr für Kapellen wird fällig. Die Ortsräte wollen die neuen Preise nicht einfach durchwinken.

Karl-Heinz Günther, Ortsbürgermeister von Kirch- und Westerweyhe, reißt die Arme in die Höhe und sagt: „Sterben ist teuer. Ich weiß.“

Karl-Heinz Günther, Ortsbürgermeister von Kirch- und Westerweyhe.

Aber die neukalkulierten Gebühren für den Westerweyher Friedhof wollen er und der Ortsrat bei der jüngsten Sitzung der Gewählten am Donnerstagabend nicht einfach kommentarlos abnicken. Der Ortsrat spricht sich für Änderungen aus. Auch nach dem Willen des Ortsrates von Holdenstedt und Klein Süstedt, der ebenfalls in dieser Woche zusammengekommen ist, muss bei der Gebührensatzung noch einmal Hand angelegt werden.

Die Verwaltung hat nach sechs Jahren die Gebühren für die Friedhöfe in städtischer Hand neu kalkuliert. Dabei ist erstmals das sogenannte Kölner-Modell zur Berechnung der Gebühren herangezogen worden – eine Berechnungsmethode, die inzwischen in vielen Kommunen genutzt wird, wie die Stadt erklärt.

Nicht mehr allein die Größe eines Grabes ist dabei entscheidend, sondern auch der Umstand, dass Angehörige Gräber besuchen. Im Ergebnis ist die Hansestadt Uelzen, wie berichtet, nach Kölner-Modell auf höhere Gebühren für Bestattungsformen gekommen.

Die neue Gebührensatzung sieht beispielsweise für Sargbestattungen einen Betrag von 1328 Euro statt bisher 1180 Euro vor. Deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen sollen die Familien bei Urnenbestattungen: Statt bisher 381 Euro sind 876 Euro vorgesehen. Eine Steigerung von mehr als 100 Prozent. „Das sind deutlich höhere Gebühren als bisher“, moniert Dietrich Bilitza (SPD) im Ortsrat von Kirch- und Westerweyhe.

Es sind aber nicht allein die höheren Gebühren, die die Gewählten umtreiben. Ortsbürgermeister Karl-Heinz Günther erinnert daran, dass der Bestattungswald am Fischerhof nicht allzu weit entfernt von Westerweyhe liegt. Eine Urnenbeisetzung in dem Bestattungswald ist auch nach neuer Kalkulation, je nach Größe des Baumes, schon ab 700 Euro zu haben. Ein Unterschied in Höhe von 176 Euro im Vergleich zu den Gebühren von 876 Euro für die Friedhöfe – Günther macht sich dafür stark, dass Urnenbestattungen – ungeachtet davon, ob sie auf einem städtischen Friedhof oder im Bestattungswald stattfinden – das Gleiche kosten. 900 Euro macht er als einheitlichen Vorschlag. „Sonst rennen alle zum Bestattungswald“, formuliert es der Ortsbürgermeister salopp. Die Gewählten von Kirch- und Westerweyhe folgen dieser Auffassung.

Erwin Reitenbach, Ortsbürgermeister von Holdenstedt und Klein Süstedt.

Der Bestattungswald ist auch Thema im Ortsrat von Holdenstedt und Klein Süstedt gewesen. Warum eine Staffelung der Gebühren je nach Größe der Bäume? Wie Ortsbürgermeister Erwin Reitenbach sagt, haben sich die Gewählten gegen eine solche Staffelung und für einen einheitlichen Satz ausgesprochen. Und: Die geplanten Friedhofsgebühren sind nach Auffassung der Holdenstedter zu hoch. „Das ist zu viel“, so Erwin Reitenbach. Einen Abschlag von zehn Prozent wollen die Gewählten.

Für Trauerzeremonien stehen auf städtischen Friedhöfen Kapellen bereit – ihre Sanierung und Unterhaltung sei kostenintensiv, wie Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull am Donnerstag im Kirch- und Westerweyher Ortsrat betont. Nach Berechnungen der Stadt müssten künftig als Nutzungsgebühr über 900 Euro genommen werden. Für Trauerfeiern von Teils einer halben Stunde eine Hausnummer, weiß auch die Stadt.

Sie schlägt daher vor, dass eine Grundgebühr für Kapellen von den Familien zu zahlen ist, ungeachtet davon, ob das Gebäude genutzt oder nicht genutzt wird. 80 Euro stehen im Raum. Weitere 220 Euro wären dann bei einer tatsächlichen Nutzung fällig. Unverständnis im Ortsrat: Sascha Plachetka (CDU) findet es nicht nachvollziehbar, dass man für etwas zahlen soll, das man gar nicht nutzt. Auch Dietrich Bilitza wundert sich: „Ein solches Vorgehen ist nicht sinnig.“

Über 900 Euro für eine Nutzung, wie von der Stadt berechnet, sind für den Ortsrat aber keine Alternative. Letztlich folgen die Kirch- und Westerweyher mehrheitlich dem Vorschlag der Verwaltung für eine Grundgebühr. Auch der Ortsrat von Holdenstedt spricht sich für eine Grundgebühr aus, diese sollte aber bei 100 Euro liegen, die eigentliche Nutzung bei 200 Euro. Das letzte Wort in Sachen Friedhofsgebühren hat der Stadtrat.

VON NORMAN REUTER

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