Trauernde Angehörige tief verletzt

Friedhof Uelzen: Diebe klauen sogar Plüschtiere und Spielzeug von Grabstätte der „Sternenkinder“

Selbst vor Grabstätten von Kindern machen Diebe nicht Halt: Sie stehlen Plüschtiere oder Spielzeug, das trauernde Angehörige in Erinnerung dort abgelegt haben.
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Selbst vor Grabstätten von Kindern machen Diebe nicht Halt: Sie stehlen Plüschtiere oder Spielzeug, das trauernde Angehörige in Erinnerung dort abgelegt haben.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Es passiert nicht jeden Tag, aber immer wieder auf vielen Friedhöfen: Diebstähle von Grab- oder Blumenschmuck verletzen Hinterbliebene sehr. Selbst vor Kindergrabstätten machen Diebe nicht Halt.

Uelzen – Monika Schmidt traute am Karsamstag ihren Augen nicht: Als sie mit ihrer Familie das Grab ihrer im vergangenen Jahr verstorbenen Mutter auf dem Friedhof Uelzen besuchte, waren die frisch eingepflanzten Hornveilchen allesamt verschwunden. „Besonders perfide war, dass die Blumen sorgsam ausgegraben worden waren und die Diebe danach sogar noch das Grab glattgeharkt hatten, sodass es aussah, als wäre nichts geschehen“, schüttelt die Uelzenerin noch immer den Kopf.

Es war nicht der erste Diebstahl: Schon vorher waren mal Blumen oder Gefäße abhandengekommen. Und es ist auch bei weitem nicht der einzige Fall dieser Art, wie Friedhofsverwaltung und Polizei bestätigen.

Von Frühlingsbepflanzung bis Herbst-Gesteck

„Das zieht sich leider über das ganze Jahr. Frühlings- oder Sommerbepflanzung, Sträuße und Gestecke: Solche Diebstähle gibt es immer wieder. Aber nur selten meldet sich jemand bei uns. Wir hören das eher zufällig in Gesprächen und verweisen an die Polizei, weil wir selbst keine Handhabe haben. Viele werden aber keine Anzeige erstatten, weil sie ahnen, dass das nicht viel bringt. Das Problem zieht sich über alle Friedhöfe“, sagt Andreas Sterneck, Leiter der Friedhofsverwaltung des für die Friedhöfe in Uelzen, Oldenstadt, Veerßen, Gerdau und Groß Liedern zuständigen evangelisch-lutherischen Friedhofsverbandes.

Naturgemäß würden die meisten Diebstähle den Stadtfriedhof Uelzen betreffen: Der ist fast 20 Hektar groß, dort gibt es rund 10 000 Grabstätten und eine entsprechend umfangreiche Vegetation, die es Langfingern ermöglicht, unentdeckt zu bleiben. Und das gute Dutzend Mitarbeiter kann nicht unterscheiden, wer zurecht an welcher Grabstätte arbeitet. Pro Jahr finden alleine hier 250 Bestattungen statt.

„Diebstahl ist an Respektlosigkeit kaum zu überbieten“

„Viel schlimmer als der materielle Schaden ist die innere Verletzung. Wir hatten uns doch auf ein schönes Grab zu Ostern gefreut. Der Diebstahl ist an Respektlosigkeit kaum zu überbieten, trifft mich und meine Familie zutiefst“, betont Monika Schmidt.

Antje Freudenberg aus der Pressestelle der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen weiß um solche Fälle aus dem gesamten Zuständigkeitsbereich ihrer Behörde. „So etwas passiert zum Glück nicht jeden Tag, kommt aber immer wieder vor. Für den jeweiligen Täter ist der Wert der Beute gering, aber für die Betroffenen ist ein solcher Diebstahl sehr, sehr schlimm. Es tut weh, wenn vom Grab eines geliebten Menschen etwas verschwindet. Offensichtlich machen sich die Täter darüber keine Gedanken.“

Täter klauen selbst Plüschtiere oder Spielzeug

Dass die Schamlosigkeit der Täter offenbar keine Grenzen kennt, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass selbst an der Grabstätte für die sogenannten „Sternenkinder“ auf dem Uelzener Friedhof von Eltern oder Großeltern abgelegte Plüschtiere oder Spielzeuge geklaut worden sind. Wie sehr so etwas trauernde Angehörige emotional belastet, liegt auf der Hand.

Vor vielen Jahren habe man eine Liste geführt und sämtliche Vorfälle in diesem Zusammenhang erfasst. „So wollten wir uns ein Bild davon machen, wann und in welchem Bereich der Friedhöfe Dinge gestohlen werden“, erinnert sich Andreas Sterneck. Inzwischen werde ein solches Verzeichnis aber nicht mehr geführt – eben weil Betroffene Vorkommnisse nicht konsequent melden würden. „Tatsächlich wissen wir nicht, wie viele der Opfer Anzeige erstatten“, sagt auch Polizeipressesprecherin Antje Freudenberg. Wer einen Diebstahl feststellt, sollte diesen auch anzeigen.

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