Jan Anakin Kaluza lebt mit Muskeldystrophie / Grundschule Molzen sammelt 2736 Euro Spenden

Ein Freund mit zwei Rädern

Das langhaarige Kaninchen Potter ist nicht ganz zahm. Für einen kurzen Moment hat es sich von Jan Anakin Kaluza aber kraulen lassen. Fotos: Baatani/Privat

Der Alltag ist nicht einfach für den Elfjährigen – und doch strahlt er eine Gelassenheit aus, die sich auf sein Gegenüber überträgt. Jan Anakin Kaluza leidet an Muskelschwund, genauer Duchenne Muskeldystrophie, und ist seit anderthalb Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen.

Jans Muskeln bauen nach und nach ab, die Bewegungen der Beine und auch der Arme sind schon beeinträchtigt. Der Elfjährige hat gerade das vierte Schuljahr an der Grundschule Molzen beendet – mit einem Abschluss, der ihm besonders nahe ging: Da seine Mitschüler und Lehrer vier Jahre lang miterlebt haben, wie diese Erkrankung sich entwickelt, haben sie nach einem Schulfest einen Sponsorenlauf für die Deutsche Duchenne Stiftung der „Aktion Benni & Co. “ veranstaltet. Bei dieser Spenden-Sammlung zahlten Angehörige pro Lauf für die Kinder eine kleine Summe, mancher Schüler schaffte 20 Runden, und so sind insgesamt an dieser Schule mit 75 Jungen und Mädchen 2736 Euro zusammengekommen.

„Die Kinder haben ihn gern“, berichtet Jans Mutter Tanja Kaluza. „Im Haus kann ich den Rollstuhl selbst bewegen, aber draußen nicht“, schildert Jan selbst sein Handicap. Deshalb nahmen seine Freunde und auch sein Betreuer ihn spontan zwischen sich und schoben ihn zehn Runden. So konnte auch Jan fleißig in seinem Umfeld sammeln und steuerte 150 Euro zu der Spendensumme bei.

Wenn sein Freund Cedric Schneider mit dem elfjährigen Jan zusammen ist, übernimmt der Zehnjährige geübt das Schieben des Rollstuhls. Gemeinsam spielen die beiden Monopoly in einer selbst erfundenen Variante oder schreiben an einer Geschichte über zwei Detektive namens Jan und Cedric. Die beiden retten sich in ihrem Buch gegenseitig das Leben – und sind auch im echten Leben ein gutes Team.

„Schmerzen habe ich manchmal in den Beinen“, sagt Jan und wirkt beinahe gleichmütig, während er Geldscheine fürs selbst gebastelte Monopoly-Spiel sortiert. Der Junge mit den großen braunen Augen hat sich mit der Krankheit arrangiert: „Beim Fußballspielen bleibe ich am Rand und bin der Schiedsrichter“, sagt er. Und wenn sie etwas anderes in den Pausen unternehmen, ist er auch mit von der Partie. „Eigentlich schieben mich meine Freunde immer“, sagt er zufrieden. Aber einige Situationen gibt es doch, die ihn belasten, zum Beispiel braucht er Hilfe im Badezimmer oder auch beim Anziehen. „Ich werde früh müde“, sagt die alleinerziehende Mutter von vier Söhnen, „Jan bleibt am Wochenende länger auf.“ Dann machen sie ab, dass er sie kurz weckt, sobald er schlafen gehen möchte. „Es ist frustrierend, immer auf Hilfe angewiesen zu sein“, spricht sie aus, was ihn beschäftigt.

„Ein halbes Jahr nach der Diagnose war ich mit allen vier Söhnen allein“, blickt Tanja Kaluza auf die folgenreichen Jahre und die Trennung von Jans Vater zurück. „Ich habe viel Glück gehabt, zwei tolle Tagesmütter“, sagt die berufstätige Grundschullehrerin.

Nach den Sommerferien wechselt Jan zur KGS Bad Bevensen. Auch dort wird er von einer Schulbegleitung unterstützt. An die Zukunft denkt die Familie nicht, vielmehr lebe sie im „Hier und Jetzt“. Dabei helfe der vierfachen Mutter eine Selbsthilfe-Gruppe in Hannover. Jan selbst lernt mit den „Mobi-Kids“ mutiger zu werden: So nennt sich eine Gruppe von Rollstuhlfahrern, mit der er Sport treibt, zum Beispiel Hockey und Brennball. Und „am liebsten Fußball“, wobei er dann den Ball mit dem Rollstuhl trifft. „Das macht viel Spaß, die anderen Kinder zu treffen“, sagt er, bevor er sich lächelnd wieder auf das Monopoly-Spiel konzentriert – ganz zur Freude seines Kumpels Cedric.

Von Diane Baatani

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