Navigation ins Ehrenamt

Die Freiwilligen-Agentur Uelzen feiert zehnjähriges Bestehen – Bedarf steigt stetig an

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Die Leiterin der Freiwilligen-Agentur Jessica Eichler verdeutlicht das Prinzip der „Navi(gation) ins Ehrenamt“. 

Uelzen. Viele Einrichtungen können Unterstützung gebrauchen und nehmen es dankbar an: das Ehrenamt. In Uelzen vermittelt die Freiwilligen-Agentur Uelzen (FWA) engagementbereite Bürger an passende Organisationen. Nun feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen.

Die FWA ist eine Informations- und Beratungsstelle für Menschen, die Freiwilligenarbeit ausüben möchten. „Menschen, die nicht genau wissen, wo sie arbeiten möchten, kommen hierher“, sagt Gundula Lindemann, Fachbereichsleiterin für Soziales und Ehrenamt beim DRK und verweist auf die angebotenen Beratungsgespräche. Solche bietet zum Beispiel der ehrenamtliche Edgar Fehlhaber an. Dass Freiwillige Freiwillige beraten, ist laut Gundula Lindemann eher ungewöhnlich. „Mir als Urgestein der Agentur gefällt das unglaublich gut“, sagt sie. „So intensiv und vielfältig habe ich das selten erlebt.“ Im Verlauf des Beratungsgespräches werden persönliche Interessen und Fähigkeiten besprochen, um dann individuelle Angebote herauszusuchen. „Das Wichtigste ist, dass man mit den Menschen spricht. Dann kommt eins zum anderen“, so Fehlhaber.

Träger der FWA sind der Landkreis, die Stadt Uelzen, der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Uelzen, der Lebensraum Diakonie, der Präventionsrat und der DRK-Kreisverband. Sie arbeiten mit 122 Organisationen wie zum Beispiel dem Tierheim oder Leben Leben zusammen – quer durch den Landkreis Uelzen. Von Sport über Umwelt bis hin zu Kultur ist alles dabei. Jessica Eichler, die Leiterin der Agentur, verdeutlicht die Funktion der FWA anhand der „Navi(gation) in das Ehrenamt“. Sie navigieren die Engagierten anhand ihrer Interessen in die richtigen Bereiche. Dabei wird auch darauf geachtet, welches „Tempo“ die Freiwilligen gehen können. Neben den Beratungsgesprächen hilft die Agentur bei Bedarf auch, den Erstkontakt zu der jeweiligen Organisation herzustellen. „Wir unterstützen so lange, wie Bedarf besteht und bis die Organisation übernimmt“, so Eichler.

Heinz Müller ist mit viel Herz ehrenamtlich in Kindergärten aktiv. Hier hält er ein Erinnerungsbuch von den Kindern in den Händen.

Heinz Müller war der erste Freiwillige und ist auch jetzt, nach zehn Jahren, noch dabei. „Nach drei Wochen Rente fiel mir die Decke auf den Kopf“, erinnert er sich. Er war vorher 48 Jahre lang im Gartenfachhandel tätig und begann sein erstes Ehrenamt beim NABU. Nun versucht er, Kindergartenkindern die Natur nahezubringen. „Die Kinder hören zu und lernen. Dann haben sie plötzlich Respekt vor einem Regenwurm“, erzählt Heinz Müller von seinen Besuchen. Sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen seien von seinen Vorträgen begeistert. Ihm selber mache es „unglaublichen Spaß“. „Die Kinder wachsen einem im Laufe der Zeit richtig ans Herz“, sagt er und zeigt ein Buch mit gemeinsamen Fotos und gemalten Bildern der Kinder.

Jessica Eichler fällt auf, dass Senioren in den letzten Jahren ihre Rente aktiver planen und so mehr Begeisterung für ein Ehrenamt aufzeigen. Jugendliche sind vor allem an der freiwilligen Arbeit interessiert, weil es attraktiv für den Lebenslauf ist. „Eigentlich ist fast jedes Alter vertreten“, sagt die Leiterin der FWA. Allgemein seien es weniger Berufstätige, da ihnen oft die Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten fehle. Viele würden nur kurzfristig aushelfen, um ihre aktuelle Zeit zu nutzen. Das war vor zehn Jahren noch nicht so, erinnert sich Gundula Lindemann. Innerhalb der zehn Jahre haben sich 451 Menschen bei der FWA registriert. „Wenn man sieht, wie viele sich beteiligen, ist man selber mit dem Herzen dabei“, meint Jessica Eichler.

Im Jahr 2008 startete die FWA mit einer jährlichen Landesförderung von 19 250 Euro. Im Laufe der Jahre sank dieser Betrag immer weiter ab, sodass sie in diesem Jahr noch 11 000 Euro erhielte.

Auf die vergangenen Jahre blickt Jessica Eichler positiv zurück: „Es ist toll, neue Dinge ins Leben zu rufen. Da merkt man: Okay, da habe ich wirklich was bewegt.“ In den nächsten zehn Jahren wird die Freiwilligenarbeit laut Petra Heinzel aus dem Familien- und Seniorenzentrum noch mal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Denn dann wird die „Baby-Boom“-Generation das Rentenalter erreichen und mehr Interessierte und Bedürftige mit sich bringen.

Von Lea-Sophie Penner

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