Helfer beklagen fehlendes Personal

Freiwillige stemmen weiter Nachtquartier am Bahnhof

+
Hilal Sezgin bietet zusammen mit anderen Freiwilligen Nacht für Nacht am Bahnhof gestrandeten Flüchtlingen eine Quartier in den Räumen der Bahnhofsmission.

Uelzen. Nach wie vor stranden in der Nacht Flüchtlinge am Hundertwasser-Bahnhof. Mal sind es ein halbes Dutzend Menschen, die über Uelzen weiter nach Hamburg beziehungsweise Skandinavien weiterreisen möchten. „Unlängst waren es 15 Personen“, berichtet Hilal Sezgin.

Zusammen mit dem Mediziner Ijos Bietzkers organisiert sie seit Ende November die Übernachtungen der Flüchtlinge in der Uelzener Bahnhofsmission (AZ berichtete). „Wir helfen an der Stelle, wo sich keiner wirklich zuständig fühlt“, sagte der Psychologe aus dem Wendland seinerzeit. Daran scheint sich nicht wirklich viel geändert zu haben.

Jetzt trafen sich Vertreter von Deutscher Bahn, Metronom, Diakonie, Bundespolizei, Bahnhofsmission, Landkreis und Stadt Uelzen sowie die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer zu einem Gespräch. Darunter Uelzens Erster Stadtrat Dr. Florian Ebeling. Die Ergebnisse: „Da viele der Flüchtlinge vorher nicht wissen, dass sie einen entsprechenden Aufenthalt haben, beabsichtigt die Deutsche Bahn über das Schalterpersonal noch mehr zu informieren, wenn es keine Anschlusszüge gibt“, teilt die Stadt Uelzen in einer Pressenotiz mit. Auch eine von der Stadt bereitgestellte Waschmaschine sowie ein Trockner stünden jetzt dort bereit, heißt es weiter in der Mitteilung. „Dort“ – das sind die Räume der Bahnhofmission.

„Das war alles“, sagt Hilal Sezgin. Weitere Zusagen seien seitens kommunaler Stellen nicht gemacht worden. Das Problem der nächtens ankommenden Menschen laste weiter auf den Schultern von freiwilligen Helfern, die alle im Berufsleben stehen. Bei der personellen Unterstützung der rund 30 Ehrenamtlichen, die auch aus Hamburg und dem Wendland kommen, hätten sich Stadt und Landkreis Uelzen juristisch verklausuliert vornehm zurückgehalten, berichtet Sezgin.

Nacht für Nacht betreuen die Aktiven die Flüchtlinge. Sie haben nebenher Lebensmittel und warme Kleidung für die Flüchtlinge organisiert. Zum Teil kämen die Menschen ohne Socken an. Auch habe man vor ein paar Tagen maßgeblich dabei geholfen, das eine völlig verzweifelte Familie aus Afghanistan ihren Sohn wiederfand. Er war auf dem Bahnhof in Hannover verloren gegangen, als die übrige Familie bereits im Zug nach Uelzen saß. „Die kamen völlig aufgelöst und fast schon panisch hier an“, berichtet Sezgin.

Von Jens Schopp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare