Veränderungen in der Loge

Freimaurer in Uelzen: Riten, Symbole und ein neuer „Meister“

„Die Alten Pflichten“ sind eine Schrift, die neuen Mitgliedern ausgehändigt wird.
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„Die Alten Pflichten“ sind eine Schrift, die neuen Mitgliedern ausgehändigt wird.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Weil sie nicht über ihre Mitglieder und Rituale sprechen, sind Freimaurer-Logen Stoff für Thriller und Verschwörungstheorien. Seit mehr als 160 Jahren sind Freimaurer auch in Uelzen aktiv. Sie bleiben nicht nur hinter ihren Türen. Jetzt stellt sich ein neuer „Meister vom Stuhl“ vor.

Weltweit soll es bis zu sechs Millionen Freimaurer geben, um die sich seit Jahrhunderten Mythen ranken. Der Uelzener Loge, gegründet 1860, gehören heute 28 Männer an. Rolf Grußendorf ist einer von ihnen – nun auch in besonderer Position. Er steht der Loge künftig vor.

Der 72-Jährige ist zum sogenannten „Meister vom Stuhl“ gewählt worden. Symbolisch hat der frühere selbstständige Bäcker dazu den „Meisterhammer“ überreicht bekommen, ein Symbol der absoluten Dominanz in einer Loge, wie es von dieser heißt. Im Gespräch mit der AZ erklärt Grußendorf: „Wenn der Hammer aufschlägt, habe ich die Achtung der Mitglieder.“

Symbole spielen in der Freimaurerei eine große Rolle. Ihre mögliche Bedeutung gibt Außenstehenden Rätsel auf. Weil über Mitglieder der Loge, sie nennen sich Brüder, auch nicht gegenüber Dritten gesprochen wird, liefert die Bewegung Stoff für Bücher und Verschwörungstheorien.

In Uelzen zeigt man sich aufgeschlossen, hat in Vor-Corona-Zeiten zu Gästeabenden eingeladen. Jetzt stellt die Loge von sich aus auch mit Rolf Grußendorf ihren neuen „Meister vom Stuhl“ vor. Sein Vorgänger Manfred Hoppe hat aus Altersgründen die Aufgabe weitergegeben. Seine Auffassung war: Gegen Vorurteile helfe nur Aufklärungsarbeit, auch wenn er kein Wort über Rituale und Interna verlor. Ein Kurs, den auch Grußendorf halten will, wie er sagt.

Übergabe des Meisterhammers in voller Freimaurer-Montur: Der bisherige „Meister vom Stuhl“ Manfred Hoppe (von links nach rechts), Altstuhlmeister Hartmut Schrader und der neue Logen-Chef Rolf Grußendorf.

Die Bewegung geht auf Zeiten zurück, als große Kathedralen entstanden. Wer an den Bauten beteiligt war, hatte viel gesehen, war des Lesens mächtig. In den Dombauhüten wurde Wissen gehortet, der Ausgangspunkt für die Freimaurerei. Heute entstehen keine Kathedralen mehr. Es gehe um die geistige Maurerei, an sich selbst zu arbeiten. „Die Aufgabe ist die Arbeit an uns selbst. Dabei geht es um die Würde und die Achtung für uns und die Umgebung“, schildert Grußendorf.

Das ist in der Pandemie nicht leichter geworden. Uelzener Logen-Mitglieder haben sich über viele Monate nicht persönlich sehen können. Viele ältere Männer gehören ihr an. Man geht mit der Zeit und den technischen Möglichkeiten: Videochats helfen dabei, Kontakt zu halten und sich auszutauschen.

Rolf Grußendorf darf sich selbst seit gut 20 Jahren als „Bruder“ bezeichnen. Als selbstständiger Bäcker wurde er zunächst in die Loge Stade aufgenommen. Voraussetzung dafür sei, ein Mann von gutem Ruf zu sein. Und auch einen Glauben zu haben, wobei keine Vorgabe gemacht werde, welcher es sein müsse, schildert er. Vor drei Jahren zog er ins Wendland, lebt in Zernien. Als Bruder ist die Uelzener Loge nun sein „Zuhause“, der er nun auch vorsteht.

Seine Wahl zum „Meister vom Stuhl“ erinnert, bei allen Mythen, die sich um die Freimaurerei ranken, dann aber auch an die klassischen Vereine. Gewählt ist er für zwei Jahre.

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