Manche Frauen können nicht aufgenommen werden

Frauenhaus Uelzen ist ständig voll belegt

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Viele Frauen suchen nicht nur allein für sich Zuflucht in einem Frauenhaus, sondern mit ihrem Nachwuchs. Oftmals sind es Frauen mit gleich mehreren Kindern.

Uelzen. Sie fliehen vor gewalttätigen Ehemännern, Vätern und Brüdern. Und wenn sie Glück haben, finden Frauen auf der Flucht vor Gewalt Unterschlupf im Frauenhaus Uelzen. Immer wieder aber müssen Hilfe suchende Frauen fortgeschickt werden.

Und nicht immer ist allein die komplette Belegung dieses Zufluchtsorts ein Grund dafür.

„Dass die Frauenhäuser chronisch voll sind, ist ein bundesweites Problem“, weiß Britta Hönig von der Uelzener Einrichtung. Frauen müssten in der Regel viel herumtelefonieren, bis sie überhaupt einen Platz bekämen. Auch die Frauenhäuser selbst seien untereinander eng vernetzt, sagt Britta Hönig, um Hilfe Suchenden zu einer Zuflucht zu verhelfen. Eine besondere Herausforderung dieser Zeit seien dabei Frauen, die gleich mit mehreren Kindern vor Gewalt in ihrem Umfeld flüchten, ist Britta Hönig und ihrer Kollegin Monne Kühn vom Uelzener Frauenhaus aufgefallen. „Wir haben zum Beispiel gerade einen Fall mit einer Frau und mehr als einer Handvoll Kindern“, sagt Hönig, „da heißt es dann herumtelefonieren...“ Ob nämlich in anderen Frauenhäusern Kapazitäten bestehen.

Zurzeit seien acht der zehn zur Verfügung stehenden Plätze im Uelzener Frauenhaus belegt, berichtet Britta Hönig. Doch sie weiß: „Das kann sich aber auch ganz schnell wieder ändern.“ Denn manchmal ballen sich Zahlen der Hilfe suchenden Frauen. Und es ballen sich auch die Gründe, aus denen sie sich im Uelzener Frauenhaus melden. „Es gab Zeiten, da waren alle Frauen, bis auf eine, von Zwangsheirat bedroht“, erinnert sich Britta Hönig. Dann wieder gibt es auffällige Häufungen der gleichen Altersgruppe, wenn zum Beispiel nur sehr junge Frauen um die 20 im Frauenhaus gewohnt haben.

Auch die Flüchtlingsproblematik dieser Tage macht vor den Frauenhäusern nicht Halt. Frauen und Kinder ohne männliche Begleitung, die in Sammelunterkünften Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt sind, werden in den deutschen Frauenhäusern ein immer bedeutenderes Thema. Ob die Uelzener dieses Phänomen ebenfalls erleben, beantwortet Britta Hönig mit einem spontanen „Jein“.

„Das liegt daran, dass wir sowieso schon einen Schwerpunkt bei Frauen mit Migrationshintergrund haben“, erläutert sie.

Viele dieser Frauen erleben in ihrer ohnehin schon großen Not „eine besondere Schärfe“, weiß Britta Hönig. Die Ungewissheit, wie ein Asylverfahren ausgehe, ob sie wieder in die Heimat und damit zurück zu ihrem Peiniger müssen – „das geht schon an die Nieren“, sagt die Mitarbeiterin des Uelzener Frauenhauses. Welche nervlichen Achterbahnfahrten Betroffene und auch Helfende dabei durchmachen, belegt Hönig mit einem konkreten Fall: „Da hatte eine Frau im Frauenhaus die Chance ergriffen und sich von ihrem Mann getrennt. Daraufhin wurde ihre Familie dann von der Familie des Mannes bedroht.“

Ein großes Problem, mit dem überfüllte Frauenhäuser zurzeit zu kämpfen haben, bringt Britta Hönig allerdings ganz banal auf den Punkt: „Frauen, die zu Hause ausziehen wollen, finden schlicht und ergreifend keine Wohnung.“ Wer beispielsweise Hartz IV oder BAföG beziehe, habe kaum eine Chance und stehe schließlich eines Tages vor der Tür des Frauenhauses. Außerdem sei die Suche nach Wohnraum heutzutage sowieso ein Problem, weiß Hönig. „Und das ist nicht nur in Hamburg so, sondern auch in Uelzen.“

Auch körperbehinderte Frauen könnten in Uelzen meistens nicht aufgenommen werden. Eine Barrierefreiheit nämlich sei in dem Zufluchtsort, dessen Adresse natürlich sorgfältig unter Verschluss gehalten wird, nicht gegeben, bedauert Britta Hönig. Ein Problem, mit dem viele Frauenhäuser zu kämpfen hätten. „Dass sich diese Frauen dann einen Platz suchen müssen, ist eine Zumutung“, findet Hönig. Dass man sie abweisen müsse, auch. „Aber solche Situationen gibt es leider, ja.“

Wer aber schlussendlich einen Platz im Uelzener Frauenhaus bekommt, hat dort erst einmal Schutz auf unbestimmte Zeit, denn eine Höchstaufenthaltsdauer gibt es dort nicht. Ebenso wenig übrigens wie eine Durchschnittsaufenthaltsdauer. „Wir hatten hier schon eine Frau, der ich das Zimmer gezeigt und ihr gesagt habe, sie könne jetzt erst einmal ganz in Ruhe den Koffer auspacken – die haben wir dann nie wieder gesehen“, berichtet Britta Hönig von ihren Erfahrungen. „Und dann gibt es auch Frauen, die sind für mehrere Jahre hier...“

Von Ines Bräutigam

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