Frauengottesdienst in neuem Gewand: Hören, sprechen, essen, singen, beten in der Gertrudenkapelle

Ein Apfelpflücken ohne Sünde

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Christiane Friedrich, Sozialarbeiterin und Diakonin, hat zusammen mit anderen Mitgliedern des Frauenwerks in diesem Jahr einen Frauengottesdienst in neuem Gewand organisiert. Es geht dabei um die Vertreibung aus dem Paradies.

Uelzen. Als die Frau nach dem Apfel griff, war das Schicksal der Menschheit besiegelt; eine listige Schlange, zwei Nackte, die sich ihrer Scham gewahr werden, und die Sünde – das ist der Stoff für die „Vertreibung aus dem Paradies“, jenem schicksalhaften Moment, von dem an die Menschen zur Plackerei verurteilt waren.

In Auslegungen – es war Eva, die nach der verbotenen Frucht am Baum der Erkenntnis griff – werde der Sündenfall allzu oft den Frauen zugeschrieben, sagt Christiane Friedrich. Damit hätten sie per se eine Last zu tragen, die ihnen gar nicht aufgebürdet gehört, findet die Diakonin und Sozialarbeiterin. Zumal, so sagt sie mit einem Augenzwinkern, der Mann bei der Geschichte auch keine besonders rühmliche Figur gemacht habe. Adam habe ja nichts Besseres zu tun gehabt, als gleich im Dialog mit Gott zu verpetzen, dass es Eva war, die den Apfel vom Baum pflückte. Bewusst salopp formuliert sie die Sätze, um auf den sich in der Geschichte abzeichnenden Geschlechterkampf aufmerksam zu machen. Aus dem Sündenfall seien über Generationen Geschlechterrollen abgeleitet worden. Dabei gehöre die Bibelstelle in Bezug zu dem historischen Kontext der Entstehungszeit gesetzt, so Friedrich. Im Kreise von Frauen soll genau dies am morgigen Freitag geschehen.

Das Frauenwerk des evangelischen Kirchenkreises lädt in die Gertrudenkapelle ein – zum jährlichen Frauengottesdienst, allerdings in einem neuen Gewand, wie Friedrich erklärt, die zusammen mit anderen engagierten Gemeindearbeiterinnen den Abend vorbereitete. Das Frauenwerk des Kirchenkreises versteht sich als Netzwerk, organisiert Veranstaltungen zum Weltgebetstag und eben einmal jährlich einen Gottesdienst für Frauen, der sich bislang im Ablauf an der Liturgie von Messen orientierte. Neue, bewusst andere Akzente will das Frauenwerk nun setzen – passend auch zum Thema. In Gottesdiensten würde in der Regel einer sprechen und der Rest schweigen, so Friedrich. In der Gertrudenkapelle solle es einen Dialog geben. Mit Dr. Ingrid Engel aus Adendorf gebe es zwar eine Referentin, die zum Thema Vertreibung aus dem Paradies auch geforscht habe, ihre Ausführungen seien jedoch als Impulse für ein Gespräch zu verstehen. Zudem werde, wie zu frühkirchlichen Zeiten üblich, auch gemeinsam gegessen. Jeder sei aufgerufen, etwas mitzubringen.

Hören, sprechen, essen, singen, beten – die Frauen wollen sich den Apfel nicht madig machen lassen, so auch das gewählte Motto des Gottesdienstes. Aus den Dialogen und dem Miteinander des Abends, so hofft Christiane Friedrich, können die Frauen vielleicht Kraft ziehen, die besagte Last, sofern sie sie verspüren, ablegen. „Über Geschlechterrollen zu sprechen, hilft beim Freistrampeln“, fasst Friedrich, die auch Frauenbeauftragte im Kirchenkreis ist, die Intention des Abends zusammen. Damit erkläre sich auch der Ansatz für einen Gottesdienst ganz bewusst für Frauen, die in der Gemeindearbeit oft eine bedeutende Rolle spielten.

Der Frauengottesdienst in der Getrudenkapelle an der Gudesstraße in Uelzen beginnt um 18 Uhr. Für das gemeinsame Mahl bitten die Veranstalter, auch eigenes Geschirr mitzubringen.

Von Norman Reuter

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