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Förderstopp trifft Uelzener: „Viel Unsicherheit“ beim Hausbau

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Von: Norman Reuter

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Wer jetzt den Bau eines Eigenheims plant, der hat mit steigenden Baupreisen und einer weggefallenen Förderung umzugehen.
Wer jetzt den Bau eines Eigenheims plant, der hat mit steigenden Baupreisen und einer weggefallenen Förderung umzugehen. © dpa/Julian Stratenschulte

Mit dem abrupten Ende des Förderprogramms für Energiesparhäuser stehen auch Uelzener vor ungeklärten Fragen. Ihnen sind Gelder weggebrochen. Timo Viehl ist ein Betroffener. Aber auch Hausverwalter treiben Sorgen um.


Uelzen/Landkreis – Timo Viehl nimmt in diesen Tagen immer wieder den Taschenrechner zur Hand. Es gilt, Zahlen zu prüfen. Mit Handwerkern führt er Telefonate, um noch einmal die Kosten abzuklären. Der 40-Jährige und seine Familie sind bei ihren Plänen, sich in Uelzen ein Eigenheim zu schaffen, von dem vorzeitigen Aus des Kfw-Förderprogramms für Energiesparhäuser eingeholt worden. Es bestehen jetzt Unsicherheiten, die geklärt werden müssen. „Das ist jetzt gerade ein sehr aktiver Prozess“, formuliert es Viehl.

Das abrupte Ende des Förderprogramms ist einer Antragsflut geschuldet. Das dafür bewilligte Geld reichte selbst für gestellte Anträge nicht mehr aus. Weil der Bund jetzt Mittel nachschießt, sollen zumindest noch Anträge, die bis zum 24. Januar gestellt wurden, berücksichtigt werden. Timo Viehl hilft das nicht, er wollte erst noch die Unterlagen einreichen.

Jörg Andrzejewski ist Architekt in Uelzen und hat in den zurückliegenden Wochen viele Telefonate mit Kunden geführt, die um ihre Bauprojekte bangten und es auch noch tun. Er spricht von einem „Schaden“ für seine Kunden und auch sich selbst. Denn Bauwillige kommen mitunter zu dem Ergebnis, dass ihre Projekte jetzt nicht mehr umsetzbar sind. Dann fallen für Andrzejewski Aufträge weg.

Kein Ersatz auf Länderebene

Beim Bau eines sogenannten Effizienzhauses 55 – also ein Gebäude, das nur 55 Prozent der Energie einer Standardversion verbraucht – winkten bis 18 000 Euro an Zuschuss. Die Bundesregierung kündigt zwar ein neues Programm an, das soll aber nur noch einen höheren Energiespar-Standard berücksichtigen, und unklar ist noch, wann es kommt. 2023 wird genannt.

Den Hinweis, inzwischen sollten sich Bauwillige nach Förderprogrammen der Länder und Kommunen umschauen, findet Andrzejewski gewagt. „Mir fallen spontan keine Töpfe auf Landesebene dafür ein“, sagt er.

Bernd Beyer, der das Uelzener Stadtbüro des Massivhaus-Anbieters „Heinz von Heiden“ führt und seit zwei Jahrzehnten in der Immobilien-Branche tätig ist, äußert sich ganz ähnlich. „Niedersachsen hat da gar nichts“, so Beyer. Im Gegensatz zu benachbarten Bundesländern.

Immerhin: In der Stadt Uelzen existiert ein Förderprogramm – es ist aber auf ein Baugebiet begrenzt. Das entsteht am Oldenstädter See. Als Leuchtturmprojekt in Sachen klimafreundliches Bauen sind für die Versorgung der Häuser fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdgas und Erdöl ausgeschlossen. Und: Werden Häuser errichtet, die nur 40 Prozent des gewöhnlichen Energieverbrauchs vorweisen, zahlt die Stadt 2000 Euro, bei einem höheren Standard sind es 5000 Euro.

Insgesamt steht ein Budget von 95 000 Euro zur Verfügung. Ob und wie stark das Programm genutzt wird, dazu kann die Stadt noch keine Aussage treffen. Erst nach Fertigstellung von Häusern und dem Nachweis über die Energie-Einsparungen komme es zur Auszahlung von Zuschüssen, erklärt Stadtsprecherin Ute Krüger.

Bernd Beyer hat in seiner Branche schon läuten hören, wie er berichtet, dass nach dem vorzeitigen Ende des Kfw-Förderprogramms, Bauten nicht mehr in diesem Maße nach Energiespar- und Klimaschutz-Aspekten gebaut werden sollen, wie eigentlich geplant. Denn grünes Bauen kostet insgesamt auch mehr. Die Entwicklung konterkariere den Klimaschutz-Gedanken, meint Beyer.

Dem kann Matthias Untz, der als Makler und Hausverwalter in Uelzen tätig ist, nur beipflichten. Er berichtet: Mit der Entscheidung in Berlin sei auch das Förderprogramm zur energetischen Sanierung von Bestandsbauten gestoppt worden. „Das ist ein riesengroßer Rückschritt für den Klimaschutz“, urteilt Untz.

Als Hausverwalter hatte er für dieses Jahr energetische Sanierungen geplant, unter anderem eine umfangreiche Dacherneuerung. Untz: „Bei uns kommt jetzt alles auf den Prüfstand. Und wir schauen, was wir machen können.“ Denn hinzukommen würden auch noch die gestiegenen Baupreise.

„Gigantischer Bedarf an Sanierungen“

Er wird mit seinem Vorgehen nicht alleine sein, ist Untz überzeugt. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem noch ein „gigantischer Bedarf“ an energetischer Sanierung bestehe. „Es wurde noch gar nicht richtig angefangen“, sagt er. Untz hofft, dass die Bundesregierung zeitnah ein Nachfolgeprogramm auflegt – auch im Sinne des Klimaschutzes.

Bei allen Unsicherheiten, die jetzt für sein Bauprojekt bestehen, Timo Viehl kann nachvollziehen, dass erst einmal die Reißleine vom Bund gezogen wurde. „Wenn das Geld weg ist“, sagt der 40-jährige Lehrer. Und er findet es auch richtig, dass – wie angekündigt – beim Nachfolgemodell nachgeschärft werden soll. Wichtig sei, dass nicht nur Heizformen, sondern auch Materialen und mehr betrachtet werden. Viehl treiben diese Gedanken nicht ohne Grund um. Er sitzt für die Grünen im Kreistag.

Bei allen Erwägungen hofft er aber persönlich auf eine zeitnahe Lösung, sodass er womöglich vom Programm profitieren kann. „Zurzeit reden wir jeden Tag darüber. Das hat jetzt viel Unsicherheit gebracht“, so Viehl.

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