Ein Sonderzug aus Salzburg sorgt für einen Großeinsatz am Bahnhof – doch kaum einer steigt aus

Flüchtlings-Irrfahrt nach Uelzen

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Syrische Flüchtlinge diskutieren gestern Vormittag nach der Ankunft in Uelzen auf dem Bahnsteig mit einem Bundespolizisten: Die meisten von ihnen wollen in die deutschen Metropolen und stiegen wieder in den Zug.

Uelzen. Als der Sonderzug aus Salzburg mit rund 270 Flüchtlingen gestern um 10.13 Uhr auf Gleis 301 des Uelzener Bahnhofs einfährt, ist auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) alles vorbereitet für die Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Der Kommentar von AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff

Ehrenamtliche des DRK haben in Windeseile eine provisorische Sanitätsstation errichtet, daneben ist ein Verpflegungsstand mit Brötchen, Müsliriegeln und Wasser aufgebaut. Ein Allgemeinmediziner, eine Kinderärztin und ein Neurologe stehen für akute Fälle bereit. Denn niemand weiß, in welchem Gesundheitszustand sich die Männer, Frauen und Kinder befinden. Doch was zu diesem Zeitpunkt keiner der Helfer wissen kann: Der Flüchtlingszug, der gestern Uelzen erreicht, ist auf einer Irrfahrt – viele der Insassen gehen davon aus, dass sie auf dem Weg nach München sind.

Zwei Iraker, die in Uelzen den Zug verließen: Sie sind schon seit einem Monat auf der Flucht, schilderten sie.

Und so wird der Stop auf dem Hundertwasser-Bahnhof letztlich ein Beispiel dafür, wie chaotisch und unstrukturiert die Flüchtlingsströme von überörtlichen Behörden offenbar immer noch gehandhabt werden. Denn die rund 270 Personen, von denen ein Teil gestern Vormittag verunsichert aus dem Zug steigen, haben keine Ahnung, wo sie sind, dass sie von Salzburg über Hannover direkt nach Uelzen und dann weiter nach Hamburg gefahren werden. Sie sind bislang nicht registriert und schon gar nicht untersucht worden. Und sie wollen zu ihren Familien nach München, Frankfurt und Berlin; von Celle und Schwanewede bei Bremen, wohin sie von Uelzen aus mit dem Bus gebracht werden sollen, haben sie noch nie etwas gehört. Dass sie Norddeutschland erreicht haben, ist für viele neu. Und so steigen die meisten schnell wieder in den Sonderzug Richtung Hamburg, um von der Hansestadt aus womöglich besser ans Ziel zu kommen. Nur rund 30 kommen auf dem ZOB an und werden dort versorgt.

Am Donnerstag um genau 19.36 Uhr hatte die Uelzener Kreisverwaltung von dem Sonderzug aus Österreich erfahren, 200 Flüchtlinge sollten in Uelzen aussteigen und der Rest weiter nach Hamburg fahren, hatte das Niedersächsische Innenministerium knapp mitgeteilt.

Was folgte, war ein logistischer Kraftakt, vor allem für das DRK, das schon vergangenen Sonnabend in Lüchow im Einsatz war. Mit dem Neurologen Elsayed Khalil stand ein arabisch sprechender Arzt zur Verfügung, der sofort zusagte, obwohl er gerade aus der Nachtschicht im Uelzener Klinikum kam. Der Allgemeinmediziner Christian Vahle aus Wriedel hatte sich vor Tagen bereit erklärt, zu helfen und wurde alarmiert.

Die Uelzener Helfer hatten alles getan – doch dann stiegen die meisten Flüchtlinge kurz vor 11 Uhr zurück in den Zug.

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