Sozialarbeiterin fordert Unterstützung – doch es mangelt an Geldern

Flüchtlinge spüren Finanznot

Uelzen. Sozialamtsleiter Werner Marienfeld kauft Bettwäsche, um Flüchtlingen einen Platz zum Schlafen einzurichten.

Derweil sucht Sozialarbeiterin Swantje Dost-Kraft nach einem Fahrradwagen, damit ein Asylbewerber seine Sprösslinge in den vier Kilometer entfernten Kindergarten bringen kann – denn das übernimmt sie zurzeit selbst.

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Dem Landkreis Uelzen fehlt es akut an Fachkräften für die Versorgung von Asylbewerbern. Derzeit könne man nur „einen Bruchteil“ der Neuankömmlinge erreichen, klagt Dost-Kraft in der vergangenen Sitzung des Kreis-Sozialausschusses. „Wir haben gerade rund 450 Flüchtlinge in Stadt und Landkreis – und ich habe 20 Stunden.“ Ehrenamtliche gerieten nicht selten in Situationen, die nicht zu bewältigen seien, es mangele an Sprachfördermaßnahmen, finanzielle Mittel seien ohnehin knapp. „Ich gehe also auch noch Spenden sammeln und erbettele mir noch so einige Sachen“, schildert Dost-Kraft.

Die Kreispolitik hatte, wie berichtet, 50 000 Euro mit Sperrvermerk für die Flüchtlingsarbeit in den Haushalt eingestellt, der allerdings noch nicht vom Land genehmigt ist. Laut Marienfeld würde diese Summe jedoch nicht einmal für eine Sozialarbeiterstelle ausreichen.

Hans Peter Hauschild (SPD) sieht nur eine Lösung: Der Rotstift müsse an anderer Stelle angesetzt werden. „Dann werden eben nicht so viele Radwege gebaut und nicht so viele Straßen repariert und nicht so viele Sekundarschulen ausgestattet oder sonst was.“

Dass auf diese Weise „sozialer Unfrieden“ gestiftet werden könnte, gibt Jörg Martens (CDU/FDP/RRP) zu bedenken: „Wir können das nicht finanzieren, indem wir in allen anderen Bereichen anfangen zu streichen im Haushalt.“ Doch Hauschild ist überzeugt: „Da bleibt noch massig für alles andere übrig.“ Schnelles Handeln sei erforderlich – auch in der fachlichen Begleitung Ehrenamtlicher, „damit sie nicht weglaufen“.

Gabriel Siller, Geschäftsführer des Diakonieverbandes Nordost-Niedersachsen, pocht ebenfalls auf einen schnellen Ausbau der Integrationsarbeit. Ein Maßnahmenkatalog zur Betreuung von Asylbewerbern – erstellt von der Uelzener Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtspflege – sieht unter anderem zwei weitere Flüchtlings-Sozialarbeiterstellen vor. Um diesen Schritt gehen zu können, sagt Sylvia Meier (SPD), müsse der Landkreis mehr Druck auf Land und Bund ausüben.

Vor dem Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt fordert gestern der Städtetag von den Ländern eine vollständige Erstattung der Kosten, die Kommunen für die Unterbringung und Versorgung von Asylbewerbern entstehen.

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