Flasche leer: Klare Worte über das Komasaufen

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Unkontrollierten Alkoholmissbrauch, vor allem bei Jugendlichen, wollen die BBS-Schüler eindämmen.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Der Landkreis Uelzen steht landesweit an zweiter Stelle, wenn es um Alkoholexzesse von 15- bis 20-Jährigen geht. Das ist Anlass für die Geoorgsanstalt Berufsbildende Schulen II, in ihrem Projekt „Schüler unterrichten Schüler“ diesmal den Alkoholkonsum junger Leute zu thematisieren. Die beiden Abschlussklassen der Fachschule Sozialpädagogik planen für diese Woche unter anderem eine Theateraufführung mit dem Titel „Flasche leer“ durch ein Lüneburger Schauspielensemble und führen Reflexionsgespräche.

Solche Projekte scheinen dringend notwendig: Denn bis zu 80 Prozent der Einsätze, die die Uelzener Polizei an Wochenenden fährt, werden durch betrunkene Jugendliche verursacht. Diese Bestandsaufnahme hatte das Uelzener Kommissariat vor einem Jahr in einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses bekannt gegeben. Wie groß genau die Zahl der Kinder und Jugendlichen ist, die in Uelzen zur Flasche greifen, ist nicht bekannt. Denn die Zeiten, in denen Minderjährige mit Promillewerten um die 1 ins Krankenhaus eingeliefert werden, sind weitgehend vorbei. „Solche Mengen sind junge Leute gewöhnt“, schilderte ein Jugendermittler. Bis zu 40 Jungen und Mädchen ab 12 Jahren werden pro Jahr im Uelzener Krankenhaus wegen Alkoholvergiftung behandelt – mit Werten von bis zu drei Promille.

Die Georgsanstalt führt das Projekt „Schüler unterrichten Schüler“ bereits im sechsten Jahr durch. Lag der inhaltliche Schwerpunkt in den letzten Jahren auf „Teenieschwangerschaften verhindern“, so hat man sich diese Woche wegen dieser Zahlen das Thema Jugend und Alkohol vorgenommen. „Die Abteilungen Sozialpädagogik und und Hauswirtschaft haben beschlossen, hier ein Stück Präventionsarbeit zu leisten“, schildert Michael Kobbeloer, Koordinator für den Bereich Sozialpädagogik. „Peer education“, Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen, ist dabei der Ansatz für das fünftägige Projekt. Denn der Altersunterschied zwischen den Abschlussklassen und den Schülern, die damit angesprochen werden sollen, beträgt nur wenige Jahre – „somit sprechen „Lehrer“ und Schüler die gleiche Sprache und dieses sensible Thema wird nicht unnötig pädagogisiert“, erläutert Kobbeloer. Klare Worte sind nötig – denn für Minderjährige ist es kein Problem, an Schnaps zu kommen. Zwar sind die Supermärkte im Kreis weitgehend sensibilisiert, doch täglich beobachtet man auf den Parkplätze, 18-jährige, die gerade gekaufte Flaschen sogar an Kinder weiter verkaufen.

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