Fingerzeig aus fernen Amtsstuben

Weil dieses Kletter-Spielgerät in der Nähe des Kirchweyher Dorfteiches steht, soll es nun eingezäunt werden, fordert die EU. Der Ortsrat schüttelt darüber nur erstaunt den Kopf. Foto: Mahler

Uelzen-Kirchweyhe. Etwa 600 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Kirchweyhe und Brüssel. Doch manchmal rückt die belgische Hauptstadt, Sitz der Europäischen Union, näher, als es den Bewohnern des Uelzener Ortsteils lieb ist. „So was könne sich nur Eurokraten ausdenken – einfach unfassbar“, schimpft Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Stöcks (CDU) über den seiner Ansicht nach ausufernden bürokratischen Eifer der EU-Beamten.

Der Stein des Anstoßes: Weil in der Nähe des Kirchweyher Dorfteiches Spielgeräte stehen, muss dort aus Sicherheitsgründen ein Zaun errichtet werden. Das fordert eine neue Verordnung aus Brüssel. Dabei solle aber nicht der Teich eingezäunt werden, sondern der Spielplatz, erklärte Christine Tietz, Leiterin der Abteilung für Grünflächen und Umwelt bei der Stadt Uelzen, bei der jüngsten Dorfbegehung des Ortsrates. „Die Kinder müssen vom Teich weggehalten werden“, wies sie auf mögliche Ertrinkungsgefahren hin. Der Stadtverwaltung seien in dieser Frage die Hände gebunden: „Die gesetzlichen Auflagen haben sich nochmals verschärft“, sagte Tietz.

Für den Ortsrat ist diese Anweisung aus dem fernen Brüssel dagegen völlig widersinnig. „So ein Blödsinn“, entfuhr es Ute Chlechowitz (SPD), „hier geht doch kein kleines Kind allein spielen.“ Auch Stöcks reagiert mit Unverständnis: „Man kann keinem erzählen, dass jetzt die Spielgeräte eingezäunt werden sollen und nicht der Teich.“ Schließlich gehe von der Schaukel und dem etwa vier Meter hohen Klettergerüst mit Seilen keine Gefahr aus.

„Das macht doch keinen Sinn“, empört sich der Ortsbürgermeister. Denn die Kosten für die Errichtung des Zauns müsste der Ortsrat aus seinen eigenen Mitteln aufbringen – und die sind aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt stark begrenzt. „Wir würden dort Geld verbrennen, wenn der Spielplatz eingezäunt wird“, warnte Stöcks.

Deshalb waren sich die Ortsratsmitglieder einig, sich nicht der Anweisung der EU-Behörden zu beugen. Stattdessen sollen die Spielgeräte nun an einen anderen Standort in Kirchweyhe versetzt werden. „Das ist viel einfacher und kostengünstiger“, erklärte Stöcks.

Doch eigentlich hätte es der Orstrat schon längst ahnen müssen, was ihm aus Brüssel blüht: Das Seil-Klettergerüst sieht ein bisschen so aus wie das legendäre Atomium, Wahrzeichen der belgischen Hauptstadt.

Von Bernd Schossadowski

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