Finanzen nicht rosarot

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Wenn die Schuldenfalle ruft, kommen die Berater von Diakonie und Caritas zum Zuge. Der Vertrag des hauptamtlichen Mitarbeiters des Diakonischen Werkes läuft Ende 2010 aus.

Uelzen/Landkreis. Der Landkreis Uelzen gehörte nach dem Privatverschuldungsindex der Bundesländer im vergangenen Jahr zu den 15 Prozent der Landkreise in Deutschland mit der höchsten Privatverschuldung. Von Diane Baatani

Bislang konnten Schuldner aus dem Kreis ihre Berater frei wählen. Bei der Caritas, beim Diakonischen Werk im Kirchenkreis Uelzen und etwa bei der ADN Schuldnerberatungsstelle Uelzen war es möglich, sich Ratschläge und Hilfe bei der Arbeit von Insolvenzanträgen einzuholen. Doch ab dem kommenden Jahr ist es vorbei. Der Kirchenkreisvorstand hat beschlossen, dass Diplom-Sozialarbeiter Günter Lierheimer keine Schuldner mehr aufnimmt, sein Vertrag als hauptamtlicher Schuldnerberater mit 30 Stunden pro Woche läuft zum Ende dieses Jahres aus und wird nicht verlängert.

„Das ist eine Katastrophe für die Menschen“, schließt daraus der 58-Jährige. Denn dass die Arbeit von den weiteren fünf ehrenamtlichen Mitarbeitern und drei Ein-Euro-Jobbern fortgeführt werden kann, kann er sich kaum vorstellen. „Wir werden die Schuldnerberatung wahrscheinlich nicht mehr in dem Umfang weiterführen können wie bisher“, gesteht Geschäftsführer Gabriel Siller ein. „Man muss das alles finanzieren können, die kirchlichen Finanzen sind nicht rosarot.“ Und so müsse sich der Kirchenkreis darauf besinnen, was wirklich nötig sei. „Wir verwalten immer den Mangel und können nur einen gewissen Anteil liefern“, erklärt Siller.

Um auch bei der Schuldnerberatung den Anteil liefern zu können, möchte der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Uelzen Gespräche mit anderen Schuldnerberatungen in der Region wie der Caritas führen. „Mir liegt daran, das miteinander zu kombinieren, und dass die Schuldnerberatung der Diakonie an eine andere Stelle mit angegliedert wird.“

Siller ist klar, dass ein hoher Bedarf an Schuldnerberatung im Kirchenkreis besteht. So sehen das auch der Kreis Uelzen und die Agentur für Arbeit. Der Kreis zahlt deshalb der Caritas Zuschüsse für ihre Schuldnerberatung, im aktuellen Etat hat er dafür 60 000 Euro eingeplant. Und die Agentur schickt ihre Mandanten, die in einer Schuldenfalle stecken, mit Gutscheinen zur Diakonie oder zur Caritas. 830 Einzelpersonen haben in den vergangenen fünf Jahren in der Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werkes angefragt. 220 von ihnen wurden während der Begleitung durch die Diakonie seitdem durch Insolvenzanträge entlastet, 40 von ihnen durch außergerichtliche Vergleiche. „Ich hätte mit den unerledigten Fällen noch Arbeit für zwei Jahren“, resümiert Lierheimer. Die Schuldner hängen mit dem Wissen zurzeit in der Luft. Mehrmals pro Woche erhält der Sozialarbeiter weitere Anfragen, die er nun ablehnt.

Einige Anrufer wenden sich an ihn, nachdem ihre Anfragen bei der Caritas erfolglos waren, andere wenden sich an die Caritas oder die ADN-Kanzlei, wenn sie bei der Diakonie nicht vorankamen. „Jeder hat einen anderen Ansatz, unserer ist die schnelle erste Hilfe“, sagt dazu Ralf Ritter, der für die Caritas-Schuldner berät.

Bei der Caritas gibt es rund 350 Fälle pro Jahr. Wegen der Zuschüsse vom Kreis sei es bei ihm und seinen zwei Kollegen in Uelzen und Lüchow-Dannenberg möglich, nicht nur „insolvenzorientiert“ zu arbeiten. Die Diakonie hingegen finanziert ihre Beratung über Fallpauschalen. „Im Grunde gibt es ein ganz gutes Angebot vor Ort, andere Regionen haben Wartezeitenbis zu zwei Jahren“, sagt Ritter.

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