Renate Böhm kann im Central-Theater Besucher begrüßen

Film ab! Nach vier Monaten Corona-Zwangspause wieder Kinobetrieb in Uelzen

Der Kino-Saal vier ist frisch saniert. Was noch fehlt, sind die Besucher. Aber heute kann Renate Böhm Filmliebhaber wieder im Uelzener Central-Theater begrüßen.
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Der Kino-Saal vier ist frisch saniert. Was noch fehlt, sind die Besucher. Aber heute kann Renate Böhm Filmliebhaber wieder im Uelzener Central-Theater begrüßen.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Renate Böhm steht in den Startlöchern. Ihr Central-Theater in Uelzen öffnet heute zum bundeseinheitlichen Termin wieder.

Über Monate war das Kino wegen der Pandemie geschlossen. Es gehe nichts über das Erlebnis, gemeinsam einen Film auf großer Leinwand sehen zu können, sagt Böhm. So ist sie glücklich, nun wieder Tag für Tag Kinobesucher im Central-Theater begrüßen zu können.

Uelzen – Renate Böhm dreht das Licht an. 184 rote Sessel sind zu zählen. Hinter einem blau-glitzernden Vorhang verbirgt sich eine gewaltige Leinwand. Die 79-Jährige lässt ihren Blick durch den Saal vier des Central-Theaters schweifen. „Kino ist mein Leben“, sagt Renate Böhm. Sie ist glücklich, von heute an wieder Tag für Tag Besucher im Central-Theater begrüßen zu können.

Mit sinkenden Infektionszahlen ist der Betrieb von Lichtspieltheatern wieder erlaubt. Die Kinos haben sich auf einen bundeseinheitlichen Start am 1. Juli verständigt. Im Central-Theater hat es vergangenes Wochenende bereits erste Aufführungen gegeben. Das diente als „Generalprobe“, wie Böhm schildert. „Wir wollten mögliche Störungen beheben. Funktionieren alle Lichter? Läuft die Technik?“, so Böhm.

Denn: Der Lockdown zog sich seit November bis jetzt. Eine lange Zeit. Böhm ist regelmäßig durchs Kino-Gebäude gegangen, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist. Immerhin: Es kommt auf eine Geschichte von 108 Jahren. Böhm hat sich, wie sie schildert, in den Monaten nicht unterkriegen lassen. Im Dezember hat sie Gutscheine und Popcorn verkauft, um den Kontakt zu halten. Zu Ostern folgte eine Malaktion. Junge Künstler erhielten für jedes eingereichte Bild eine Tüte Popcorn, die Bilder wurden anstelle von Plakaten an die Glastüren gehängt. Im Innereren wurde derweil auch gearbeitet.

Saal-Sanierung im Lockdown

Die Sanierung von Kino-Saal vier war schon vor der Pandemie geplant. Die Arbeiten im laufenden Betrieb zu koordinieren, wäre aufwendig gewesen. „Jetzt war das Kino zu. Die Baumaterialien konnten einfach abgelegt werden. Das half.“

Böhm sieht das Positive, auch wenn´s düster ist. Sie hat gelernt, nicht aufzugeben. Nach dem frühen Tod ihres Mannes hatte sie sich als Unternehmerin in Uelzen zu behaupten, machte weiter mit Erfolg Kino. Als vergangenes Frühjahr erstmals das Central-Theater wegen Corona schließen musste, sagt sie sich: „Wir müssen was machen.“ So entstand die Idee eines Autokinos, das in den Sommermonaten 2020 auf dem Albrecht-Thaer-Gelände zu besuchen war. Für die Technik musste Böhm viel zahlen, und es kamen weniger als erhofft – ein Minusgeschäft. „Aber ich wollte was machen, erst recht, da Uelzen eigentlich sein 750-jähriges Bestehen feiern wollte“, sagt Böhm.

Als sie dann im Juli 2020 erstmals wieder ihr Central-Theater öffnen konnte, glaubte sie, dass es bergauf gehe. „Die Menschen hatten damals noch mehr Angst. Und es fehlten die Filme von den Verleihern“, blickt sie zurück. Die Zeit bis zum erneuten Lockdown habe sie mehr gekostet als die Zeit der Schließung.

Filme stehen jetzt zur Verfügung

Jetzt, davon ist sie überzeugt, wird es anders. „Es wird geimpft. Und wir haben Filme“, sagt Böhm. Sie zählt auf, was in den nächsten Monaten auf den Leinwänden zu sehen sein wird. Die Otto-Komödie „Catweazle“, „Godzilla vs. Kong“, „Peter Hase 2“, aus der Horrorsparte „Conjuring 3“, „Fast and the Fourious 9“. Sie sagt: Angesichts der Masse an Filmen, die jetzt zur Verfügung stehen, fehlten ihr eigentlich noch zwei weitere Kino-Säle.

Es besteht keine Testpflicht

Besucher müssen sich aufgrund der niedrigen Inzidenz vor einem Kino-Besuch nicht vorab testen lassen, die Säle sind zu 50 Prozent zu besetzen. „Wir haben auch breite Gänge, sodass auch der Weg zur Toilette kein Problem ist“, hält Böhm fest. Bis zum Sitzplatz ist eine Maske zu tragen, die dann im Sitzen abgenommen werden kann. Für eine etwaige Kontakt-Nachverfolgung nutzt das Central-Theater die Luca-App. Es sei aber auch möglich, ein Kontaktformular im Kino auszufüllen.

Drei Mal, so verrät Böhm, hat sie sich während des Lockdowns alleine in einen ihrer Säle gesetzt, um sich Filme auf großer Leinwand anzugucken. Was ihr fehlte, war das Gemeinschaftserlebnis, mit anderen zu lachen, zu weinen, zu träumen. Das ist nun wieder möglich.

Sie ist guter Dinge, was den Start betrifft. Zum „Warm-up“-Wochenende seien gut 370 Menschen gekommen. Das seien doch erfreuliche Zahlen. „Wir glauben an Kino“, sagt Renate Böhm.

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