Pfingstandacht von Pastor Michael Kardel / „Wer ist die dreizehnte Person? – Das sind Sie!“

Das Feuer des Glaubens darf nicht fehlen

Karl Hemmeter (1904 – 1986) schuf 1976 dieses „Pfingstkreuz“ in der Kapelle der Evangelischen Missionsschule Unterweissach. Es zeigt 13 statt 12 Figuren.

Liebe Leserin, lieber Leser!.

Michael Kardel. Foto: Privat

Pfingsten liegt vor uns. Schön, dass es zwei Festtage gibt. Vielen unter uns aber ist der eigentliche Sinn dieses dritten großen Glaubensfestes, der wie Weihnachten und Ostern zwei Festtage beansprucht, gar nicht bekannt: Ausgießung des Heiligen Geistes! Es ist ja auch schwer, etwas zu beschreiben, was nicht zu sehen ist. Da helfen nur Bilder, Beschreibungen und – Geistesgegenwart! Dass es dabei äußerst lebendig zugeht, das sagen die Bilder, wie sie uns die Bibel beschreibt, wenn sie den Heiligen Geist als Feuer und das Brausen des Windes beschreibt. Man könnte auch sagen: Hier macht Gott Dampf, er legt Feuer und schickt den Sturm, mit dem Menschen in den Schwung der Be-geist-erung gebracht werden. Zum Christsein gehört nicht nur ein Wissen, sondern Menschen, die für ihren Gott leuchten und brennen.

Geisterfahrungen

Dass wir durchaus etwas mit „Geist“ und „Geistern“ anfangen können, habe ich an einem Abend im Jugendkreis erlebt: Ich gab den Teilnehmenden eine Menge Luftballons mit dem Auftrag, draufzuschreiben, welchen Geist sie erleben, wenn man zusammenkommt, wenn man einen Raum betritt. Alle wussten etwas aufzuschreiben. Geist der Erwartung, Geist der Freude, aber auch den Geist der Unruhe, des Desinteresses, Geist eines Konfliktes; diese Jugendlichen wussten sehr fein Geister zu unterscheiden und wahrzunehmen.

Jeder von uns kennt solche Geister, die uns einnehmen wollen, wenn wir Menschen begegnen: Wir spüren das, fühlen uns bei guten Geistern wohl, andere ziehen uns herunter, wirken negativ, setzen unter Druck.

So erleben wir das, was kaum in Worte zu fassen ist und was man nicht sehen kann, sehr real. Geistströmungen durchziehen die ganze Welt. Unzählige Einflüsse wirken auf jeden von uns, sei es äußerlich oder aber in den Gedanken. Geist und Begeisterung hat es unter uns schon immer gegeben. Denken wir an die Begeisterung, die alles vernünftige Denken aussetzen ließ und einmal unser ganzes Volk verführt hat. Ein Großteil der Bevölkerung brannte für die Sache des dritten Reiches. Spätestens an den Zielen und Auswirkungen musste abgelesen werden, dass hier unheilige Geister am Wirken waren.

Nun stellen Sie sich vor: Gottes Geist kommt in die Welt. Sein Hauch, sein Atem, sein Geist strömt ein. Stellen Sie sich das nur einen Moment vor: Gottes Geist in Menschen! So, dass in ihnen seine Gedanken, sein Wille, seine Leidenschaft entbrennt. Ein Geist, der weltweit viele, die in Kultur und Sprache verschieden sind, eins werden lässt! Das kann man erleben!

Das Pfingstkreuz

Karl Hemmeter hat in seinem Holzrelief ein Altarkreuz geschaffen, das das Geschehen von Pfingsten bildhaft predigt und uns das Unsagbare verstehen lässt (siehe Bild):

Zwei Kurven, die ineinander liegen, zeigen zunächst das Geschehen von oben. Die beiden Linien schaffen einerseits Abstand zwischen Gott und Welt, denn hier liegen Dimensionen zwischen unheiligen Geistern und heiligem Geist. Gleichermaßen ist hier aber auch der starke Drang Gottes zu den Menschen, sein „Gefälle“ zu uns wahrzunehmen. Gott selbst will bei, will in uns wohnen. Die Taube steht als Symbol für den Heiligen Geist.

Gewissheit bekommen

Was das bewirkt, ist an den Menschen zu erkennen: Sie sind entzündete Kerzen. Sie empfangen das Licht. Sie werden erleuchtet. Sie brennen für Gott und seine Welt. Martin Luther hat in seinem 3. Glaubensartikel zum Heiligen Geist festgehalten, dass es dem natürlichen Menschen nicht einmal möglich ist, überhaupt an Gott zu glauben – ohne den Heiligen Geist. Da fehlt die Antenne nach oben, da fehlt die Gewissheit, die von oben kommt, da bleibt es nur im Vermuten, dass es einen Gott geben könnte. Dass Gott Wirklichkeit ist, das kann nur vom Himmel her begriffen werden. Wir müssen durch den Heiligen Geist für Gottes Dimension erst aufgeschlossen werden.

Menschen, die für Gott brennen

Eine Kerze hat ihr Wesen darin, dass sie sich im Brennen, im Leuchten und Wärmen verzehrt. So sagt das Pfingstkreuz etwas über die Bestimmung des Menschen aus: Wir Menschen haben in der Hingabe, im Uns-Verzehren für Gott und die Menschen unseren tiefen Lebenssinn. Das ist unsere Wesenheit. Gott nimmt uns in seinen Dienst. Ein Leben, das nur für sich selbst und nur zur Selbsterhaltung gelebt wird, ist von da aus gesehen ein Selbstverlust.

Wer genau hinschaut, entdeckt, dass jeder dieser Kerzenmenschen persönliche, individuelle Züge zeigt. Auffallend ist, wie die Kerzen nebeneinander bleiben und die Gesichter nicht auf sich und andere blicken. Verbunden sind sie aber alle durch ihren Blick nach oben. Über Gott und seinen Geist sind sie auf das Engste verbunden, eine Einheit in ihm. Auch hier wird eine tiefe Wahrheit aufgeschlossen: Wir Menschen erkennen einander nur über Gott als die, die wir wirklich sind!

13 statt 12

Wer die Kerzenfiguren zählt, wird stutzig geworden sein. Es sind 13. Waren es nicht 12 Jünger? Die Zahl 13 ist eine unabgeschlossene Zahl. Wer ist die dreizehnte Person?

Das sind Sie! Sie als der Mensch, den Gott be-geist-ern möchte, dessen Lebenssinn es ist, für ihn zu brennen!

So wollte der Künstler die dreizehnte Menschenkerze als Hinweis verstanden wissen: Wir gehören dazu. Uns gilt dieselbe Verheißung. Auch wir dürfen in unserer Zeit wie weltweit Millionen Menschen daran teilhaben, dass Gott uns in den Glauben ruft, für seine Wahrheit entzündet und begeistert, bewegt und entzündet.

Warum Pfingsten so wichtig ist

Die Kraft unseres Glaubens besteht in der Wirkung der dritten Person Gottes: Der Heilige Geist. Er ist neben dem Vater und dem Sohn unverzichtbar wie die anderen beiden. Das feiern Christen am Pfingstfest und wissen sich in einer neuen Identität. Sie sind von Gottes Geist bewegt. Es ist der Atem des Glaubens, das Feuer der Liebe Gottes, das in den Menschen brennt und das sie in die Welt hinaussendet. Oder anders gesagt: in denen Gott selbst in die Welt hinausdrängt durch von ihm bewegte Menschen. Durch seinen Geist. Seien auch Sie Gottes Kerze und Licht in dieser Welt!

 

Frohe Pfingsten und dabei geistreiche Einsichten wünscht

Michael Kardel, Pastor in Eimke und Gerdau, stellvertretender Propst

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