„Es fehlten klare Richtlinien

Henning Weize (links) und Carsten Hein beim ersten Verhandlungstag um ihre Kündigung.

Uelzen/Lüneburg - Von Thomas Mitzlaff. Das Landgericht Lüneburg hat die fristlose Kündigung der beiden Metronom-Geschäftsführer Henning Weize und Carsten Hein für ungültig erklärt: „Sie haben sicher nicht in allen Punkten korrekt gehandelt, aber die hier genannten Gründe reichten nicht für eine fristlose Kündigung aus“, sagte der Vorsitzende Richter der 1. Kammer für Handelssachen, Klaus-Rainer Strunk.

Die Uelzener Metronom-Eisenbahngesellschaft, die in Niedersachsen nach der Deutschen Bahn das wichtigste Unternehmen im Regionalverkehr ist, hatte die überraschende Trennung im April unter anderem mit eigenmächtigem Handeln der beiden Geschäftsführer begründet. Diese hätten die Gesellschafterversammlung bei ihren Entscheidungen nur unzureichend informiert.

„Wir freuen uns über das Urteil, denn wir sind uns keinem schuldhaften Verhalten bewusst“, erklärte Henning Weize gestern in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Allgemeinen Zeitung Uelzen. „Der Versuch einzelner Gesellschafter, uns vor die Tür zu setzen, ist damit gründlich gescheitert.“ Die Uelzener Eisenbahngesellschaft wollte gestern keine Stellungnahme zu dem Urteil abgeben.

Das Landgericht bescheinigten Weize und Hein zwar „zweitweilig gemauert“ zu haben, doch sei das komplizierte Gesellschafter-Geflecht des Metronom für die beiden Geschäftsführer problematisch gewesen. So waren einige Gesellschafter gleichzeitig Konkurrenten des Metronom, etwa bei der Bewerbung auf ausgeschriebene Strecken.

„Wenn die Geschäftsführer die Gesellschafterversammlung und somit auch Konkurrenten informiert hätten, hätten sie womöglich das Interesse des Metronom verletzten können“, erklärte Strunk die Problematik: „Hier wäre es Aufgabe der Gesellschafterversammlung gewesen, den beiden Geschäftsführern klare Richtlinien an die Hand zu geben, wer wann was wissen darf“.

Einen im Verlauf des Verfahrens vorgeschlagenen Vergleich der Kammer, dass beide Geschäftsführer 250 000 Euro und vorzügliche Zeugnisse bekommen, hatten beide Parteien abglehnt. „Zur weiteren Entwicklung ist derzeit keine Prognose möglich“, sagt Weize dazu. Jetzt droht ein Gang durch alle Instanzen über das Oberlandesgericht Celle bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

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