„Es fehlt ein großer Supermarkt“

Kann Uelzen mit dem Marktplatz-Projekt weitere Kaufkraft aus dem Umland an die Stadt binden?

Uelzen - Von Marc Rath. An Discountern gibt es im Uelzener Stadtgebiet inzwischen einen Überhang. Was hingegen fehlt, ist ein weiterer größerer Supermarkt. Zu diesem Schluss kommt die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Ludwigsburg in ihrer Fortschreibung des städtebaulichen Entwicklungskonzepts „Lebensmitteleinzelhandel“ für die Stadt Uelzen. Die im Auftrag der Stadt erstellte Expertise ist heute Abend um 18 Uhr Thema in der öffentlichen Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses im Rathaus.

Mit dem Real-Markt sei Uelzen auch im Segment SB-Warenhaus (ab 5000 Quadratmeter Fläche) „gut aufgestellt“, attestieren die Gutachter. „Im Gegensatz dazu fällt der Besatz bei den Betriebstypen Großer Supermarkt und Supermarkt für ein Mittelzentrum in der Größe von Uelzen zu gering aus“, heißt es weiter. Nur hier könne es mit einer Erweiterung gelingen, weitere Kaufkraft aus der Stadt und ihrem Umland zu binden. Eine derartige Neuansiedlung sei in den Umlandgemeinden nicht möglich und stärke zugleich Uelzens Stellung als Mittelzentrum. Die Gutachter beziffern dafür ein zusätzliches Flächenpotenzial von 2000 Quadratmetern – „dies entspricht in etwa dem Lebensmittelflächenanteil des geplanten Großen Supermarktes auf dem ehemaligen Marktplatz“.

Uelzen habe im Vergleich mit anderen Mittelzentren bereits „einen sehr hohen Zentralitätswert“, schreiben die Handels-Experten. Die Stadt besitze aber eine gute Ausgangslage, „um sich auch künftig als zentraler Einzelhandelsstandort im Landkreis zu positionieren“. Wenngleich durch den zu erwartenden beschleunigten Bevölkerungsrückgang 2015 in der Stadt rund eine Millionen Euro und im gesamten Landkreis rund 3,6 Millionen Euro weniger Kaufkraft zur Verfügung stehen werden.

In der Vorlage der Bauverwaltung für den Stadtrat ist von einer „ausgesprochenen Discounterlastigkeit“ in Uelzen die Rede: „Die Ansiedlung weiterer derartiger Betriebe in der Kernstadt würde zu keiner strukturellen Verbesserung führen“, heißt es aus dem Rathaus. Vielmehr wären dann „Umverteilungseffekte zu Lasten bestehender Betriebe und negative Auswirkungen auf die vorhandene Nahversorgungsstruktur zu erwarten“.

Mit der Fortschreibung des Gutachtens von vor vier Jahren und der vom Bauausschuss am Dienstagabend bereits – bei einer Gegenstimme des FDP-Vertreters Gerald Röpe – empfohlenen Veränderungssperre für die Lüneburger Straße will die Verwaltung aktuelle auch die Ansiedlung eines Discounters auf dem Grundstück neben der Polizei verhindern (AZ berichtete).

Neue Verkaufsflächen oder die Erweiterung bestehender Nahversorger sollen nur noch in Gr. Liedern, Molzen und Oldenstadt zugelassen werden, sofern dort die Einwohnerzahl wächst. Neben dem Marktplatzprojekt will die Verwaltung ansonsten nur spezialisierte kleinere Lebensmittelanbieter – wie etwa Biomärkte – genehmigen.

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