Das Ukraine-Projekt der Stadtwerke Uelzen schreibt weiter tiefrote Zahlen

Es fehlen über 4 Millionen

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Dunkle Wolken stehen weiter über dem Landwirtschaftsprojekt in der Ukraine: Die Weizen-Ernte in diesem Jahr fiel weitgehend ins Wasser, beim Raps sah es dagegen besser aus.

Uelzen. Das Landwirtschaftsprojekt der Stadtwerke Uelzen in der Ukraine steckt weiter in tiefroten Zahlen: „Unter dem Strich steht im Jahr 2011 ein Minus von etwa 1,5 Millionen Euro“, bilanziert Gert Sieger, Geschäftsführer der Sustainable Bio Energie Holding GmbH (SBE), die das Vorhaben für die Stadtwerke Uelzen und Schwäbisch Hall betreibt.

Und für das Jahr 2012 benötige man nochmals mindestens vier Millionen Euro Kapital.

Die Stadtwerke Uelzen und Schwäbisch Hall sind zu gleichen Teilen Gesellschafter der SBE und haben bislang jeweils rund 5,5 Millionen Euro in das umstrittene Landwirtschafts-Projekt gesteckt, für das es harsche Kritik unter anderem vom Steuerzahlerbund gab. Nach tiefroten Zahlen in den ersten Jahren versucht man das Vorhaben nun durch einen radikalen Kurswechsel zu retten. Beide SBE-Geschäftsführer wurden geschasst, Sieger als neuer Mann an der Spitze setzt unter anderem auf enge Zusammenarbeit mit den Ukrainern statt auf deutsche Arbeitskräfte. Der neue Mann an der Spitze der SBE spart nicht mit deutlichen Worten: „Durch operative Fehler und gravierende Fehleinschätzungen ist das Projekt bislang torpediert worden, meine Vorgänger haben die Herausforderungen dieses Geschäftes unterschätzt.“ Mittlerweile habe die SBE in der Ukraine sogar schon die Steuerfahndung des Landes auf dem Hof gehabt: „Alle Betriebe um uns herum machen Gewinne, nur wir nicht – das wollten die einfach nicht glauben.“

Doch es sei Fakt: Eine verregnete und entsprechend schlechte Weizenernte habe die Bilanz des Jahres 2011 verhagelt. „Die Rapsernte war sehr ordentlich, aber das reichte nicht für eine bessere Bilanz.“

Somit geht die SBE mit 1,5 Millionen Euro Minus ins neue Jahr, für das sie dann nochmal vier weitere Millionen Euro frisches Geld benötigt. Sieger spricht von „vier Millionen Euro plus einer Zahl X“. Die aufzubringen, dürfte nicht leicht sein.

Bei den Stadtwerken Uelzen jedenfalls winkte man schon mal ab. „Unser Engagement muss in seiner Höhe in einem vertretbaren Zusammenhang zu anderen Aktivitäten und Aufgaben des Unternehmens stehen“, erklärte Stadtwerke-Sprecher Mirco Pinske. „Deswegen ist es aus Sicht der Geschäftsführung nicht vorgesehen, das finanzielle Engagement auszudehnen.“

In der Uelzener Politik wird das Projekt Ukraine längst mit Argwohn betrachtet. Am Montag konstituiert sich der neue Stadtrat. Und nach AZ-Informationen wird hinter den Kulissen fieberhaft ein neuer Aufsichtsrats-Vorsitzender für die Stadtwerke gesucht – „da winken alle dankend ab“, heißt es in Politikkreisen.

Derweil beschäftigt das Thema SBE am 15. November auch das Landgericht Lüneburg: Dort klagt der jüngst gefeuerte Betriebschef in der Ukraine, Roman K., gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. „Er wehrt sich gegen seine Entlassung und fordert Schadensersatz“, erklärt eine Gerichtssprecherin.

Gert Sieger spricht von gravierenden Verfehlungen des ehemaligen Betriebsleiters, der offiziell als „Berater“ tätig war. Im übrigen hält der SBE-Geschäftsführer es für möglich, dass das Ukraine-Projekt doch noch ein Erfolg werde. „Das nötige Geld versuchen wir uns jetzt über Investorengruppen zu holen“, sagt er. Denn: „Alle um uns herum verdienen Geld, dann müssen wir das doch auch hinkriegen“. Er hoffe auf eine schwarze Null für das Jahr 2012.

Von Thomas Mitzlaff

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