70 Geschäfte im Landkreis geben ihre überfälligen Lebensmittel an sozial schwache Personen ab

Fast alle Wege führen zur Uelzer Tafel

„Alles, was nicht mehr verkaufsfähig, aber noch gut ist“ sammeln Klaus Dittmer und seine Mitarbeiter aus dem Ebstorfer Edeka für die Ausgabe der Uelzer Tafel. Fotos: Ph. Schulze

Uelzen. In Deutschland landen nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Der Ernährungsausschuss des Bundestages hat sich deshalb gestern mit dem Thema „Mindesthaltbarkeitsdatum“ beschäftigt.

Bundespolitiker halten die hohen Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln für untragbar – unterdessen profitieren von den aussortierten Produkten bundesweit die Tafeln, auch die Uelzer Tafel.

Im Landkreis Uelzen versorgen rund 70 Geschäfte die kostenlose Lebensmittel-Ausgabe für sozial schwache Personen, berichtet der Leiter des Vereins Uelzer Tafel, Gerard Minnaard. Bei vielen Supermärkten und Bäckereien holen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel zwei- bis dreimal pro Woche Lebensmittel ab, die zwar nicht mehr verkauft werden können, aber noch essbar sind. Dabei orientieren sich die Händler an dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Wenn die Mindesthaltbarkeit von Produkten kurz vor dem Ablauf steht, werden sie nicht mehr verkauft und der Tafel ausgehändigt. „Wir geben auch Lebensmittel heraus, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon ein oder zwei Tage abgelaufen ist“, sagt Minnaard. Dann werde aber darauf hingewiesen, dass sie „für den direkten Verzehr“ verwendet werden sollten und die Personen „in eigener Verantwortung“ damit umgehen müssen.

Mittwochs und sonnabends ab 13.30 Uhr hat die Ausgabe der Uelzer Tafel geöffnet. Am Bohldamm ist die Hauptstelle, wo sich jedes Mal 120 bis 150 Personen jeweils drei bis vier gefüllte Tüten abholen. Bei der St.-Petri-Gemeinde an der Osterstraße gibt es mittwochmittags parallel eine zweite Ausgabe, die zur gleichen Zeit geöffnet hat und von rund 30 Personen genutzt wird. „Wir haben immer Kartoffeln und meistens Brot und Kuchen“, zählt Minnaard auf. „Wir haben schon auch oft besondere Sachen zwischendurch. In den letzten drei Wochen haben wir hundert Puten und Enten tiefgefroren.“ Von Bahlsen gebe es zum Beispiel regelmäßig Paletten Chips, und von der Firma Krings, deren Fabrik im Landkreis Uelzen jüngst geschlossen wurde, konnte die Tafel übrig gebliebene Getränke verteilen.

Zusätzlich zu den Ausgaben der Tafel ist der Verein auch Träger vom Gemeinschaftsessen am Königsberg, das donnerstags veranstaltet wird, und die Tafel veranstaltet dienstags im Martin-Luther-Haus ein Essen für einen Euro pro Person. Bis zu 70 Personen sind ehrenamtlich für den Verein aktiv, der in diesem Monat sein 15-jähriges Bestehen feiert.

„In den 15 Jahren ist das Angebot breiter geworden“, berichtet Minnaard. Die Ausgabe wurde an die Wochenmarkt-Tage angepasst, damit auch übrig gebliebene Lebensmittel von den Marktbeschickern verteilt werden können. Nach den ersten vier Monaten besuchten bereits etwa 50 Personen regelmäßig die Tafel, erinnert er sich. Anfangs hätten die Geschäfte die älteren Produkte noch nicht zu günstigeren Preisen verkauft, das habe sich erst in den jüngeren Jahren durchgesetzt. „Und die Geschäfte haben angefangen, immer genauer zu bestellen“, als Grund dafür vermutet Minnaard finanzielle Einsparungen angesichts des Konkurrenzdrucks.

Viele Ketten beteiligen sich an der Aktion, der Discounter Aldi ist aber nach Angaben von Minnaard nicht dabei. Uelzener Aldi-Mitarbeiter wollten sich nicht dazu äußern, was mit ihren Lebensmitteln passiert. Eine Pressestelle hat das Unternehmen nicht eingerichtet.

Von Diane Baatani

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