Beratungsbedarf gestiegen

Familienbildungstätte Uelzen über die Arbeit unter Corona: Stillstand? Fehlanzeige

Von außen sah es bei der Familienbildungsstätte nach Stillstand aus. Doch hinter den Kulissen lief der Betrieb weiter.
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Von außen sah es bei der Familienbildungsstätte nach Stillstand aus. Doch hinter den Kulissen lief der Betrieb weiter.

Uelzen – Der Beschluss kam kurzfristig, aber endgültig. „Wir mussten innerhalb von einem Tag alles schließen“, sagt Andrea Zobel, Leiterin der evangelischen Familienbildungsstätte (Fabi).

Kurse, Beratungen, Fortbildungen – all das musste nach dem Beschluss des Landes Niedersachsen im März auch in Uelzen coronabedingt eingestellt werden.

Doch Stillstand kehrte nicht ein. „Nach außen ist natürlich alles heruntergefahren“, so Zobel, fügt jedoch hinzu: „Kaum jemand hat weniger gearbeitet.“ So wurde die Zeit unter anderem dafür genutzt, weitere Schritte zur Digitalisierung einzuleiten, um so Kurse auch online anbieten zu können. Diese seien jedoch kein Allheilmittel, betont Zobel: „Der direkte Kontakt ist ein ganz wichtiges Merkmal unserer Arbeit.“

Direkter Kontakt war jedoch vorerst nicht möglich –und das, obwohl gerade die unsichere Zeit zu einem höheren Beratungsbedarf führte. So berichten es Silke Jäschke vom Seniorenbüro und Elisabeth Albers vom Kindertagespflegebüro. Unter anderem wurden daher während der Schließung Handlungsempfehlungen für Risikopatienten herausgegeben oder eine Hotline eingerichtet, an die sich Menschen mit Sorgen und Ängsten aufgrund der Corona-Krise wenden konnten.

Dabei waren die Fabi-Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichen Sorgen konfrontiert. Albers berichtet von großer Unsicherheit in den Familien, da bei arbeitenden Eltern häufig wegen der Schließung der Kitas die Betreuung der Kinder schwierig zu regeln war. Sie selbst habe sich wie einer Hebamme gefühlt, die immer geholfen hat – teilweise ohne selbst die richtige Antwort zu kennen. Jäschke wiederum betont die Herausforderung, vor der diejenigen standen, die auf die Tagespflege zum Beispiel von dementen Angehörigen angewiesen sind.

Diese Zeit wurde auch für die Beraterinnen selbst zur Belastung. Albers verweist auf viele Informationen, die auf einen Schlag kamen und immer wieder geändert wurden. Und Andrea Zobel erklärt, dass die Familienbildung zunächst bei den vielen Verordnungen des Landes nicht vorkam.

So fehlten etwa die Vorgaben, ob und wie man beispielsweise Senioren bei Fahrten zum Arzt im Auto begleiten könne. Letztlich oblag es Zobel zu entscheiden. Die Fahrten wurden aus Sicherheitsgründen vorerst nicht mehr angeboten.

Welche Schwierigkeiten die plötzliche Unterbrechung des laufenden Kursbetriebs bereitete, erklärt Silke Jäschke. Mitten in einem Qualifizierungskurs für Seniorenbegleiter habe man alles auf Homeschooling umstellen müssen, um den Kurs fort- zuführen. „Das war ein immenser Aufwand“, meint Jäschke.

Dabei standen die Kursteilnehmer noch vor einem ganz anderen Problem: Denn zum erfolgreichen Abschluss war auch ein Praktikum in einem Altenheim oder einer ähnlichen Einrichtung nötig – die jedoch alle coronabedingt die Türen für Außenstehende schließen mussten. Erst im Mai wurden die ersten Praktika wieder ermöglicht. „Es hat viel Begleitung und Unterstützung gebraucht“, sagt Jäschke, doch letztlich konnten alle Teilnehmer ihr Praktikum nachholen.

Trotz aller Widrigkeiten können die Fabi-Mitarbeiterinnen auch viel Positives aus der Corona-Krise ziehen. Während Zobel die Kursleiter lobt, die sich mit viel Kreativität auf den veränderten Kursbetrieb einstellen, stellt Jäschke die Teilnehmer heraus, die trotz anfänglicher Skepsis im Homeschooling über sich hinausgewachsen seien. Auch das Miteinander habe gut funktioniert, man sei miteinander gewachsen. „Manchmal passiert so etwas erst durch eine Drucksituation“, meint Zobel. VON DANIEL BIELING

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