Familie grüßt jetzt übers Tablet

Seit Samstag gelten für Seniorenheime strikte Zugangsregeln. Manche Einrichtungen gehen auch noch weiter, machen komplett dicht – und das nicht nur wegen Infektionen.
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Seit Samstag gelten für Seniorenheime strikte Zugangsregeln. Manche Einrichtungen gehen auch noch weiter, machen komplett dicht – und das nicht nur wegen Infektionen.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Von Samstag an gelten für alle Seniorenheime im Landkreis strikte Regelungen, was den Zugang betrifft. Damit soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden. Mancher Heimbetreiber geht sogar noch weiter als der Landkreis mit seinen Vorgaben.

Uelzen/Landkreis – Klar ist indes: Für die Bewohner und Mitarbeiter ist es keine leichte Zeit.

Sicher ist sicher. Am Donnerstag ist Heimleiter Heiner Mc Neil vor die Bewohner der Seniorenresidenz an der Rosenmauer in Uelzen getreten, um ihnen zu eröffnen, dass sie vorerst keinerlei Besuch empfangen dürfen. „Wir schließen das Haus für Außenstehende komplett“, sagt Mc Neil dazu.

Das dient dem Infektionsschutz. Zwei Corona-Fälle in der Belegschaft der Residenz hat es bisher gegeben, ohne dass – glücklicherweise – die Infektion weitergetragen wurde. Jetzt will es Mc Neil nicht darauf anlegen. Der Inzidenz-Wert im Kreis hat die 200er-Marke gerissen. Ausbruchsgeschehen gibt es in mehreren Heimen. Zu einem solchen soll es an der Rosenmauer gar nicht erst kommen. Deswegen geht das Heim weiter, als es nach den jüngsten Beschlüssen der Kreisverwaltung müsste.

Seit Samstag gelten strikte Vorgaben für alle Alten- und Pflegeheime im Landkreis, um die Corona-Infektionslage in den Griff zu bekommen. Lediglich einer Bezugsperson pro Bewohner ist demnach der Zugang zu einem Heim noch gestattet. Für Betreuer, Geistliche und Sterbebegleiter gelten Ausnahmen.

Wenn mehrere Angehörige einen Bewohner besuchen wollen, müssten diese sich nun einigen, sagt Ralf Biebau, Geschäftsführer der Heiligen-Geist-Stiftung, die in Uelzen zwei Heime an der Waldstraße und im Hülsen unterhält. Aber so oder so gelte: Ohne Schnelltest vor Ort erhalte niemand Zutritt zu einem Heim der Stiftung, hält Biebau fest. Und an der Waldstraße gibt es aktuell einen Corona-Ausbruch, hier kommen in Absprache mit dem Gesundheitsamt überhaupt keine Dritten ins Haus.

Sicher hätten die Bewohner den Wunsch, Besuch zu empfangen, sagt Biebau. „Das Interesse ist immer da. Wir versuchen, den Kontakt mit der Familie auch über den digitalen Weg zu halten, mit Video-Telefonie über Tablets“, sagt Biebau.

Zumal der Alltag in den Heimen auch ein anderer geworden ist. Ob nun im Hülsen oder an der Waldstraße, zum Infektionsschutz nehmen die Bewohner vorwiegend ihr Essen auf den Zimmern ein. Die Gruppen-Angebote sind ausgesetzt. „Das ist schon eine starke Belastung für die Bewohner“, so Biebau.

Heiner Mc Neil hat für seinen Vorstoß, die Seniorenresidenz komplett dichtzumachen, von den Bewohnern zunächst Zuspruch erfahren, auch wenn es den Kontakt-Wunsch mit der Familie gebe. Auch in der Residenz arbeitet man mit Tablets. „Die Bewohner zeigen Verständnis. Sie lesen ja die Zeitung, wissen um die Infektionslage und haben Angst“, so Mc Neil. „Schauen müssen wir, was in einer Woche ist.“ Die Stimmung kann auch noch umschlagen. Die Hoffnung liegt im Impfschutz. Der Termin für die zweite Impfrunde sei am 5. Februar, so Mc Neil.

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