Echten Geldschein reumütig hinterhergeschickt

Ein falscher Fünfziger: Geständiger Geldfälscher am Amtsgericht Uelzen

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Geldscheine sind durch verschiedene Merkmale vor Fälschungen geschützt. Ein handelsüblicher Drucker reicht für eine realistische Kopie nicht – dies zeigt auch der Fall aus Uelzen, der gerade am Amtsgericht verhandelt wurde.

Uelzen. Amtsgericht Uelzen, Saal 1. Michael T. (*) auf der Anklagebank. Gerader Rücken, schlanke Statur, weiche Stimme.

Auf die Ausführungen des Vorsitzenden Richters am Amtsgericht Thomsen, entgegnet er leise „Ja“, „Nein, nein, nein“ und irgendwann „das war dumm. “.

Mit einem eigens dafür gekauften Drucker hatte T. im September 2014 Falschgeld produziert. Das machten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und die Einlassungen des Angeklagten bei der Verhandlung deutlich. Er kopierte mehrere Scheine, vor allem aber einen 50-Euro-Schein. Diesen etwa 18 Mal.

Zur Tatzeit sei es ihm nicht gut gegangen, berichtet der Maurer. Die Trennung von der Partnerin habe ihn belastet. Sogar in die Psychiatrie habe er sich einweisen lassen. Die Idee, Geld zu fälschen, entstand in Gesprächen mit Freunden. Ob das gehen würde, hätte man sich gefragt, so der 41-Jährige. Und ob man damit tatsächlich bezahlen könne.

Die Neugier war so groß, dass T. einschlägige Internet-Foren besuchte, sich einen handelsüblichen Drucker kaufte und das Geldfälschen einfach mal probierte. In den eigenen vier Wänden entstand so das Falschgeld. Am Rande der Verhandlung war zu vernehmen, dass die Qualität der Blüten „schlecht“ war. „Superschlecht.“

In Uelzen ließ man sich dennoch übertölpeln. In einem Frischemarkt wurde der falsche Fünfziger angenommen. Derart ermutigt nutzte T. sein Papiergeld auch in Hamburg. Zunächst auf dem Fischmarkt, später an einer Tankstelle.

Eine Fischmarkt-Verkäuferin sagte gegenüber der Polizei später aus, dass sie beim Kassieren schon gemerkt habe, dass der Schein sich komisch angefühlt habe. Es sei aber zu viel los gewesen, um schnell zu reagieren. An der Tankstelle flog der Schwindel dann auf.

Für die Taten in Hamburg ist das Amtsgericht Uelzen nicht zuständig. Sie wurden am Mittwoch auch nicht verhandelt. Sie führten wegen der gleichen Geldscheinnummer aber dazu, dass die Uelzener Tat dem Angeklagten zugeordnet werden konnte.

Schon vor dem Prozess hatte Michael T. die Vorwürfe zugegeben. An den Händler hatte er zwischenzeitlich auch einen anonymen Entschuldigungsbrief geschrieben und einen echten 50-Euro-Schein dazugelegt.

Einen Vorwurf bestritt der Maurer vor Gericht jedoch: Dass er auch in Uetersen einen falschen Fünfziger genutzt habe, stimme nicht. Das Gericht glaubte ihm, weil T. seine falschen Geldscheine teilweise auch einfach weggeworfen hatte. Sie konnten somit von jedermann benutzt werden.

Das Urteil: 120 Tagessätze a 30 Euro, also 3600 Euro Geldstrafe. Ausschlaggebend dafür, dass ein minderschwerer Fall von Geldfälschung angenommen werden könne, so der Richter, seien die Reue, das Geständnis, die persönlichen Umstände zur Tatzeit sowie die geringe kriminelle Energie.

(*) Name geändert

Von Steffen Kahl

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