„Das falsche Signal“

Kita-Erzieher in Kurzarbeit: Unterschiedliche Regelungen im Kreis Uelzen

Kita-Besuch im Krisenmodus: Aktuell gibt es nur eine Notbetreuung. Der Kita-Betrieb wird in den nächsten Monaten schrittweise wieder hochgefahren.
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Kita-Besuch im Krisenmodus: Aktuell gibt es nur eine Notbetreuung. Der Kita-Betrieb wird in den nächsten Monaten schrittweise wieder hochgefahren.

Uelzen/Landkreis – Kinderlachen ist kaum zu hören. Es ist ruhig geworden in den Kindertagesstätten im Landkreis.

Geöffnet haben sie aus Gründen des Corona-Infektionsschutzes seit Mitte März nicht mehr – eine Notbetreuung ist aktuell für maximal fünf Kinder je Kita-Gruppe vorgesehen.

Seit gestern gilt für Mitarbeiter von Kitas im Landkreis, die vom DRK betrieben werden, nun eine Kurzarbeiter-Regelung. Betroffen sind nach Auskunft von Tim Meierhoff, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, mehr als 300 Beschäftigte.

Finanziell bemerkbar wird sich die Regelung für sie nicht machen (Seite 1). Aber: „Welches Signal wird in die Berufsgruppe gesendet?“, fragt Tim Meierhoff. „Eine Berufsgruppe, welche als systemrelevant angesehen wird, die dem Fachkräftemangel massiv ausgesetzt ist und im Rahmen der Notbetreuung in den letzten sechs Wochen herausragende Arbeit geleistet hat, nun in Kurzarbeit zu schicken, ist das falsche Signal der Wertschätzung seitens der Kommunen an unsere Mitarbeiter in den Einrichtungen“, so Meierhoff. Kommunen im Landkreis waren aus Sorge vor einer finanziellen Schieflage auf das DRK als Betreiber von Kitas mit der Bitte um eine Kurzarbeiter-Regelung zugegangen. Sie erhoffen sich eine finanzielle Entlastung.

DRK befürchtet „Qualitätsverlust“

Neben der Signalwirkung gibt Tim Meierhoff zu bedenken: In den vergangenen Wochen hätten Mitarbeiter unabhängig von der Notbetreuung per Telefon, Post und online Hilfestellungen gegeben und die Bindung zu den Familien gehalten. Würden nun Mitarbeiter durch die Kurzarbeiter-Regelung auf null Stunden gesetzt, könnten diese pädagogischen Angebote nicht mehr gemacht werden. Das bedeute einen Qualitätsverlust.

Thomas Schulz ist nicht nur Samtgemeindebürgermeister von Suderburg, sondern auch Kreis-Geschäftsführer des niedersächsischen Städte- und Gemeindetages. Was die pädagogischen Angebote unabhängig von der Notbetreuung betreffe, so könnte ein Kontingent dafür noch geschaffen werden, sagt er.

Klar ist derweil auch: In den kommenden Monaten soll schrittweise der Betrieb von Kitas in Niedersachsen wieder hochgefahren werden. Das teilt gestern das Kultusministerium mit. Auch mit einer jetzt getroffenen Kurzarbeiter-Regelung, so betont Thomas Schulz, bleibe man flexibel. Mit dem Städte- und Gemeindetag habe es dazu eine Rücksprache gegeben.

Rosche geht eigenen Weg

Eine Kurzarbeiter-Regelung betrifft nicht alle freien Träger von Kitas im Landkreis. Acht Einrichtungen werden kirchlich betrieben. Hier schließen Tarifvereinbarungen eine Kurzarbeit aus. In der Samtgemeinde Rosche betreibt das CJD Göddenstedt fünf Kitas. Auch hier ist Kurzarbeit kein Thema, wie das CJD und Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke auf Nachfrage erklären. Die Samtgemeinde Rosche wähle einen anderen Weg, um Einsparungen zu erzielen, berichtet Widdecke. Nächste Woche werde dazu der Samtgemeinderat tagen.

Die Stiftung „Leben leben“ betreibt die Kita Wunderland, sowie zwei sonderpädagogische Kindergärten. Das Kita-Personal befindet sich aktuell nicht in Kurzarbeit, aber ein Teil des Personals der sonderpädagogischen Kindergärten, wie die Stiftung erklärt. Dass nicht alle Betreiber von Kitas gleichermaßen von einer Kurzarbeiter-Regelung betroffen seien, führe in der Belegschaft des DRK „schon zu einem gewissen Unverständnis“, berichtet Tim Meierhoff.

VON NORMAN REUTER

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