Lüneburger Sonderkommission hofft auf neue Hinweise zum Brand am Stint

Brandanschlag in Lüneburg: Ein Fall für „Aktenzeichen XY“

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Anderthalb Jahre nach dem Brandanschlag auf das Lokal „La Trattoria“ laufen die Ermittlungen – jetzt auch im Fernsehen.

stk Lüneburg. Die Postkartenidylle hat eine Scharte: Wenn Touristen vorbei am Lüneburger Kran zum Stintmarkt schlendern, dann klafft dort, wo sich der Balkon des Löseckehauses befand, eine Lücke. Bei einem Brand am 2. Dezember 2013 wurde das historische Fachwerkgebäude im Lüneburger Wasserviertel zerstört.

Bis heute konnte das Feuer im italienischen Restaurant „La Trattoria“, bei dem 14 Bewohner nur mit Glück entkamen und ein Schaden in Millionenhöhe entstand, nicht aufgeklärt werden. Ein Fall für „Aktenzeichen XY-Ungelöst“. Am Mittwoch, 20. Mai, 20. 15 Uhr wird der Kriminalfall im ZDF neu aufgerollt. Tobias Gruhne, Leiter der Sonderkommission (Soko) Stint, stellt sich den Fragen von Moderator Rudi Cerne.

Auch wenn die Polizei das Wort „Mafia“ vermeidet, war schnell klar, dass es sich bei dem Brand in der Lüneburger Kneipenmeile nicht um einen Routinefall handelte. Eine Explosion war noch Straßen weiter zu hören. Von einem „heimtückischen Brandanschlag“ spricht die Polizei. Die Soko Stint ermittelt wegen versuchten Mordes in 14 Fällen. Der oder die Täter hätten die Tötung sämtlicher Bewohner bewusst in Kauf genommen. Die Hintergründe und das Motiv sind nach wie vor ungeklärt.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf einen dringend tatverdächtigen Mann, der unmittelbar nach der Explosion das gegenüberliegende italienische Restaurant „La Taverna“ durch einen Seiteneingang betrat und der trotz umfangreicher Ermittlungen bislang nicht identifizert werden konnte. Er wird als 1,70 bis 1,80 Meter groß, mit dunklen, gelockten Haaren, breitem Kreuz und leicht untersetzter Statur beschrieben.

„Die Soko ist davon überzeugt, dass viele Personen Hinweise für sich behalten, weil sie niemanden ‘verdächtigen’ möchten oder sich aus anderen persönlichen Gründen nicht bei der Polizei melden“, berichtet der Leiter der Sonderkommission Tobias Gruhne. „Die Ermittler sind jedoch auf jeden Hinweis angewiesen, egal wie unbedeutend, alltäglich oder bekannt er scheinen mag“, appelliert er an die Zuschauer von XY-Ungelöst. Die Polizeidirektion Lüneburg hat eigens ein Hinweistelefon unter der Nummer (0 41 31) 29 20 00 geschaltet.

Die Polizei setzt weiter auf anonyme Hinweise, die im Internet über ein BKMS-System (Business-Keeper-Monitoring-System) gegeben werden können. Damit werden Zeugen auf Deutsch, Italienisch und Türkisch angesprochen, denn in der italienischen Gastronomieszene sind nach Angabe der Polizei viele türkischstämmige Personen beschäftigt. Hansestadt, Versicherer und Polizei haben eine Belohnung von 20 000 Euro ausgelobt.

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