Öffentlicher Personennahverkehr

Fahrgastschwund in Corona-Zeiten im Kreis Uelzen: „Sind quasi nur Warmluft gefahren“

Stadtbus und Metro verzeichnen in Corona-Zeiten niedrigere Fahrgastzahlen als sonst. Auch, weil die Reisenden die Maskenpflicht als lästig empfinden.
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Stadtbus und Metro verzeichnen in Corona-Zeiten niedrigere Fahrgastzahlen als sonst. Auch, weil die Reisenden die Maskenpflicht als lästig empfinden.

Uelzen/Landkreis – Bus- und Bahnunternehmen verzeichnen seit Monaten zurückgehende Zahlen an Reisenden. Wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vermeldet hat, ist das Aufkommen in der Corona-Zeit auf 20 Prozent der üblichen Zahl gesunken.

Immerhin hat sich das im Laufe der Zeit, auch dank der Lockerungen, gebessert.

Fast zehn Prozent des eigentlichen Aufkommens – 120 000 Fahrgäste pro Tag – verzeichnete die Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom zu Beginn der Lockdown-Zeit. „Wir sind quasi nur Warmluft gefahren“, schaut Metronom-Pressesprecher Björn Pamperin zurück. Die Lage hat sich jedoch gebessert, so sind es nun 50 bis 60 Prozent täglich. Welcher der fahrgaststärkste Tag ist, lasse sich nicht ableiten, das sei unterschiedlich.

Weniger Reise-Anlässe

Als mögliche Ursachen nimmt Pamperin nicht etwa die Angst vor einer Infektion wahr, sondern dass es weniger Anlässe zum Reisen gibt: „Die Tagesabläufe haben sich geändert. Die Menschen sind im Homeoffice, es gibt keine Großveranstaltungen und Fußballspiele. Da gibt es den größten Teil an Fahrgästen.“

Der Rückgang an Fahrgästen sei „deutlich zu spüren“, da auch die allgemeinen Dinge, etwa die Zugreinigung, nach Fahrten mit wenigen bis keinen Gästen weitergehen. Das kostet. Und doch tat und tut das Unternehmen viel, um dem Negativtrend entgegenzuwirken. „Wir haben die Maskenregel früher eingeführt als das Land Niedersachsen und es gibt viele Angebote im tariflichen Bereich“, hofft Pamperin, dass die Zahlen weiter steigen.

Unbeliebte Masken

So geht es auch Franziska Albrecht. Die Stadtwerke-Sprecherin bestätigt, dass der Tiefstwert an Fahrgästen im Stadtbus im April und Mai zehn bis 15 Prozent betrug, der aktuelle Wert aber bei 60 Prozent des üblichen Aufkommens vor Corona liegt. Albrecht glaubt, es wird nur noch gefahren, „wenn es unbedingt vonnöten ist“.

Außerdem hört das Unternehmen immer wieder, dass die Maskenpflicht von den Fahrgästen als lästig empfunden wird. Albrecht: „Diese ist aber unabdinglich.“ Auch die Stadtwerke samt Subunternehmer RBB, der die Busse stellt, durchleben deshalb „sehr schmerzliche“ wirtschaftliche Einbußen.

Der Krise entgegenwirken konnten die Stadtwerke mit verstärktem Schutz. So wurden Schutzwände als Fahrerkabinen errichtet und der Ein- und Ausstieg auf den hinteren Bereich des Busses verlegt. „Dadurch mussten wir auch die Fahrkartenpflicht für einen gewissen Zeitraum aussetzen, da der Schutz der Fahrer und Gäste durch die Abstandsregelung oberste Priorität hatte“, erklärt Albrecht weitere Einbußen. Der Verkauf wurde aber wieder eingeführt, der Betrieb läuft „normal“ weiter. Albrecht appelliert an die Fahrgäste, die Warn-App zu benutzen: „Gerade in Bus und Bahn ist die Nachverfolgung der Infektionsketten unter normalen Umständen kaum möglich.“

Mehr getätigte Buchungen im Voraus

Konkrete Zahlen, wie es um das Fahrverhalten im Landkreis-Verkehr während der Corona-Zeit bestellt ist, konnte die Deutsche Bahn (DB) auf AZ-Anfrage nicht nennen. Bestätigen konnte eine Bahnsprecherin allerdings, dass die DB alles daran setze, um Kunden und Mitarbeiter bestens zu schützen. „Das geht nur gemeinsam: Wir schaffen mit intensiver Reinigung, kontaktlosen Ticketkontrollen etc. die Voraussetzungen dafür. Unsere Kunden halten die Hygieneregeln ein“, erklärt die Sprecherin.

Die Buchungen für Fernverkehrszüge seien zuletzt gestiegen. Während des Lockdowns lag der Wert bei 90 Prozent unter den Vorjahreszahlen, mittlerweile hat er rund 50 Prozent des 2019er-Niveaus erreicht. Die Buchungen „werden auch wieder etwas stärker im Voraus getätigt. Sprich: Die Menschen beginnen wieder, Reisen zu planen“, erklärt Albrecht. Aktuell sind ICE- und IC-Züge durchschnittlich zu 20 bis 30 Prozent ausgelastet. VON ROUVEN PETER

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