Extrem heiß und trocken

Isenhagener Land - Von Reinhard Zakrzewski. Seit fast fünf Wochen wird Norddeutschland von immer neuen Hitzewellen überrollt. Im Moment ebbt gerade die letzte Welle ab, die zwischen Aller und Elbe gestern Spitzentemperaturen von „nur“ 34 Grad brachte. Ganz anders am vorletzten Wochenende, als wir eine Hitzeperiode von noch nie dagewesener Intensität und Dauer erlebten.

Zwischen dem 9. und 12. Juli überstieg das Quecksilber gleich an drei Tagen die 35-Grad-Marke. Im nordöstlichen Niedersachsen purzelten gleich reihenweise die Tages- und Dekadenrekorde. Aber auch etliche Monatsbestmarken mussten daran glauben. Lüchow meldete 37,1 Grad (bisher 36,5 Grad), Uelzen 35,8 Grad (ehemals Ebstorf 35,4 Grad). Damit nicht genug: An der Messstelle des Umweltbundesamtes in Waldhof bei Langenbrügge wurde am 10. Juli mit 39,2 Grad eine der höchsten Temperaturen in ganz Deutschland registriert.

So wundert es nicht, dass der Juli mit einem Wärmeplus von 5,5 bis 6,0 Grad in den beiden ersten Dekaden auf Rekordkurs liegt. Sollte er dieses Niveau in etwa halten, würde er den Juli 2006 toppen, der die ewige Bestenliste anführt (Abweichung von 5,0 bis 5,5 Grad).

Auf Rekordjagd ist auch die Sonne, die mit gut 200 Stunden schon jetzt das komplette Monatssoll eingefahren hat. Was die Dürre anbelangt, wird sich an diesem Wochenende durch ein Gewittertief aus Westen wahrscheinlich viel Positives tun.

Doch kann der Traumsommer auch im August noch durchhalten? Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht. Denn im Siebenschläfer-Zeitraum vom 27. Juni bis zum 10. Juli hat sich die Atmosphäre über Europa für Sonne und Hitze entschieden. Nach allen Erfahrungen mit der Siebenschläferregel und den vorliegenden Wetterdienst-Prognosen wird sich an diesem Wetterablauf bis zum Monatswechsel kaum etwas ändern.

Im August scheiden sich dann die Geister. Ausweislich der Statistik kann sich nach einem heißen Juli im August sowohl nass-kühles (2006) als auch heißes und trockenes Wetter (2003) einstellen. Die Randbedingungen, dass die heiße Variante zum Zuge kommt, sind aber recht günstig.

Der offizielle Hitzerekord für ganz Deutschland liegt bei 40,2 Grad. In Nordost-Niedersachsen wären Allzeitrekorde von bis zu 38,3 Grad zu schlagen. Aufgestellt wurden sie fast ausschließlich am 9. August 1992, so in Uelzen 38,0 Grad, in Lüchow 37,6 Grad, in Celle-Wiezenbruch 37,5 Grad und – am 20. Juli 2006 – in Faßberg 38,3 Grad. Außer Konkurrenz, weil vom Standort nicht ganz vergleichbar, läuft die Messstelle in Waldhof–Langenbrügge, wo am 4. August 1990 sagenhafte 39,7 Grad gemessen wurden.

Für dieses Wochenende steht nun eine deutliche Abkühlung an. Ein gewittriger Tiefausläufer verdrängt ab heute die schwülwarme Luft langsam nach Osten. Am Sonnabend entsteht über Polen ein kräftiges Tief, das uns auf seiner Rückseite mit kühler Meeresluft und teils gewittrigen Niederschlägen versorgt. Bei frischen West- bis Nordwestwinden kommen die Temperaturen von Sonnabend bis Montag im Isenhagener Land nur mit Mühe über die 20-Grad-Marke hinaus. Ob es dabei, wie angekündigt, zu der dringend benötigten flächendeckenden Überregnung kommt, bleibt angesichts der unsicheren Niederschlagsprognosen abzuwarten. Ab Dienstag dürfen wir auf einen neuen Keil des Azorenhochs hoffen, der uns wieder Urlaubs- und Badewetter bringt und angenehme Temperaturen über 25 Grad. Eine neuerliche Hitzewelle in der letzten Juliwoche ist derzeit nicht in Sicht.

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