„Exoten haben Ansprüche“

Neuester exotischer Pflegling im Nabu-Artenschutzzentrum, der Grüne Leguan aus der Nähe von Celle.

Leiferde - Von Carola Peiser. Die Kapazitäten des Reptilienraums im Nabu-Artenschutzzentrum Leiferde sind restlos ausgeschöpft. Mittlerweile müssen vier Grüne Leguane darin neben zahlreichen anderen Exoten untergebracht werden.

Es ist erschreckend wie herzlos einige Tierbesitzer sich ihrer Tiere entledigen und der Fall des am 20. August gefundenen Grünen Leguans macht dies wieder einmal deutlich. Am frühen Abend wurde das etwa sechzig Zentimeter große Tier an einem Wassergraben nordwestlich von Celle gefunden. Eine Spaziergängerin war mit ihren Hunden unterwegs, als sie die mittelamerikanische Echse im Gras entdeckte. Ohne zu zögern fing sie das Tier ein und brachte es zur Betreuungsstation nach Leiferde.

Dort wird deutlich, welch großes Glück der Leguan hatte. Noch längere Zeit bei Nachttemperaturen um 12 Grad hätte der aus dem tropischen Regenwald stammende, abgemagerte Leguan nicht überlebt. Der Grüne Leguan gehört zu den beliebtesten Terrarientieren, obwohl ihm in den meisten Fällen keine artgerechte Haltung ermöglicht werden kann. Was viele Käufer beim Anblick junger Leguane im Zooladen nicht ahnen: Ausgewachsen können sie Längen von bis zu zwei Metern erreichen. Allerspätestens dann haben fast alle Besitzer nicht mehr den Platz, das Tier vernünftig unterzubringen.

„Fakt ist, wenn ein Tier die Chance hat, alt zu werden, wird es auch groß. Meiner Meinung nach ist eine artgerechte Haltung in einem Privathaushalt nicht möglich“, ist Joachim Neumann überzeugt. Das Fundtier ist nicht nur durch das Aussetzen in einem denkbar schlechten Zustand, viele der Stacheln auf dem Rücken sind abgebrochen, ein großer Teil des Schwanzes ist mit mehreren Schichten schwarzer Häutungsreste überzogen und viele Narben alter Verletzungen zeugen von vermutlich schlechten Haltungsbedingungen.

Doch es sind nicht nur Platzansprüche, die eine artgerechte Haltung erschweren. „Exoten haben generell bestimmte Ansprüche, daher sollte sich jeder vorab mit der Biologie des Tieres auseinander setzen. Der Wärmebedarf ist bei den Tieren sehr hoch, auch eine hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 85 Prozent“, weiß Neumann, der außerdem noch ganz andere Probleme sieht. Jährlich würden rund 15 000 Importe den Markt überschwemmen – Zuchten im Inland nicht mitgerechnet. Hinzu komme, dass die Tiere unheimlich günstig zum Verkauf angeboten werden. „Kornnattern beispielsweise werden auf Reptilienbörsen für unter 1 Euro verkauft. Das Tier an sich hat für den Besitzer kaum noch einen Wert. Wer sich allerdings wirklich interessiert, würde auch 300 Euro bezahlen. So ist das Tier anfangs etwas Besonderes, aber das Interesse geht schnell verloren. Es ist erschreckend, durch wie viele Hände die Tiere gehen – das bedeutet für sie Stress“, weiß der Nabu-Mitarbeiter. Gefordert sei an dieser Stelle die Politik. Die Gesetzeslage müsste geändert werden, allerdings würden da bestimmte Gruppen Sturm laufen.

Der Reptilien-Boom begann laut Neumann Ende der 90er Jahre und löste damit den Import von exotischen Vögeln ab. Der Import-Rückgang habe etwas mit der Vogelgrippe zu tun. Mittlerweile ist die Einfuhr auch verboten. In anderen Ländern gibt es allerdings auch Probleme. „In Italien ist der Tiber mit bis zu 10 000 Rotwangen-Schmuckschildkröten überlaufen. Dort ist man am überlegen, eine Massenschlachtung anzuordnen, weil die Tiere den ganzen Fluss leerfressen“, berichtet Neumann.

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