Kreisfeuerwehr zieht erste Bilanz / Bundespolizei setzt Arbeiten an der Elbe fort

Evakuierung dauert an

Mit dem Hubschrauber wurden Flutopfer aus Ortschaften in Sachsen-Anhalt evakuiert, die vom Hochwasser eingeschlossen waren. Mit an Bord: Polizeioberkommissar Klaus Wessels von der Bundespolizeiabteilung Uelzen. Fotos: Bundespolizei

Uelzen/Landkreis. Viele Gebiete in Norddeutschland stehen noch unter Wasser. Im Landkreis Lüneburg sinken langsam die Pegelstände.

Die zurückgekehrte Kreisfeuerwehr Uelzen zieht eine erste Bilanz zum Kampf gegen die Fluten, die aus Sicht des stellvertretenden Kreisbrandmeisters André Pieper positiv ausfällt. „Unsere Kräfte hatten die Aufgabe, Sandsäcke zu füllen und am Deich zu verbauen, 24 Stunden lang“, sagt er, „das ist recht gut gelaufen. “ Der Einsatz im Amt Neuhaus von Mittwoch bis Freitag vergangene Woche und Sonntag bis Mittwoch diese Woche sei unproblematisch gewesen. Täglich hätten 240 Einsatzkräfte aus dem Kreis mitgeholfen, einige von ihnen mehrere Tage am Stück.

Anwohner werden dabei unterstützt, ihre Häuser zu verlassen.

Unter den Arbeitgebern der Feuerwehrkräfte sei eine breite Akzeptanz zu spüren. „Das hängt vielleicht mit den Bildern aus Süddeutschland zusammen, die schon in den Tagen vorher in den Medien zu sehen waren“, vermutet Pieper. Angst vor finanziellen Einbußen durch die Hilfe müssen weder Arbeitgeber noch die Angestellten haben, wie die Kreisverwaltung auf Nachfrage erläutert. Die Firmen zahlen den Lohn weiter, können ihrerseits dann beim Kreis Uelzen einen Antrag auf Entschädigung stellen. Da die Einsätze, auch wenn die Feuerwehrkräfte in Nachbarkreisen aktiv sind, als „überörtliche Hilfe“ eingestuft wurden, kann sich der Kreis die gezahlten Beträge beim Land wiederholen.

Wie André Pieper berichtet, hätten den Uelzenern die Sonneneinstrahlung, viele Mücken und eine schlechte Telefonverbindung zu schaffen gemacht. Im Amt Neuhaus gebe es zudem kein DSL, berichtet Pieper. Wichtig war der Anschluss für die Kommunikationsgruppe der Uelzener Kreisbereitschaft in der Ortslage Wehningen, die mit der örtlichen Einsatzleitung in Neuhaus in Kontakt war. Wenn zum Beispiel zehn mobile Toiletten gebraucht wurden, haben die Uelzener die Organisation übernommen.

Pieper und sein Kollege Helmut Rüger hatten entschieden, dass sich die Uelzener eigenständig versorgen. „Das war wichtig, weil es zu einer guten Stimmung in der Gruppe beigetragen hat.“ Bei Geschäften im Kreis Uelzen wurde dafür eingekauft – „auch Sonntagmorgen um sechs Uhr haben sie für uns geöffnet“, so Pieper. In Dömitz etwa sei für die Anwohner die Lage beängstigend gewesen: „In einem Discounter war kein Regal mehr gefüllt, es sah aus, als hätten sie aufgegeben.“ Wenn dann auch die Einsatzkräfte den Ort verlassen, fühlen sich die Anwohner allein gelassen, weiß er.

In Klietz, südlich von Havelberg in Sachsen-Anhalt, hatte gestern eine Einsatzhundertschaft der Uelzener Bundespolizeiabteilung weiterhin alle Hände voll zu tun. Sie evakuierten in dem Ort Anwohner. Für diese Menschen sei es bedrückend, wenn sie mit gepackten Taschen vor der Tür stehen, schildert Hundertschaftsführer Bodo Pesarra die Lage. „Viele zögern es auch bis zum Letzten hinaus, einige wollen ihre Häuser gar nicht verlassen.“ Wenn es jedoch polizeilich notwendig ist, weil die Bevölkerung langsam vom Wasser eingeschlossen werde, müssten seine Mitarbeiter freundlich zureden. Bis heute Abend wird die Bundespolizei dort bleiben, die technische Einheit voraussichtlich auch noch am Wochenende. Seite 2/Politik

Von Diane Baatani und Norman Reuter

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