Etwa mehr Farbe täte gut

Der Leerstand ist eines von Uelzens Problemen. Foto: Mahler

Zur Debatte "Wie wird Uelzen attraktiv?":Wie wird Uelzen attraktiv? So lautet die Frage in der Online Ausgabe der AZ-Uelzen vom 06.02.2010.

Ist Uelzen denn nicht attraktiv? Und wenn nicht, für wen genau? Nun, die Frage ob Uelzen attraktiv ist, beantwortet wohl ein großer Teil der Uelzener Bürger mit: Nein, Uelzen ist unglaublich unattraktiv.

Das ganze Elend kann man wohl kaum besser zusammenfassen, als mit einer Frage, die ein Touristenpärchen, vor dem Gildehaus stehend (also inmitten der Stadt), vor ein paar Jahren einem Freund von mir stellte: "Wo geht es denn hier in die Innenstadt?"

Jüngere beklagen vor allem, dass es kaum Einkaufsmöglichkeit für sie gäbe. Die vorhandenen Geschäft bieten ihnen nicht die Mode die sie möchten, die Freizeitmöglichkeiten seien dürftig.

Es braucht ein verändertes Denken. Uelzen, eine Stadt, die vielleicht erst nach getaner Arbeit und nach den üblichen Geschäftszeiten auflebt oder in der die Arbeit im öffentlichen Raum stattfindet. Im Café mit dem Laptop im Netz.

Parkplatzsituation - Parkgebühren: Vielfach lese ich in der AZ oder höre von nicht ausreichendem Parkraum in Uelzen. Bei genauerer Nachfrage geht es aber eher darum, dass man genau vor den Geschäften, die man jetzt aufsuchen möchte, keinen Parkplatz bekommt. Das ist aber etwas ganz anderes! Es gibt in der Innenstadt durchaus genug Parkraum, in den Straßen, auf dem Parkplatz am Hammersteinplatz, auf dem alten Marktplatz, zwei Parkplätze in der Nähe der Polizei, Seitenstraßen, Parkhaus CeKa, Parkdeck Ramelow. Mehr als genug!

Es ist der Uelzener Bürger, der zwar gerne weite Strecken auf den Parkplätzen der Lebensmittelketten und innerhalb der großen Läden zurücklegt, aber in der Innenstadt erwartet der selbe Kunde plötzlich einen Parkplatz direkt vor der Tür. Das würde sich aber auch durch mehr Parkraum nie ändern, abgesehen davon dass es doch nur wenige zur Verfügung stehende Flächen gibt.

Hier läßt sich schnell eine Antwort finden: Beendet die Diskussion über zuwenig Parkplätze endlich! Absolute Zeitverschwendung für etwas, das sich nicht lösen lässt.

Aber - die Zahl der parkenden Autos in den Straßen nimmt nach meiner Beobachtung eher ab, was soll man auch in einer Stadt, die für den täglichen Bedarf kaum noch etwas zu bieten hat. Hier drängt sich nun die Frage auf, ob denn die Stadt nicht besser auf die Parkgebühren schleunigst verzichten sollte, um so entnervte Autofahrer wieder zu einem Besuch der Stadt zu bewegen. Parkgebühren im öffentlichen Raum haben ja vorrangig eine Lenkungsfunktion, eine Tatsache, die in Uelzens Rathaus wohl kaum einen Gedanken wert ist. Parkgebühren sollen dafür sorgen, dass Parkraum möglichst schnell wieder frei wird oder dass die Besucher der Innenstadt letztlich besser ohne Auto in die Stadt kommen, also zu Fuß, mit dem Bus, mit dem Fahrrad.

Das immer wieder gerne vorgebrachte Argument "ohne ausreichenden Parkraum kommen keine Kunden in die Läden", lässt durchaus aber auch die Frage gestattet erscheinen, warum die jammernden Geschäftsleute nicht Ihren Betrieb dorthin verlegen, wohin auch schon andere ehemalige Innenstadtgeschäfte umgezogen sind - eben weil sie mehr Parkraum benötigen? Zwei Beispiele Mega-Company/Radiohaus Nolte, Möbelkranz.

Ist Uelzen eine Autofahrerstadt?

Zu Fuß muss man zumindest mental gut gewappnet sein, denn so sieht man am ehesten das ganze Gerümpel, dass Uelzens Straßen säumt. Neben echtem Müll an verschiedenen Ecken gibt es auch noch den Kultur-Müll in Form von roten Stehlen. Scheinbar macht es einigen Leuten hier in der Stadt Spaß, dem Fußgänger das Gehen zu erschweren, rote-Stehlen, bemahlte Felsbrocken, Werbeschilder, Aufsteller. Dazu noch der Anblick leerstehender Läden. Grausam.

Als Radfahrer hat man hingegen mit einem Radwegekonzept zu kämpfen, dass vor Jahrzehnten mal passend gewesen sein mag, heute ist es das aber nicht mehr. Nicht zuletzt wurden Uelzens Autofahrer extrem geprägt, durch die weitgehende Abwesenheit von Radfahrern auf Uelzens Straßen. Hier bleibt nur zu hoffen, dass die Entscheider einen sehr genauen Blick auf die aktuelle Straßenverkehrsordnung werfen und die Radfahrer wieder zu gleichberechtigten Verkehrsteilnehmer werden lassen (was sie laut Straßenverkehrsordung sowieso sind).

Also, dann eben mit dem Bus - nun ja, Uelzen hat zwar einen Stadtbusverkehr, aber was soll man damit? Bis der jeweils nächste Bus fährt, hat man sein Ziel schon zu Fuß erreicht und kurz nach 18 Uhr ist Feierabend. Wie kommt man dann von der Arbeit nach Hause, was machen Jugendliche, wenn Sie noch ein ein wenig in der Stadt abhängen? Mit dem Stadtbus geht es jedenfalls nicht zurück.

Es gibt Städte, in denen dürfen Stadtbusse kostenlos genutzt werden. Abwegig, nein, keinesfalls! Ein großer Teil der Mitfahrenden sind sowieso Leute, die in irgendeiner Weise vergünstigt fahren (Schüler, Rentner), der Stadtbusbetrieb ist sowieso ein Zuschussgeschäft. Völlig entfallen würde durch kostenlose Nutzung ein Großteil der Verwaltung (Abrechnungen, Ausstellung von Fahrscheinen). Und unglaubliche Dinge könnten sich entwickeln. Die Stadt würde massiv vom Autoverkehr entlastet. Die Menschen würden einander wieder auf der Straße oder an der Bushaltestelle begegnen. Wäre das nicht etwas, was durch öffentliche Gelder finanziert werden sollte?

Ilmenau-Aue: Ein großer stadtnaher Park. Nur, weitgehend ohne Parkbänke, also kaum ein Ort zum Verweilen.

Sicher, in Uelzen hat man Angst (vieles scheint hier von Angst bestimmt), dass sich dort Menschen dauerhaft niederlassen könnten, denen so mancher lieber gar keinen Platz auf dieser Welt zugestehen möchte. Man erinnere sich an Uelzens unglaublich dämlichen Slogan "Sauber Uelzen", der schnell mit der unliebsamen Existenz von Obdachlosen und anderen Menschen in Verbindung gebracht wurde, die nach Meinung mancher nicht ins Stadtbild passen. Aber, wenn man aus Angst vor möglichen Beschädigungen oder der Nutzung von öffentlichem Raum, durch wen auch immer (Obdachlose, Alkoholtrinkende, spaßhabende Jugendliche), diesen öffentlichen Raum gar nicht erst gestaltet, dann hat man grundlegend nicht verstanden, was eine lebendige Stadt-Gemeinschaft ausmacht, was es dazu braucht, damit überhaupt Menschen auf öffentlichen Plätzen zugegen sind.

Uelzens Gastronomie ist im Ansatz gar nicht so schlecht, nur leider nicht besonders vielfältig. Dies kann aber nicht durch die Stadtverwaltung verändert werde, auch nicht durch Uelzens "Großes-Gesamt-Konzept-Erträumer", sondern nur durch einzelne Menschen, die aus eigener Überzeugung zur Vielfalt der Gastronomie beitragen. Gastronomen, die ihre Ideen wirklich umsetzen und nicht nur einem massentauglichen Einheitskneipen-Gedanken folgen. Und einem Publikum, das auch wirklich diese Gastronomie nutzt, denn der Uelzener Bürger ist schnell dabei, wenn es darum geht etwas zu wollen, ist es dann da - vielleicht nicht ganz so perfekt wie erwünscht - nutzt es aber niemand. Schon oft habe ich gehört: "Warum gibt es dies nicht - warum ist das jetzt weg - schade". Die Antwort darauf: "Du hast doch dort nie gekauft - du warst doch nie bei der Veranstaltung."

Uelzens Geschäftswelt: Ladengeschäfte sind wohl der allgemein augenfälligste Teil einer Stadt. Tja und da hat Uelzen ein Riesenproblem. In den letzten Jahren hat sich der Lebensmitteleinzelhandel fast vollständig aus der Innenstadt verabschiedet.

Mehrere Metzgereien, Käsefachhandel, Aktiv-Markt, Kaisers, nichts mehr übrig, bis auf eine letzte Metzgerei.

Hier wird leider ein Zusammenhang gern übersehen. Wo es keine Geschäfte für den täglichen Bedarf gibt, floriert auch der übrige Handel nicht besonders. Die Kunden suchen sich die Orte, wo sie den Großteil Ihres Bedarfs decken können und das sind hier in Uelzen eben die Geschäfte die nicht (mehr) in der Innenstadt liegen.

Ein Teil dieser Wahrheit ist, so simpel es klingen mag: die Zeiten ändern sich und zwar mit zunehmendem Tempo. Die Wandlung von Kauflandschaften und Kaufverhalten schreitet immer schneller voran, geradezu ein Todesurteil für solche von oben verordnete Konzepte, wie sie hier immer noch, gerade auch von Uelzens Arbeitskreis Marketing, gefordert werden.

Wenn man die Verschiebung der Kaufgewohnheiten ins Netz akzeptiert und somit auch klarer die veränderten Aussichten für den Einzelhandel erkennt, dann bekommt man einen ganz neuen Blick für die Zukunft, der gar nicht so düster ist, wie es zuerst scheint.

Wir brauchen mehr Gastronomie, mehr Läden des gehobenen Lebens- und Genußmittelbedarfs und mehr öffentlich nutzbaren Raum in der Innenstadt. Mit nutzbarem Raum meine ich unter anderem Sitzgelegenheiten in Fülle, auch solche auf denen man nicht wie auf dem Herzogenplatz bei Sonnenschein zu erblinden droht.

Mehr Fahrradständer, nicht solche, die man gar nicht erst als solche erkennt (diese graue Gestänge-Poller-Kombi).

Mit Gastronomie meine ich solche, die nicht nach der Methode: "iss und trink, zahle bald und bleib nicht zu lange sitzen", arbeitet, sondern eine, die mobilen Menschen, die Möglichkeit gibt, einen Teil Ihrer Arbeits- und Freizeit, beispielsweise mit dem Laptop oder mit einem Buch beschäftigt, verbringen zu können. Leben im öffentlichen Raum, mal auf einer Bank am Straßenrand, mal auf den Ilmenauwiesen ein Buch lesend, mal im Café mit dem Laptop arbeitend.

Letzteres gibt es ja sogar in Uelzen schon ansatzweise. Immer öfter sieht man Leute mit dem Laptop beispielsweise im Café Mephisto. Ein erster kleiner Anfang eines veränderten Umgangs mit Freizeit und Arbeitswelt.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Möglichkeiten des Internets von so manchem Uelzener Geschäftsmann nicht erkannt werden. Für viele hier scheint das Internet immer noch eher Bedrohung als eine Welt der Möglichkeiten zu sein. Das Internet wird gerade Städte wie Uelzen verändern. Käufe werden über das Netz abgewickelt. Der Auto-Verkehr wird abnehmen, denn man muss nicht mehr los, um in diversen Geschäften vergeblich nach einem Produkt zu suchen.

Wer hingegen Lust verspürt mal wieder ganz klassisch durch Geschäfte zu stöbern, der fährt eben in eine Großstadt. Dort wird sich der stationäre Handel halten. In Städten wie Uelzen wird es nur noch spezialisierte Läden geben, die auf den Standort wenig angewiesen sind und eben die klassischen Versorgungsläden (Discounter, Supermärkte, Baumärkte).

Neues öffentliches Leben statt erträumter Kaufgeschäfts-Vollbelegung.

Wie der erträumte Lebensmittelhandel auf dem alten Marktplatz für die Innenstadt positive Effekte haben soll, wissen wohl nur die Verzweiflungstäter. Liebe Leute, der Lebenmittelhandel an besagter Stelle wäre doch wieder nur ein typischer Autofahrer-Ready-Laden. Ein Elektromarkt an selber Stelle? Mir recht, aber warum sind in den letzten Jahren fast alle Elektroeinzelhändler verschwunden? Ich frage ja nur...

Gibt es eine Belebungseffekt durch den Uhlenköper-Park für die Innenstadt? Wohl kaum! Warum sollte dies bei dem neuen Geschäftsobjekt so sein, das in etwa ähnlich weit von der Innenstadt entfernt liegt?

Wenn ich die Leserbriefe in der Online Ausgabe der AZ zu den jeweiligen Themen verfolge, dann taucht dort immer wieder die Forderung nach Läden wie H&M, Karstadt, C&A usw. auf - gut, nichts dagegen einzuwenden, aber die Chancen sind wohl derzeit nicht so groß, dass in der Richtung irgendetwas passiert. Dazu liegt diese Stadt zu sehr am Boden. Jede der genannten Firmen checkt ihre Standorte gut ab und was ein Uelzen-Check ergibt, ist wohl nicht so schwer zu erahnen.

Einschub: Mir fällt immer wieder auf, das scheinbar mancher Uelzer annimmt, unser Bürgermeister könne die Leerstände beseitigen - er müsse jetzt etwa tun. Das kann er nicht, das ist nicht seine Aufgabe. Er ist nicht der Vermieter. Es ist eher bedenklich, wenn er sich hier zu sehr einmischt.

Ein bisschen traurig ist das Verlangen nur nach eben solchen, oben genannten, Marken-Geschäften aber auch. Gibt es denn nicht noch ein bisschen mehr in der Welt des Konsums? Ist das Verlangen nach Marken-Läden nicht irgendwie auch schon wieder von gestern? Drücken sich Uelzens Jugendliche auf ihren vielbeschriebenen Fahrten nach Lüneburg, Hamburg, Braunschweig denn nur in den Fußgängerzonen rum, die eh alle die gleichen Ketten-Läden haben? Mir fielen da auch noch ein paar andere Orte mit sehr viel interessanteren Läden ein.

Wenn man mal davon absieht, dass Jugendliche gerne andere, für sie attraktivere, Geschäfte hätten und dabei gerne Uelzens einzigen größeren Textilhändler Ramelow kritisieren, so sollte man doch nicht verachten, dass ein Textilunternehmen in der Art und Größe des Hauses Ramelow durchaus schon fast etwas Exotisches darstellt. Wenn ein Unternehmen wie Ramelow in dem heutigen harten Textilwettbewerb besteht, dann ist das eine schon beinahe unglaubliche Leistung. So schlecht kann es dann wohl doch nicht sein.

Jetzt aber, die Zukunft: Es gibt Entwicklungen in den Städten und im Kaufverhalten, die meiner Wahrnehmung nach, bei Uelzens öffentlichen Entscheidern keine Rolle zu spielen scheinen, nicht wahrgenommen werden. Oder trauen sie sich nur nicht, etwas zuzugeben? (Ich sage "scheinen", weil ich es nur annehme, aber nicht definitiv weiß).

Der Kauf verlagert sich immer mehr ins Netz.

Bücher, CDs, DVDs, Kleidung und Elektroartikel werden zunehmend Online gehandelt. Es gibt Kunden, die kaufen fast nur noch so ein.

Ich höre den Aufschrei: Ja, aber dann stirbt ja der örtliche Einzelhandel und damit unsere Stadt. Genau so ist es! Genau so wird es sein! Für manche Menschen bitter, aber Realität!

Aber, kein Schatten ohne Licht, so ist diese Entwicklung nur dann eine Riesen-Katastrophe, wenn man sich nicht darauf einstellt. Erstens ist auch der Versandhandel immer noch Einzelhandel, warum hat Uelzen davon nicht gerade viel vorzuweisen? Zweitens ist es nur die eingeengte Betrachtungsweise, die manch Uelzener dazu hat. Angst vor Veränderung macht blind für das Erkennen neuer Möglichkeiten. Die Innenstadt von Uelzen braucht ein paar Läden für den täglichen Bedarf und zwar hochwertige Ware (gefühlt hat Uelzen die weltweit höchste Discounter-Dichte).

Ansonsten muss etwas ganz anderes her! Läden in denen Menschen verweilen, vielleicht etwas trinken, einen Snack verspeisen, dabei mal ein wenig im Internet stöbern, dann etwas kaufen oder auch nicht. Vielleicht bietet der Laden ja besondere Mode, nicht-mainstream Literatur oder eine Fahrradreparatur oder hilft bei der Computerkonfiguration? Wer weiß? Solche Geschäftskonzepte gibt es längst und diese sind, nach dem was ich so mitbekomme, durchaus tragfähig. Selbst Banken erproben solche Konzepte mittlerweile.

Der Fokus muss endlich von der reinen Kaufstadt zur offenen Lebenswelt verschoben werden. Kaufstädte haben keine rosigen Aussichten mehr. Da steht Uelzen nicht alleine.

Hier könnte jetzt die Stunde unseres City-Managers schlagen, der durchaus in diesem Bereich erfolgreich ist, nur gelingt ihm, meiner Meinung nach, nicht die richtige Einordnung seines Tuns (oder es ist das öffentlich verbreitete Bild seines Tuns, was etwas ganz anderes wäre).

Unser City-Managers (verdammt, Uelzen ist im Sinne des Wortes "City" niemals eine ebensolche), hat durchaus gute Ideen, was so manche Aktion betrifft. Lange Verkaufsabende mit künstlerischen und kulinarischen Darbietungen. Advent-Kalender am alten Rathaus (nicht mein Ding, vielen anderen macht es aber Spaß). Diese durchaus gelungenen Ereignisse sind aber eben nur ein kleiner Baustein. Davon darf es ruhig mehr geben. Sie sind aber nicht Uelzens Allheilmittel.

Es gibt Dinge, die mögen zuerst wie "nicht von dieser Welt" erscheinen. Uelzens Bürgermeister brachte vor einiger Zeit mal die Idee auf (die Leser mögen mir hier nachsehen, dass ich mich nicht mehr wirklich an die Fakten erinnere), dass man in der Gudesstraße ein Ballspielfeld errichten könnte. So falsch sind solche Ideen nicht, denn eine Stadt, die, wie ich weiter oben schon schrieb, eben vorrangig keine Zukunft mehr als Einkaufsstadt hat, muss andere Nutzungsmöglichkeiten finden. Und könnte es nicht sein, dass Ballspielende sogar mal einen Snack verzehren oder ihren Durst löschen möchten? Ist das kein Konsum, ist das keine gute Aussicht für Gastronomie oder kleine Lebensmittelgeschäfte?

Immer Neues und das Alte ist schnell vergessen: Ein Uelzen-Phänomen. Es werden Plätze neu gestaltet, Häuserfronten saniert, Uelzen wird illuminiert. Dumm nur, dass all das, was kaum neu geschaffen wurde, scheinbar rasend schnell uninteressant und vergessen wird. Ein wohl gutes Beispiel ist der Schnellenmarkt. Ein Platz, der in anderen Städten ein besonderes Flair hätte, ist in Uelzen weniger als gar nichts. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass in dem Brunnen des Schnellenmarktes eine Zapfanlage integriert ist. Wohl kaum, sie war ja auch so gut wie nie in Betrieb. Welche Möglichkeiten böten sich hier für Stadtteilfeste?

Wir brauchen ein umfassendes Konzept, ist die Forderung mit der Uelzens öffentliche Entscheider seit Jahrzehnten daher kommen. Wunderbar, wie lange braucht es denn noch dafür?

Hoffentlich kommt es nie dazu, denn genau das brauchen wir nicht! Jede Form von Gesellschaft, Stadtgemeinschaft, braucht eine Vielzahl von unterschiedlichsten Angeboten und Lebensmöglichkeiten, individuellem Tun. Daraus erwächst eine Gesamtheit. Uelzen braucht Läden und gastronomische Einrichtungen, Kulturbetrieb. Eigenständige Sachen, nicht übergestülpte Konzepte. Wie klein muss man denken, oder welche Angst vor Konkurrenz treibt Uelzener Geschäftsleute dazu, nach großen Konzepten zu rufen. Was möchte man damit wieder verhindern, was möchte man damit wieder für sein eigenes Unternehmen rausschlagen? Leute, diese Art zu Denken gehört wirklich ins letzte Jahrtausend, in einer vernetzten Welt, in der zunehmend Menschen sich das heraussuchen können, was ihnen zusagt, kommt man mit Maßnahmen von oben nicht mehr allzu weit.

Schlimm ist in diesem Zusammenhang, dass bei der ersten Veranstaltung, von der der Artikel der AZ berichtet, den Gästen keine Möglichkeiten der aktiven Teilnahme gestattet waren. Wie weit muss man sich da aus der Realität verabschiedet haben, um heute noch so mit seinen Bürgern und Kunden umgehen zu können?

Eine kleine Anmerkung: Vielleicht überrascht es manchen Leser, dass ich soeben dieselben Personen sowohl kritisiert als auch mit positiven Worten bedacht habe. In Uelzen wird viel in Schwarz-Weiß gedacht. Etwas mehr Farbe täte gut.

Stefan Kolodziej,

Uelzen

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