Detlev Kösel – am 29. Februar geboren und zum zehnten Mal Geburtstag

Das erwachsene Kind

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Wann feiert man denn Geburtstag, wenn es das Datum gar nicht gibt? Diese Frage wurde Detlev Kösel schon unzählige Male gestellt, über die richtige Antwort grübelt er bis heute – natürlich mit einem Schmunzeln.

Uelzen. In dieser Woche feiert Detlev Kösel gleich zwei Mal. Schließlich hat er ja auch zwei Anlässe zu feiern. Sein 40. Lebensjahr. Und seinen zehnten „richtigen“ Geburtstag. Denn an seinem Geburtsdatum kann Detlev Kösel nur alle vier Jahre feiern.

Er hat nämlich an einem Schalttag das Licht der Welt erblickt. Am 29. Februar 1972.

„Wenn man nur alle vier Jahre Geburtstag am urprünglichen Geburtsdatum hat, dann ist das doch etwas anderes“, lacht der selbstständige Heizungsbauer. Stiefsohn Hendrik hat immerhin schon 20 „reguläre“ Geburtstage gefeiert, Detlev Kösel aber nur halb so viel. In den Jahren, die keinen 29. Februar haben, hatte der Uelzener natürlich auch Geburtstag. Aber irgendwie nicht so richtig.

Früher als Kind habe er immer versucht, die Geschenke schon am 28. Februar zu bekommen, erinnert er sich. Damit Familie und Freunde es nicht etwa vergessen. Was sie natürlich auch nicht taten. „Aber in der Schule hieß es schon mal, dass ich ja eigentlich keinen Geburtstag hätte“, erinnert er sich.

„Heute hat sich der 1. März als Datum eingependelt, da gratulieren dann alle. Denn schon einen Tag früher Glückwünsche entgegen zu nehmen, ist ja auch komisch“, schmunzelt Kösel. Aber im März ein Geburtstagskind zu sein, das im Februar geboren wurde – irgendwie passt das auch nicht. Deshalb feiert der Uelzener in den drei Nicht-Schaltjahren ganz normal mit Freunden und Familie im Regelfall am ersten Märzwochende. „Optimal wäre es da natürlich, vom 28. Februar in den 1. März zu feiern“ – aber zum einen ist das schwierig mitten in der Woche, zum anderen ist dann die Frage des richtigen Gratulations-Zeitpunktes auch noch nicht gelöst.

Dieses Jahr aber ist mal wieder ein „echter“ Geburtstag. Der 29. Februar. „Das ist schon etwas Besonderes“, freut sich Kösel. Arbeiten will er heute möglichst nicht, eigene Firma hin oder her. Schließlich ist er heute ein richtiges Geburtstagskind – und das weiß man durchaus zu schätzen, wenn man dieses Vergnügen nur alle vier Jahre hat.

Geboren am 29. Februar – so steht es auf dem Personalausweis von Detlev Kösel. Aber nicht jeder kauft ihm das ab. Etwa, als er vor Jahren ein neues Konto eröffnen wollte und er deshalb bei der Post seine Identifikation nachweisen musste. „Der Computer dort wollte den 29. Februar als Geburtsdatum einfach nicht akzeptieren, da war nichts zu machen“, erinnert sich der Heizungsbauer mit einem Augenzwinkern. „Ungültige Eingabe“ blinkte auf dem Bildschirm, egal, was der Schalterbeamte alles versuchte.

Bei der Post ist er also gewissermaßen der Mann, den es nicht gibt. Die Briefe und Pakete kommen dennoch an.

Heute aber wird erstmal gefeiert. Der zehnte richtige Ehrentag. Und das Geburtstagskind spielt übrigens längst in der Fußball-Altherren-Mannschaft von Böddenstedt/Gerdau.

Von Thomas Mitzlaff

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