Erstmals Messe im Knast

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Einige Messebesucher kamen lediglich zum Schnuppern: Bei Stefan G. (li., Name geändert) dauert es bis zur Entlassung noch vier Jahre.

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Ausgerechnet in der Justizvollzugsanstalt Uelzen mit ihrem begrenzten Publikum fand eine Messe statt. Aber durchaus zielgruppengerecht, denn es handelte sich um die erste „Entlassungsvorbereitungsmesse“.

Die derzeit rund 230 Gefangenen machten denn auch regen Gebrauch von den Informationsangeboten. „Bei uns beginnt die Vorbereitung auf den Tag der Haftentlassung mit dem ersten Hafttag“, erklärt Wolfgang Bauer vom Entlassungsmanagement der JVA. Oftmals seien die Gefangenen gering qualifiziert, es fehlen Schulabschlüsse. „Bei uns können sie den Haupt- und den Realschulabschluss nachholen.“ Im beruflichen Bereich kann man ein Zertifikat für Schweißtechnik erwerben, im Garten- und Landschaftsbau arbeiten oder im Metallbereich. Trotzdem ist die Vorbereitung auf die Zeit nach der Entlassung nur begrenzt möglich. Internetsuche nach einem Job – wenn überhaupt, dann nur unter Aufsicht möglich. Telefonate – nur unter Aufsicht. Immerhin, die Wochenendausgabe der AZ liegt wegen der Stellenanzeigen in der JVA aus. „Wir suchen aber schon für die Gefangenen im Internet nach passenden Stellen“, versichert Tanja Klomfass vom Berufsfortbildungswerk (bfw). Und mit der Arbeitsagentur arbeite man auch sehr gut zusammen. Beide Institutionen sind auf der Messe vertreten, ebenso Zeitarbeitsfirmen, die Grone Schulen oder die Stadt Uelzen. Dort ging es um vermeintlich Alltägliches: Wie komme ich an einen Personalausweis? Was muss ich tun, damit ich eine Lohnsteuerkarte bekomme? Welche Sozialleistungen gibt es überhaupt? Viel schwieriger als die Jobsuche sei die Wohnungssuche, versichert Klomfass. „Wenn ein Vermieter nur ,Breidenbeck’ als Absender liest, dann schreckt er schon zurück.“

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