Ein erstes Kennenlernen

JörgHagen

Uelzen/Landkreis - Von Marc Rath. Es gibt wohl kaum ein besseres Datum als Pfingsten für den Antritt eines neuen Propstes. Christen feiern morgen den Geburtstag der Kirche und den Beginn der Ausbreitung der christlichen Botschaft – und Propst-Kandidat Jörg Hagen stellt sich um 15 Uhr in der St.-Marien-Kirche mit seiner Aufstellungspredigt vor.

„Was die Pfingstgeschichte heute bedeuten kann und welche Rolle sie für die Kirche spielt“, will der 53-Jährige in den Mittelpunkt seiner Predigt stellen, mit der er sich vor der am 16. Juni anberaumten Wahl im Kirchenkreistag allen Interessierten zum ersten Mal öffentlich vorstellt. Der zehnköpfige Wahlausschuss und das Landeskirchenamt hatten sich Anfang Mai auf den gebürtigen Hannoveraner als einzigen Kandidaten für den im Zuge der Diakonie-Krise von allen kirchlichen Ämtern zurückgetretenen Wolf von Nordheim verständigt (AZ berichtete).

„Jörg Hagen bringt vielfältige Erfahrungen mit“, heißt es in der Pressemitteilung des Kirchenkreises. Nach seinem Studium in Bethel, Marburg und Göttingen hat er seit 1985 an drei sehr unterschiedlichen Orten gearbeitet. Bis 1992 hatte Hagen eine Pfarrstelle in der ländlichen St. Georgs-Kirchengemeinde in Warmsen im Kirchenkreis Stolzenau-Loccum. Als Pastor einer „Kirche im Dorf“ und Kreisjugendpastor hatte er enge Bindungen mit dem ländlichen Raum aufgebaut.

Seine zweite Station führte ihn nach Luxemburg. Dort war er bis 2001 in der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache als Pastor tätig. In Luxemburg zählte er zu den Mitbegründern der „Allianz protestantischer Kirchen“, deren Präsident er von 1994 bis 1998 war. Er gehörte zudem der „Association Interconfessionale“ an, die um den jüdisch-christlichen Dialog bemüht ist.

Seit 2001 wirkt Hagen als Pastor in der Osnabrücker St. Katherinen-Gemeinde. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten dieser Innenstadtkirche gehören insbesondere die Citykirchenarbeit sowie die Arbeit an traditionellen und neuen Gottesdienstformen. So hat er dort die Thomasmessen eingeführt – eine moderne Gottesdienstform, die vor etwa 20 Jahren in Finnland entstanden ist. Deren Art, Gottesdienste „mit allen Sinnen zu feiern“, soll vor allem Suchende und Zweifler einladen und ansprechen.

„Ich möchte meine vielfältigen Erfahrungen und Erkenntnisse gerne in das Amt des Uelzener Propstes einbringen“, sagte Hagen der AZ über seine Gründe für Kandidatur als Leiter des Kirchenkreises mit seinen 30 Gemeinden und rund 64 000 Mitgliedern.

Erste Kandidaten-Erfahrungen hat Hagen bereits. Vor einem Jahr hatte er sich um das Amt des Superintendenten in Göttingen beworben und war neben einem Pastorenkollegen aus Wuppertal vom Wahlausschuss vorgeschlagen worden. Sein Mitbewerber konnte sich am Ende bei der Wahl jedoch durchsetzen.

„Ganz offen“ will der Pastor morgen in die St.-Marien-Kirche treten. „Ich hoffe, dass es ein schöner Gottesdienst wird.“ Anschließend rechnet er damit, noch viel Hände schütteln und erste Kontakte knüpfen zu können.

„Kirche muss einladend wirken“, ist seine Überzeugung. Dazu gehören für Jörg Hagen eine offene Gemeindeearbeit und eine Kirche, die dialogfähig ist. Der Landkreis ist für ihn Neuland, das er möglichst unbefangen auf sich wirken lassen will.

Wenn der Kirchenkreistag sich im Juni für ihn entscheidet, rechnet Hagen mit einem Dienstantritt im Herbst. Der Pastor ist verheiratet mit der Pastorin Birgit Hagen. Das Paar hat drei Töchter. Während die 15-Jährige mit nach Uelzen ziehen wird, studieren seine 21 und 20 Jahre alten Kinder bereits.

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