Die ersten Listen sind gefüllt

Uelzen - Von Janina Fuge. „Kommen Sie her – hier gibt’s was umsonst!“ Sonnabend ist Markttag in Uelzen, da braucht’s marktschreierische Strategien, um etwas zu verkaufen. Auch CDU-Ratsherr Peter Lücke hatte etwas zu verkaufen – eine Überzeugung. Nämlich jene, etwas zu tun gegen den Beschluss des Stadtrates, die Farinastraße umzubenennen in „Am Stadtgut“, wegen Bürgermeister Farinas umstrittener Vergangenheit im Nationalsozialismus.

Ein Bürgerbegehren will Lücke initiieren und den Beschluss rückgängig machen. 2891 Unterschriften wahlberechtigter Uelzener muss er dafür bis zum 20. März zusammenbekommen. „Das werden wir schaffen“, gab sich Lücke optimistisch-kämpferisch. Und in der Tat: Schon nach nicht einmal einer dreiviertel Stunde hatte er rund 100 Namen zusammengetragen, die ersten Listen sind voll. Mit Verve warf sich Lücke ins Zeug: „Farina war kein Scharfmacher“, „das Gute wird immer vergessen: Er hat das Uelzener Stadtbad begründet, sich für die Schulen engagiert und die Stadt schuldenfrei hinterlassen“, brachte er sein positives Farina-Bild auf den Punkt, um Überzeugungsarbeit zu leisten, wo gar nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten zu sein scheint.

Keine Diskussionen, keine Angriffe – Lücke sammelte erfolgreich Name um Name. „Wir sind extra in die Stadt gekommen, um zu unterschreiben“, bekundete Regina Schulz, die mit ihrem Mann Hans gekommen war. „Ich frage mich, wie die Menschen heute sich zu damaligen Zeiten verhalten hätten“, argumentierte dieser.

Verständnis für jenes so verbreitete Mitlaufen im NS-System, selbst in politischen Ämtern, zeigte auch Hartmut Teichmann. Als Enkel des Propstes von Issendorf, über den Farina nach dem Kriegsende „schützend die Hand gehalten habe“, meinte er: Farinas Handeln, etwa die Verantwortung für eine Reihe von Inschutzhaftnahme sozialdemokratischer Uelzener, dürfe man ihm „nicht anlasten“, es sei vielmehr der „Tragik“ geschuldet, wenn jemand „in dieser widersprüchlichen Zeit etwas bewirken wollte“.

Auch Uwe Harnack gehörte zu den Unterzeichnern. „Farina hätte gar nicht anders handeln können“, meint er, zudem sei es ihm ein Dorn um Auge, dass der Impuls der Debatte „von außerhalb“ und nicht von gebürtigen Uelzern selbst komme.

Kritik gegen diese Standpunkt gab es am Sonnabend nicht sichtbar. Nicht unterschrieben hat beispielsweise Alexander Lovell. Er verfolge die Diskussion und kenne vergleichbare Fälle aus Bielefeld, sagt er. „Für eine Stadt finde ich es wichtig, dass Straßen nach Menschen benannt sind, die eine gewissen Vorbildfunktion haben.“ Lücke macht unterdessen weiter. 30 bis 40 Listen liegen nach wie vor bei einer Reihe von Bürgern aus; dass das Bürgerbegehren zustande kommt, da ist sich Lücke sicher. „Das ist aber nur die Pflicht – erst dann kommt die Kür.“

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