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Die Uelzener Innenstadt soll wieder „eine bewohnte Stadt“ werden, in der die Menschen leben und einkaufen möchten, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Munstermann. Dazu sei auch eine Veränderung an der Schuhstraße nötig.

Uelzen - Von Marc Rath. Der Wirtschafts- und Einkaufsstandort Uelzen muss gestärkt werden – Verwaltung und alle Fraktionen im Stadtrat sind sich einig, wenn es umdas Ziel der millionenschweren Investition am Veerßer Tor geht. Eine Vorentscheidung für einen Investor fällt am Montag mit der Einleitung von Vertragsverhandlungen nichtöffentlich im Stadtrat.

Die AZ erfragte vorab ein Stimmungsbild: „Die Innenstadt muss belebt werden. Wir wollen mehr Menschen in die Stadt ziehen“, beschreibt CDU-Fraktionschef Stefan Hüdepohl das Ziel. „Die Stadt muss sich deshalb zunächst deutlich von den Unterzentren, insbesondere von Bad Bevensen, Ebstorf und Bienenbüttel, durch ein qualifiziertes Warenangebot absetzen“, betont FDP-Fraktionschef Jörg Firus. „Wir wollen auch, dass die Innenstadt wieder eine bewohnte Stadt wird, die dem Leben und nicht nur dem Einkauf dient“, spielt SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Munstermann auch auf die Neuentwicklung des Quartiers an der Schuhstraße an, das mit zum Paket der Großinvestition zählt. Seine grüne Fraktionskollegin Ariane Schmäschke unterstreicht: „Insgesamt erwarte ich eine deutliche städtebauliche Aufwertung beider Standorte und damit der gesamten Innenstadt.“ Die Stadt hat bei der Ausschreibung einen umfangreichen Anforderungskatalog erstellt – vor allem für das Veerßer Tor. Baudezernent Karsten Scheele-Krogull: „Insbesondere war die Ansiedlung eines SB-Warenmhauses und Elektrofachmarktes sowie die Vorhaltung von zusätzlichen Dauerparkplätzen in einem mehrgeschossigen, Stadtbild prägenden Gebäudekomplex vorgegeben.“ Das neue Center müsse dem südlichen Eingangsbereich der Stadt gerecht werden, fordert Firus – „anders als der Getränkemarkt am nördlichen Eingangsbereich“. SPD-Fraktions-chef Munstermann ahnt jedoch, dass die Bebauung „nicht jeden Geschmack treffen wird“. Deutlich formuliert die Kommunalpolitik ihre Erwartungen an das Innenleben des Marktcenters. Mit der Ansiedlung eines namhaftes Warenhauses in der Stadt rechnet inzwischen niemand mehr. Bei dem Elektromarkt „muss es sich dann aber zwingend um ein Großunternehmen der ersten Kategorie handeln“, formuliert es Jörg Firus. Bei der Anzahl der Shops und Sortimente müsse „zum Schutz der in der Innenstadt bereits vorhandenen Anbieter verhandelt werden“, ergänzt Schmäschke. „In diesem Jahr wurde immer von einem fehlenden Magneten für Uelzen gesprochen. Vielleicht kommt ja einer, mit dem dann auch noch die erwünschten Wirkungen eintreten“, hofft Munstermann. „Die Nutzung wird das Hauptthema sein“, erklärt Christdemokrat Hüdepohl. Sollten hier überzeugende Namen ausbleiben, sieht er durchaus auch einen Vertragsabschluss als gefährdet an. „Die Investoren haben bereits mit möglichen Betreibern der geplanten Flächen Vorgespräche geführt. Sie haben aber auch die Bereitschaft signalisiert, die Auswahl der Betreiber mit der Stadt umfassend abzustimmen. Dieses gilt insbesondere für die potenziellen Betreiber des SB-Warenhauses und des Elektro-Fachmarktes“, erklärt der Baudezernent: „Ziel wird es nunmehr sein, eine Endabstimmung mit dem für die detaillierten Vertragsverhandlungen ausgewählten Bieter herbeizuführen. In diesem Zusammenhang werden auch Zusagen zu fordern sein, über die letztlich die Politik zu entscheiden hat.“ Keine großen Illusionen gibt es bei der Schuhstraße. Ketten wie H&M, die man zunächst im Auge hatte, sind längst kein Thema mehr. „Kleinflächiger Einzelhandel jeder Art wäre hier eine Bereicherung für die Stadt“, sagt jetzt Jörg Firus. Der Freidemokrat sieht indes im Marktcenter die große Chance, dass „Menschen aus der Region, die sich schon Uelzen als Einkaufsstadt verabschiedet haben, das ein oder andere Mal auf die Fahrt nach Lüneburg oder Hamburg verzichten und nach ihrem Besuch beim Elektrofachmarkt auch die Geschäfte der Innenstadt aufsuchen“. So fordert Grünen-Fraktionschefin Schmäschke für Fußgänger eine „attraktive Anbindung“ des Marktcenters an den Innenstadtkern. „Diese Verbindung herzustellen, wird die große Aufgabe sein, der wir uns stellen müssen“, sagt dazu Hüdepohl. Ralf Munstermann wünscht sich für dieses Projekt „eine positive Grundstimmung“ in Uelzen: „Seitens der Politik werden die Voraussetzungen dafür gerade geschaffen. Und darin liegt auch gleichzeitig die Gefahr. Wenn kompromissunfähige Stimmen als Minderheit die Meinungshoheit erobern, wird sich jeder Investor fragen, weshalb er nach Uelzen kommen soll, zumal das gesamte Projekt mit keinem Cent aus der Stadtkasse oder einer anderen öffentlichen Kasse gefördert wird.“ Der Sozialdemokrat ist indes überzeugt, dass das Ergebnis „eine breite Akzeptanz erreichen wird“. Die Bedingungen der europaweiten Ausschreibung sieht er skeptisch, wobei die Stadtplaner gute Arbeit geleistet hätten. Eine grundsätzliche Diskussion vor dem Start sei jedoch unterblieben, Insofern kann das Verfahren in Munstermanns Augen „nicht vollends überzeugen“. Dass die vergaberechtlichen Bestimmungen „eine breite öffentliche Diskussion der unterschiedlichen Konzepte nicht ermöglichen“, sieht auch Baudezernent Karsten Scheele-Krogull als „nachteilig“ an. Und Ariane Schmäschke betont: „Sollte die Stadt noch einmal ein Projekt im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung planen, müssen die Bürger einbezogen werden, bevor eine Ausschreibung erfolgt.“

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