Drei Tage spannende Einblicke für Neun- bis 13-Jährige

Erste Kinder-Akademie am Helios-Klinikum ein voller Erfolg

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Mika Teichmann aus Holdenstedt ist begeistert von seinem Gipsarm, den Prof. Dr. Jürgen Brand dem Zwölfjährigen aus Holdenstedt angelegt hat.

Uelzen – „Wie lange brauchst du, um eine Wunde zu vernähen?“, fragt ein Junge. „Na sagen wir mal so – ich kriege es ziemlich schnell hin, dass es nicht mehr blutet“, antwortet Markus Pleizier, Oberarzt der Unfallchirurgie am Uelzener Helios-Klinikum.

Er und einige seiner Kollegen waren von Montag bis heute die Dozenten der Kinder-Akademie.

Den Ärzten hat dieses schnellste Medizinstudium der Welt für neun- bis 13-jährige Kinder mindestens genau so viel Spaß gemacht wie den „kleinen Studenten“, die die Uni mit einem Diplom und viel Wissen um das Geschehen in einem Krankenhaus verließen.

„Lernen und schauen mit Spaß“, umriss Prof. Dr. Jürgen Brand, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, die Intention der Kinder-Akademie, die zum ersten Mal stattfand. Es war ein Mix aus Theorie und Praxis, der Kindern Angst nehmen, sie aber auch mit medizinischen Berufen vertraut machen soll. Die Akademie war auf 30 Kinder beschränkt, „wir konnten nicht alle Anmeldungen berücksichtigen“, sagt Helios-Pressesprecherin Sonja Mengering. Sie glaubt fest daran, dass es 2020 eine Neuauflage geben wird.

Gestern lagen auf einem Tisch Küchenschwämme, umwickelt mit eingeschnittenem Pflaster. Das sollte Schnittwunden simulieren, die die Kinder unter Anleitung vernähten. „Letztlich ist das Vernähen Übungssache“, erklärt Oberarzt Markus Pleizier, „ein bisschen Fingerspitzengefühl braucht man schon“. Ist die Wunde vernäht, werden die Fäden standardmäßig verknotet. „Das würde man in der Notaufnahme auch so machen.“

Gleich nebenan wird gegipst. Die Kinder bekommen einen Strumpf über den Arm gestreift mit einem Loch für den Daumen. Dann kommt Watte drumherum, „weil es sonst Druckstellen von dem harten Gips geben könnte“, erklärt Assistenzarzt Jan Rutkowski. Dann wird der Gips feucht gemacht und draufgelegt – die Reaktion mit dem nassen Element lässt ihn fest werden. Natürlich ist das Ganze für diese Übungszwecke mit einer Schiene verbunden, die sich leicht wieder entfernen lässt.

„Bei Kindern heilen Brüche schneller“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Brand. „Bei Fünfjährigen dauert das in der Regel zehn Tage, bei Zwölfjährigen drei Wochen, bei Erwachsenen vier bis fünf Wochen.“

Die Kinder-Akademie lief strukturiert nach Stundenplan ab – eben wie an einer Uni. Die kleinen Studenten kennen sich jetzt mit der Hände-Desinfektion aus, sie wissen, wie ein Rettungshubschrauber von innen aussieht, was in einer Notaufnahme passiert, wie ein Gehirn abgebildet werden kann und was es mit der Endoskopie auf sich hat. Auch das „Wunder der Geburt“ (Kreißsaal) war ein Part, ebenso „Der Rhythmus des Lebens“ (Kardiologie).

„Es geht darum, spielerisch zu erklären, wie Medizin funktioniert“, betont der Ärztliche Direktor Dr. Jens Schaumberg.

VON ULRIKE MEINEKE

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