Wort zum Sonntag

Erstaunliche Hilfsbereitschaft

In den vergangenen Tagen haben viele Menschen ungläubig die Bilder verfolgt: Die Pegelstände von Donau, Elbe, Saale, Mulde und anderen Flüssen haben nicht nur in Deutschland neue Höchstmarken erreicht.

Wolfhardt Knigge

Auch in Tschechien, Österreich und anderen Ländern sind die Flüsse über die Ufer getreten und haben verheerende Schäden angerichtet. Die täglichen Szenarien der Überflutung aus Passau, Bad Schwantau, Dresden und anderen Regionen sind mir nahe gegangen. Vor allen Dingen wo Menschen zu Wort kamen, die 2002 schon einmal fast alles in der damaligen Jahrhundertflut verloren hatten und ganz von vorn anfangen mussten. Elf Jahre später machen sie nun die Erfahrung: Die Pegelstände von damals werden sogar noch überboten. Manche hat der Schock einer erneuten Flut sprachlos gemacht; andere sagten fast trotzig vor laufenden Fernsehkameras, dass sie auf keinen Fall aus der betroffenen Region wegziehen wollten. Beeindruckt hat mich eine Meldung, die in den vielen menschlichen Tragödien eine - im wahrsten Sinn des Wortes - „gute Nachricht“ war: Mitten im Chaos wurde eine erstaunliche Hilfsbereitschaft unter den Menschen spürbar: Viele meldeten sich in den betroffenen Regionen freiwillig, um Sandsäcke zu füllen; ein Schuldirektor ermutigte Schüler, sich als Helfer zur Verfügung zu stellen und sich dafür schulfrei zu nehmen; Hilfsorganisationen bekamen spontan Wohnzimmer angeboten als Übernachtungsmöglichkeit für Menschen, die aus Gefahrenzonen evakuiert wurden.

Im biblischen Wort für die kommende Woche sagt Jesus: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Manchmal fragen wir, wenn bei anderen oder bei uns selbst „Land unter“ ist: „Und wo ist Gott“? Ich glaube, er ist da, wo Feuerwehrleute einen gehbehinderten Mann aus seinem Haus durchs Wasser tragen; er ist da wo Soldaten und Schüler Sandsäcke stapeln, um Dämme zu stabilisieren; Gott ist da, wo Stoßgebete zum Himmel gehen und „erstaunliche Hilfsbereitschaft“ durch Menschen plötzlich Hand und Fuß bekommt. Schließlich ist Gott Mensch geworden, um uns menschlich zu begegnen – nicht nur in Krisenzeiten.

Wolfhardt Knigge leitet das Missionarische Zentrum in Hanstedt I und ist Pastor der dortigen St. Georgs Kirche.

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