"Nicht nur in leckerer Safransoße auf dem Teller"

"Meister Lampes Swingerclub": Zu Ostern erstaunliche Fakten über den gemeinen Feldhasen

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Nachwuchssorgen kennt er nicht: Der Feldhase bringt es auf drei bis 16 Jungtiere im Jahr.

Uelzen. Meister Lampe, Lepus europaeus (wie Studierte den gemeinen Feldhasen nennen), geht es gut. Durchschnittlich elf Hasen, genauso viele wie im Vorjahr, tummelten sich 2015 im Durchschnitt auf einem Quadratkilometer.

Das hat der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) bei seiner jüngsten Hasenzählung ermittelt. Hochrechnungen ergeben: In Deutschland leben derzeit rund 3 bis 3,5 Millionen Feldhasen – auf 25 Bundesbürger kommt also ein Osterhase. Die Bestände des Feldhasen seien seit Beginn der bundesweiten Erfassung im Jahr 2002 trotz leichter Schwankungen stabil.

Um Entwicklungstrends besser einschätzen zu können, zählen Jäger und Wissenschaftler zweimal jährlich auf denselben Flächen und ermitteln die Nettozuwachsrate. Erfreulich: Von Frühjahr bis Herbst 2015 lag diese im Bundesschnitt bei 16 Prozent und damit vergleichsweise hoch.

Spitzenreiter waren das Südwestdeutsche Mittelgebirge und die Norddeutsche Tiefebene mit 21 Prozent Zuwachs. Der Osten Deutschlands bleibt eine eher hasenfeindliche Region. Der Hase, ursprünglich ein Steppenbewohner, liebt kleine Felder und weite Feldraine.

Entgegen anderslautender Vorurteile vermehren sich die Langohren nicht wie die Karnickel. Sie bringen es aber immerhin auf drei bis vier Würfe im Jahr, mit je zwei bis vier Nachkommen. Herr Hase, genannt Rammler und Frau Hase, die Häsin, tun es allerdings nicht monogam.

In der Paarungszeit (Januar bis Juli) gründen sie eine Art Swingerclub. In dieser Zeit lebt Meister Lampe besonders gefährlich. Immer wieder erwischt es liebestolle Rammler und Häsinnen auf den Straßen. Verkehrsunfälle sind heute die Haupttodesursache. Nach aktuellen DJV-Erhebungen beträgt der Anteil der Verkehrsopfer an der Jagdstatistik bundesweit mehr als ein Viertel. In Brandenburg werden sogar drei von vier Tieren, die in der Jagdstatistik erscheinen, im Straßenverkehr getötet.

Auch andere Faktoren haben Einfluss auf die Population. Zwei Hauptfeinde haben den Hasen auf dem Speisezettel. Einer davon ist bekanntlich Reineke Fuchs. Vulpes vulpes hat sich in den letzten Jahren drastisch vermehrt. Noch gefährlicher ist Homo sapiens sapiens (landläufig auch als „Mensch“ bekannt). Er macht den Mümmelmännern auf vielfältige Weise das Leben schwer.

Dabei gibt es kaum ein Tier, das von den Menschen so geschätzt wird. Und das nicht nur in leckerer Safransoße auf dem Teller. Hase, Hasi, Häschen sind wohl die beliebtesten Kosenamen für Verliebte. In der Fabel wurde dem Tier ein Denkmal gesetzt – als schneller, aber zuweilen einfältiger und auch gerissener Geselle.

In den Sprachgebrauch haben sich viele Redewendungen eingebürgert: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“, „ein Hasenfuß sein“, „wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“. Und selbst im Universum spielt er eine bedeutende Rolle. Das Sternbild des Hasen erstreckt sich am Südhimmel.

Absoluter Höhepunkt der Verehrung ist das Osterfest. Das Tier der griechischen Liebesgöttin Aphrodite und der germanischen Erdgöttin Holda gilt traditionell als Fruchtbarkeitssymbol. Warum er ausgerechnet zu Ostern mit einer Kiepe voller bunt bemalter Eier durch die Gegend geschickt wird, ist umstritten. Diesen Bezug gibt es erst seit ein paar hundert Jahren.

Zuvor hatten Storch, Kuckuck und Auerhahn den Osterjob.

Von Christian Wohlt

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