Eine Achterbahnfahrt für die Händler

Erst Verkaufsverbot, jetzt Lockerungen: Wie Uelzener Ladenbetreiber mit der Lage umgehen

Uelzen/Landkreis – Für Margarete Höber-Läer waren die vergangenen Wochen eine emotionale Achterbahnfahrt. Die Geschäftsführerin des Schuhhauses Höber hat mit ihrem Mann Nächte damit zugebracht, bei der N-Bank finanzielle Hilfen zu beantragen.

Sie gibt im AZ-Gespräch unumwunden zu: Die Kräfte schwinden. Ihr Mann, Niko Läer, der Prokurist des Unternehmens ist, sagt: „Es sind mit Abstand schon die herausfordernsten Wochen. “.

Wegen der Corona-Pandemie hatte Margarete Höber-Läer ihre Niederlassungen in Uelzen, Bad Bevensen und Winsen schließen müssen, womit Einnahmen aus dem Direktverkauf passé waren. Nun haben Bund und Länder festgelegt, dass Geschäfte bis 800 Quadratmeter ab Montag wieder öffnen dürfen. Es ist ein wenig Licht am Ende des Tunnels für den Schuhhandel Höber. Niko Läer: „Unsere Geschäfte haben Größen zwischen 150 und 400 Quadratmetern.“

Das Schuhhaus hatte nach dem sogenannten Lockdown über Telefonberatungen und über Online-Handel versucht, zumindest einen Teil des sonst üblichen Umsatzes zu erzielen. Zwischen zehn und 15 Prozent seien erwirtschaftet worden. Eine marginale Größe, so Niko Läer. Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden, Gelder wurden beantragt. Und dies alles im Monat März, der für den Schuhhandel eigentlich wichtig ist, weil dort Einnahmen erwirtschaftet würden, um Ausgaben von Januar und Februar zu begleichen, wie Höber-Läer schildert.

Niko Läer, der sich auch im Uelzener Handelsverein engagiert, gibt sich keinen Illusionen hin: Dass der Kundenzuspruch wieder auf das Maß anwachse, wie vor dem Lockdown, davon gehe er nicht aus. Wenn es weiterhin Vorgaben gebe, größere Geschäfte geschlossen blieben, dann fehlten Magneten für die Innenstadt, die Kunden auch in die Höber-Niederlassungen bringen würden.

Das Modehaus Ramelow liegt mit knapp 3000 Quadratmetern weit entfernt von der gezogenen Grenze. Nach dem Lockdown begann das Modehaus mit einer direkten Ansprache von Kunden, um ein wenig Umsätze reinzuholen. „Wir haben damit begonnen, Stammkunden anzurufen. Bei Bedarf schnüren wir ein Kleiderpaket“, schildert Uwe Schwenke das aktuelle Vorgehen. Kunden hätten dies positiv bewertet. Zu den jetzt getroffenen Bestimmungen sagt der Geschäftsführer Uwe Schwenke: „Es ist eine Entscheidung, die zu respektieren ist. Es geht um unsere Gesundheit.“ Er stellt aber die Frage in den Raum: „Was ist, wenn ich von meinem Geschäft 800 Quadratmeter öffne und den Rest abssperre?“

Für den Elektrohandel Expert ist das gestern nach den Beschlüssen von Bund und Ländern die Option, mit der man wieder in den direkten Verkauf gehen will. In den zurückliegenden Wochen hatte Expert über Telefonie, per Whatsapp und Internet Außer-Haus-Services angeboten, schildert Philipp Meinecke, einer der Geschäftsführer des Expert-Hanse-Verbunds. „Wir haben einen Versorgungsauftrag“, sagt er. Sein Vater Peter Meinecke, ebenfalls Geschäftsführer beim Expert-Hanse-Verbund, berichtet, dass etwa 20 Prozent der bisherigen Erlöse auf diesem Weg erwirtschaftet werden konnten.

Nun ist der Plan: Eine Teilfläche der Uelzener Niederlassung soll für den Verkauf abgetrennt werden, die zulässigen 800 Quadratmeter. Einem Kunden sollen, so sehen es die Beschlüsse vor, 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Darauf werde geachtet, sagt Philipp Meinecke. Die letzten Wochen seien genutzt worden, um im Fall einer Öffnung vorbereitet zu sein. Niesschutzwände seien vorhanden, Bodenaufkleber, Masken und Desinfektionsmittel besorgt worden.

Alexander Hass, Leiter des Uelzener Stadtmarketings, sieht die Herausforderungen für die Händler in diesen Zeiten und betont, dass nun Lösungen gefunden werden, mit denen das Ansteckungsrisiko möglichst gering ist. Wichtig für eine lebendige Stadt Uelzen auch nach der Corona-Krise sei, dass die Menschen lokal denken und mit Einkäufen die Händler vor Ort unterstützen, so Alexander Hass.

VON NORMAN REUTER

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld / dpa

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