Ramadan N.: Anwälte hinterfragen Anklage

Erpresst oder verschuldet?

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Am 14. Februar geht der Prozess am Landgericht Lüneburg weiter.

Uelzen. Den Vorwurf der schweren räuberischen Erpressung haben Mittwoch die Verteidiger der beiden Uelzener Ramadan N. und Suleiman K. hinterfragt.

In der Sitzung am Landgericht Lüneburg erklärten die Rechtsanwälte Dirk Schoenian und Christian Korn, dass sie die Ermittlung gegen die 26 und 24 Jahre alten Uelzener für fragwürdig hielten. Die Schlussfolgerung, die ein Polizeibeamter aus der Abhörung von Telefonaten gezogen und auf deren Grundlage er das vermeintliche Opfer, ein Gastronom aus dem Kreis Uelzen, zum Vorwurf der Erpressung vernommen hatte, sei in einem neuen Licht zu betrachten.

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Dabei bezogen sich Schoenian und Korn darauf, dass der Gastronom zwar auf Nachfrage des Polizeibeamten eingeräumt habe, im September 2011 von den Angeklagten und einem weiteren Mann, Arben P., der sich bereits wegen einer anderen Sache in Haft befindet, erpresst worden zu sein. Zu einem späteren Zeitpunkt jedoch hätten der Gastwirt und auch dessen Bruder, der im Nachhinein über die mutmaßliche Erpressung ebenfalls informiert worden sein soll, ihre Aussage nicht wiederholen wollen. Bei der Vernehmung vor Gericht machten sie, wie berichtet, keine genauen Angaben zur Tat, aus Angst, dass die Spielsucht des Gastwirtes dessen Vater zu Ohren kommen könnte. Ob es sich also um eine Erpressung oder aber vielmehr das Eintreiben von Schulden handelte, sei somit nicht belegt, machten die Verteidiger deutlich.

Bei der ersten Vernehmung sei der Gastronom darüber von der Polizei informiert worden, dass dem Vorwurf einer Erpressung nachgegangen werde. Daraufhin habe er den Vorfall eingeräumt und auch gesagt, dass er nach dem Überreichen der erpressten Summe von 3000 Euro von einem der Angeklagten geschlagen worden sei. Warum er „erpressbar“ gewesen sei, sei für die Ermittler hingegen nicht deutlich geworden.

Die 3. große Strafkammer erhofft sich nun mehr Klarheit durch weitere Zeugenvernehmungen. Bei der Fortsetzung der Verhandlungen ab dem 14. Februar sollen der Vater des mutmaßlichen Erpressungsopfers und weitere Polizeibeamte gehört werden.

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