Durfte der Bierlaster-Fahrer die B 4 nutzen? Initiative kritisiert niedrige Bußgelder

Ermittlungen zu Mautflucht

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Für die Einwohner von Kirchweyhe ist es ein tägliches Schauspiel: Lkw brettern durch den Ort. Einige Fahrer der Sattelzüge, so wurde bei Kontrollen an der B 4 deutlich, sind Mautflüchtlinge.

Uelzen/Landkreis. Bei den Ermittlungen zum Verkehrsunfall auf der B 4, beim dem am Montagmorgen 16 000 Bierflaschen auf die Ortsdurchfahrt von Kirchweyhe kippten, wird auch geprüft, ob es sich bei dem Fahrer des Sattelzuges um einen sogenannten Mautflüchtling handelt.

Das bestätigte gestern Polizeisprecher Kai Richter auf AZ-Nachfrage. Beladen mit 24 000 Litern Bier war der 35-jährige Fahrer auf dem Weg von München nach Schleswig- Holstein, hätte für seine Fahrt auch die Autobahn 7 Richtung Norden nutzen können. Allerdings wären dann Mautgebühren angefallen, die von Fernfahrern umgangen werden, indem Bundes- und Landstraßen genutzt werden. Für die B 4 gibt es ein Durchfahrtsverbot für Lastkraftwagen, sofern damit die Autobahnen umgangen werden. „Schilder bei Celle und Lüneburg weisen auf die Regelung hin“, so der Leiter des Polizei-Streifendienstes Uelzen, Ralf Munstermann. Lkw aus Skandinavien und auf dem Weg dorthin seien bei Kontrollen an der B 4 immer wieder angetroffen worden, erklärte der Polizist. Allerdings die Mautflucht einem Fahrer nachzuweisen, sei nicht einfach. „Es muss ein lückenloser Beweis geführt werden, um den Fahrer zu belangen“, so Munstermann.

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Sollte dem Fahrer des Unfallfahrzeugs von Montag ein bewusstes Umfahren der Autobahnen nachgewiesen werden, muss er nach Auskunft von Kai Richter mit einem Bußgeld von 25 Euro rechnen. „Ein viel zu geringer Betrag“, meint Hans-Jürgen Chlechowitz aus Kirchweyhe. Mit anderen Einwohnern hat er vor 15 Jahren eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die eine Ortsumfahrung forderte. Das Ziel ist zum Greifen nah: Ende April wurden die Arbeiten an der Trasse um Kirchweyhe herum fortgesetzt. In wenigen Monaten könnten bereits die ersten Autos auf der Ortsumgehung unterwegs sein. Der Unfall von Montag habe aber vor der Eröffnung der Trasse noch einmal gezeigt, so Chlechowitz, was den Anwohnern der Hauptstraße in all den Jahren zugemutet worden sei. „Neben der hohen Anzahl der Fahrzeuge sind es auch die Risiken bei Unfällen. Ein ins Schleudern geratener Tanklaster hätte ganz andere Folgen gehabt“, so der Kirchweyher. Das Thema Mautflucht habe deshalb die Bürgerinitiative in der Vergangenheit beschäftigt. „Aber wer mit einem Strafgeld von 25 Euro rechnen muss, zahlt das einfach. Die Maut wäre ja höher“, sagt Chlechowitz.

Von Norman Reuter

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