Geschichtswerkstatt Uelzen lädt heute zum Holocaust-Gedenken ins Rathaus ein

Erinnern in Zeiten der AfD

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Am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus vorm Rathaus beginnt heute das Gedenk-Programm. Nicht nur das Erinnern, sondern auch die Bedeutung der Menschenrechte betonen Christine Böttcher und Dietrich Banse von der Geschichtswerkstatt.

Uelzen. „Wir gehen davon aus, dass es wichtig ist, am 27. Januar nicht nur an Auschwitz zu erinnern, sondern auch an die Einhaltung und Bewahrung der Menschenrechte“, sagt Dietrich Banse vor der heutigen Veranstaltung zum Gedenken an die Holocaust-Opfer. Zusammen mit Dr.

Christine Böttcher steckt Banse als Vorstandsmitglied der Geschichtswerkstatt Uelzen federführend hinter dem Programm in der Hansestadt.

Ab 18.30 Uhr wird vor dem Rathaus an die Opfer des Nationalsozialismus in Uelzen, unter ihnen die Zwangsarbeiter in der Uelzener Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme sowie 17 getötete Juden, erinnert. Ab 19 Uhr interpretiert die Berliner Musikerin Cathrin Alisch Gedichte von Mascha Kaléko. Böttcher erwartet ein beeindruckendes Konzert: Alisch habe „sehr große musikalische Möglichkeiten“, spiele diverse Instrumente und könne sich der jüdischen Dichterin des 20. Jahrhunderts so auf vielfältige Weise nähern.

Kurz nach der sogenannten „Dresdener-Rede“ von Björn Höcke, in der der thüringische Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD) das Berliner Holocaust-Denkmal als „Denkmal der Schande“ betitelte, will man solchen Stimmen bei der Uelzener Geschichtswerkstatt nicht zu viel Beachtung schenken. Es handele sich letztlich um einzelne, auf Provokation abzielende, aggressive Stimmen, die „mit Betroffenheit zur Kenntnis“ genommen würden. Sie hoffe aber, dass es auch durch die Beiträge, die die Geschichtswerkstatt im Regionalen leiste, dabei bleibe, dass solche Aussagen Minderheiten zuzurechnen blieben, meinte Böttcher.

Vor Ort mache die Geschichtswerkstatt mit ihrer Erinnerungs- und Auflärungsarbeit gute Erfahrungen. Das Mitte der 80er Jahre errichtete Uelzener Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus fände viel Beachtung, für die Stolpersteine zum Gedenken an die getöteten Uelzener Juden hätten sich vor fünf Jahren schnell zahlreiche Spender gefunden und Oberschüler pflegten die Gedenksteine seither engagiert, so Banse. Bei Führungen zeige er die Geschichte von Euthanasie-Opfern und ihren Angehörigen und dass dieser Teil deutscher Geschichte auch regionale und somit „unsere“ Geschichte sei. „Menschenrechtsbildung auf hohem Niveau“ nennt Banse das. Und die Schüler hörten dabei nicht nur pflichtschuldig, sondern durchaus interessiert zu.

Zum geschichtlichen Hintergrund: Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Seit 2005 ist der Tag deswegen internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Zum fünften Mal liegt das Gedenken in Uelzen in den Händen von der Geschichtswerkstatt, die aber betont, dass man offen dafür sei, Impulse von anderen aufzunehmen.

Von Steffen Kahl

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