Gerald Klamer ist in Deutschland unterwegs - jetzt macht er Station in Uelzen

Er wandert tausende Kilometer für den Wald

Gerald Klamer ist seit Februar in deutschen Wäldern unterwegs.
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Gerald Klamer ist seit Februar in deutschen Wäldern unterwegs.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Gerald Klamer wandert durch deutsche Wälder, mehr als 5000 Kilometer hat er bereits zurückgelegt. Jetzt macht er Station im Uelzener Stadtwald – und erklärt, was ihn antreibt und warum er sein bisheriges Leben hinter sich lässt.

Uelzen – Als am Freitagmorgen der Himmel seine Schleusen öffnet und starker Regen auf die Blätter des Uelzener Stadtwalds fällt, fühlt sich Gerald Klamer an ein Erlebnis in den Ausläufern des Thüringer Waldes erinnert. Als er dort sein Nachtlager aufschlug, zog ein Gewitter heran, das so heftig ausfiel, dass die Heringe seines Tarps herausgerissen wurden und er nur noch schützend die Plane über den Kopf halten konnte. Zur Heimkehr hat ihn das nicht bewogen. Gerald Klamer durchwandert seit Februar deutsche Wälder, mehr als 5000 Kilometer hat er bereits zurückgelegt. Jetzt ist Klamer in Uelzen angekommen.

Er verbindet mit seinem Weg durch die Republik „zwei Leidenschaften“, wie Klamer im AZ-Gespräch sagt – fürs Wandern und für den Wald. Den Großteil seines Lebens hat der 54-Jährige im Marburger Raum als Förster gearbeitet.

Seine Tour hat einen ernsten Hintergrund: „Ich will auf den Zustand des Waldes aufmerksam machen. Die Dürren der letzten Jahre haben ihm zugesetzt“, so Klamer. Außerdem ist er überzeugt: Da den Menschen der Klima- und Umweltschutz wichtig ist, gilt es auch bei der Waldbewirtschaftung nachzubessern.

Das bisherige Leben aufgegeben

Für seine „Mission“ hat er sein bisheriges Leben hinter sich gelassen. Klamer hat seine Arbeit als Förster an den Nagel gehängt, die eigenen vier Wände aufgegeben, das Auto und ein Großteil seines Hab und Guts verkauft. „Meine Bücher abzugeben, das war schwer“, sagt er.

Ein solch radikaler Schnitt, selbst den Beruf aufzugeben, kommt nicht von ungefähr. Klamer hat in seinen Jahren als Förster, wie er erzählt, drei Reviere betreut, Stellungnahmen abgegeben für die Erweiterung des Frankfurter Flughafens und hat sich um FFH-Gebiete gekümmert. Was er im Beruf sah und die Vorgaben, die zu erfüllen waren, widersprachen zunehmend seinen Überzeugungen.

Ein Beispiel: „Alle 20 Meter werden Rückewege in den Wäldern angelegt“, das sind Schneißen, über die der Holzeinschlag organisiert wird. Der Abstand ist dem Einsatz von Maschinentechnik geschuldet. Wegen der Dichte der Rückewege gehe viel Waldfläche verloren, moniert Klamer. Die Böden der Wege würden weniger Wasser aufnehmen, was wiederum dem Wald zusetze.

Klamer lobt dabei die naturnahe Bewirtschaftung im Uelzener Stadtwald mit größeren Abständen der Rückewege. „Das ist großartig“, sagt er. Stadtförster Thomas Göllner berichtet, dass diese Form der Bewirtschaftung in Uelzen viel Rückhalt erfahre. Unter anderem durch den Einsatz von Rückepferde sei es möglich, mehr Platz zwischen den Wegen zu lassen.

Klamers Tour führt ihn genau zu solchen Anlaufpunkten, zu Wissenschaftlern und Naturstationen, über die es sich zu berichten lohnt. Das macht er in Form seines Blogs unter dem Titel „Waldbegeisterung“.

30 Kilometer legt Klamer pro Tag im Schnitt zurück, übernachtet wird in der Regel unter freiem Himmel. Nur alle zehn Tage kehrt er ein, um auch seinen Laptop, über den er seinen Blog führt, wieder aufzuladen.

Buch mit Erlebnissen und Erkenntnissen

Am 8. November will er wieder in Marburg zurück sein. Seine Route wird ihn noch über den Harz führen, bevor er nach Hessen kommt. Nach seiner Rückkehr will er all das, was er erlebt, gesehen und besprochen hat, in einem Buch festhalten. „Das ist der nächste Schritt“, sagt Klamer.

Lässt sich schon ein vorläufiges Fazit ziehen? „Der deutsche Wald ist geschwächt, stirbt aber nicht.“ Und: „Bei der Waldbewirtschaftung wird zu sehr der Fokus auf die Rohstoff-Erzeugung gelegt.“ Stattdessen sollten Wälder artenreicher angelegt und bodenschonender bewirtschaftet werden.

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