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Er bestellte Waren unter falschen Namen: 38-Jähriger schrammt an Haft vorbei

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Von: Norman Reuter

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Amtsgericht Uelzen
Amtsgericht Uelzen © Lars Becker

Er bestellte Liköre, Honig, Cremes oder Tee im Wert von mehr als 1000 Euro unter falschen Namen und bezahlte sie nicht: Ein 38-Jähriger aus dem Landkreis Uelzen ist wegen Betruges vor dem Amtsgericht haarscharf an einem Gefängnisaufenthalt vorbeigeschrammt.

Uelzen – Richter Walter Graf Grote hielt dem Mann zugute, dass er sich weitestgehend geständig zeigte, verhängte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten – ausgesetzt auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte – weil der 38-Jährige mehrfach wegen Betruges vor Gericht stand – keine positive Sozialprognose mehr gesehen und eine Haftstrafe von 16 Monaten ohne Bewährung gefordert.

Der 38-Jährige erklärte, er habe in einer Scheune einen Hofladen eröffnen wollen. Freunde hätten ihn auf die Idee gebracht. Die bestellten Waren, darunter Lakritz in größeren Mengen sowie Met, sollten dort verkauft werden. Obwohl er die Ware in drei Fällen geliefert bekam, beglich er die Rechnungen nicht. Zwei weitere Bestellungen wurden gar nicht mehr geliefert. Die Staatsanwaltschaft wertete sie als Betrugsversuche.

Über die Verkaufsplattform Ebay verkaufte der 38-Jährige auch einen Internet-Router, ohne ihn abzuschicken. 100 Euro waren vereinbart worden, erklärte der Käufer gegenüber der Polizei. Womöglich habe er sie später verschickt, so der Angeklagte. So richtig daran erinnern könne er sich nicht. Nach Aktenlage wartete der Käufer sieben Monate vergebens.

Warum passierte das alles unter anderen Namen, wollte der Richter wissen. „Meine Bonität ist nicht gut“, bekam er zu hören. Im Urteil nahm Graf Grote darauf Bezug: „Im Wissen, eine schlechte Liquidität zu haben, und mit anderen Namen zu agieren, haben Sie mindestens in Kauf genommen, dass es mit der Abwicklung schwierig werden würde.“

Im Auszug des Bundeszentralregisters des 38-Jährigen sind acht Verurteilungen zu finden, immer wieder wegen Betrugs. Der Angeklagte, der sich selbst verteidigte, bat noch einmal um Milde. Er habe zu arbeiten begonnen, erste Raten für die Waren gezahlt, sich geständig gezeigt. Zudem sei er alleinerziehender Vater von Kindern. Das alles bewahrte ihn vor dem Gefängnis, der Richter ließ aber keine Zweifel aufkommen. Er habe das Urteil „mit Bedenken“ abgefasst, sagte er. „Machen Sie sich erneut strafbar, müssen ihre Kinder entweder zur Mutter, zu den Großeltern oder in Pflegefamilien. Sie sollten sich überlegen, ob sie das den Kindern antun wollen“, mahnte er. nre

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